Karate wird heuer - wie auch Klettern und Skateboard - erstmals bei den Olympischen Sommerspielen abgehalten. Dabei wird es jedoch nun vorerst bleiben, schließlich steht diese Sportart bei den Olympischen Spielen 2024 in Paris nicht mehr im Programm.

Seit den 1970er Jahren gab es Bemühungen, um Teil von Olympia zu werden. Vor allem Jacques Delcourt, französischer Karateka und Sportfunktionär, kämpfte damals dafür, Karate olympisch zu machen. Die Versuche, für die Spiele 2012 in London und 2016 in Rio aufgenommen zu werden, scheiterten jedoch erneut. Die jahrelangen Bemühungen machten sich aber dennoch bezahlt: Karate feiert heuer sein Olympiadebüt. Im Jahr 2015 schlug das Organisationskomitee für Tokio 2020 die Aufnahme von Karate als eine von fünf zusätzlichen Sportarten vor, was vom Internationalen Olympischen Komitee genehmigt wurde. Die Athleten werden somit in den kommenden Tagen im Nippon Budokan antreten, der spirituellen Heimat der japanischen Kampfkünste und einem Traditionsschauplatz der Spiele von Tokio 1964.

Der Ursprung der Kampfkunst Karate liegt in Okinawa während der Ryukyu-Dynastie vor mehr als 700 Jahren. Im Laufe der 1920er Jahre verbreitete sie sich in Japan, und nach dem Zweiten Weltkrieg schließlich auf der ganzen Welt. Es handelt sich vorwiegend um eine Schlag-, Tritt- sowie Stoßkunst und wird heute in vier Stilrichtungen eingeteilt: Goju-Ryu, Shito-Ryu, Shotokan und Wado-Ryu. Jedes Training, jede Übung und jedes Kata beginnen und enden mit einem Gruß: "Karate beginnt und endet mit Respekt!" - dies ist schließlich das erste Prinzip der 20 Regeln von Funakoshi Gichin, welcher Meister und Begründer des Kampfstils Shotokan-Ryu und gleichzeitig "Vater des modernen Karatedo" in Japan war.

Kata und Kumite

Bei diesen Spielen wird zwischen den beiden Disziplinen Kata und Kumite unterschieden: Kata ist ein Formlauf, bei welchem die Athleten einen bestimmten Ablauf von Techniken vorzeigen. Abwechselnd werden Angriffs- und Abwehrtechniken mit Schlägen und Tritten vorgetragen - als würde der Athlet gegen einen imaginären Gegner kämpfen. Aus 102 anerkannten Kata können die Athleten dabei wählen. Schlüsselfaktoren beim Kata sind unter anderem die Stärke, die Geschwindigkeit, der Rhythmus, das Gleichgewicht sowie die Kraft der Schläge und Tritte. Dabei wird bei diesen Sommerspielen in zwei Fünferpools im Round-Robin-System gekämpft. Somit kämpft jeder gegen jeden. Die jeweils besten zwei Athleten steigen anschließend ins Halbfinale auf.

Kumite besteht hingegen aus einem Zweikampf auf einer 8 mal 8 Meter großen Wettkampffläche. Die Karatekas führen eine Reihe von Schlägen auf den gegnerischen Körper aus. Dabei können sie für diese Angriffe mit guter Form, Kraft und Kontrolle einen bis drei Punkte erreichen. Gewonnen hat ein Athlet, sobald er acht Punkte mehr als sein Gegner erzielt oder nach Ablauf der Kampfdauer mehr Punkte vorweist.

Aus österreichischer Sicht wird der Donnerstag besonders spannend: Karateka Bettina Plank tritt in der zusammengelegten Kumite-Klasse bis 55 Kilo an. Plank ist European-Games-Goldmedaillengewinnerin von 2019 in ihrer eigentlichen Stamm-Klasse bis 50 Kilo. "Ziel und Traum wäre eine Medaille. Realistisch betrachtet weiß keiner, was einen erwartet. Es sind Situationen, die wir noch nie hatten und Gegnerinnen, denen wir noch nie vorher begegnet sind. Es ist eine totale Ausnahmesituation", sagte Plank, welche die Premiere dieser Sportart unvergesslich für Österreich machen könnte.