Am Schluss fiel eine altbekannte Sportler-Floskel, die vielleicht mehr Trotz denn echte Hoffnung ausdrückt: "Abgerechnet wird erst am Schluss, es ist noch alles möglich", sprach Ivona Dadic ins ORF-Mikrofon. Und zwar am Ende eines langen Tages mit vier Bewerben im olympischen Siebenkampf, der allerdings für die beiden Österreicherinnen nicht wirklich nach Wunsch gelaufen war. Denn während die WM-Dritte Verena Mayr sichtlich enttäuscht nur als 16. ins olympische Dorf retour musste, befindet sich auch die Jahresweltbeste der Vorsaison, nämlich Dadic, nicht auf dem ersehnten Medaillenkurs. Die 27-jährige Oberösterreicherin, die in Tokio bereits ihre dritten Spiele bestreitet, kündigte aber nach Zwischenrang 8 für den Finaltag vollen Angriff Richtung Stockerl an. "Es war nicht mein Supertag, aber ein Okay-Tag", so Dadic über ihre geschafften 3.800 Punkte.

Was am Ende herausschauen könnte, wollte Dadic dann gar nicht so genau wissen: "Über Punkte denke ich noch nicht nach. Ich muss Vollgas geben, das Feld liegt eng zusammen." Auf Bronze fehlen Dadic 121 Zähler, allerdings wird der dritte Platz "noch" von der erklärten Gold-Favoritin aus Belgien, Nafissatou Thiam (3.921), bekleidet; noch vor ihr klassierten sich mit überzeugenden Leistungen Anouk Vetter aus den Niederlanden (3.968) und die Belgierin Noor Vidts (3.941). Dass es im Mehrkampf schnell nach vorne, aber auch nach hinten gehen kann, bewies Co-Favoritin Katarina Johnson-Thompson, die ihren 200-Meter-Lauf humpelnd abbrechen musste - die Britin hatte sich gerade erst von einem Achillessehnenriss erholt.

Dadic’ Tag hatte zunächst solide begonnen: Sie lief die 100-Meter-Hürden bei brütender Hitze in 13,61 Sekunden. "Ich war bis zur fünften, sechsten Hürde recht gut unterwegs. Dann habe ich nicht mehr mitrennen können", gestand sie. Danach folgte ihr Highlight des Tages beim Hochsprung, bei dem sie mit 1,83 Meter ihre persönliche Bestleistung einstellte. "Ich bin sensationell eingesprungen. Das hat mir Selbstvertrauen gegeben. Es war dann alles im ersten Versuch, da baut sich dann einfach ein Wettkampf auf." Die Kugel stieß sie danach auf 14,10 Meter, womit sie unter ihren Erwartungen blieb. Anschließend ließ sie über die halbe Stadionrunde 24,33 Sekunde folgen - das ist zwar eine halbe Sekunde über ihrer Bestleistung, angesichts der Schwierigkeiten im Laufbereich in dieser Saison aber in Ordnung, meinte sie.

Kaum etwas in Ordnung war am Mittwoch indes bei ihrer Teamkollegin Mayr: Schon mit dem Hürdensprint (13,65) haderte sie, weil sie zwei Mal von einer Gegnerin berührt worden war; im Hochsprung brachte sie dann nur 1,77 Meter in die Wertung, was ihr vor der Mittagpause Tränen bescherte. "Ich habe es am Punkt nicht gebracht. Das ist schade und ärgerlich", meinte die 26-Jährige. Doch auch am Nachmittag wurde es nicht besser: Mit 13,59 Metern im Kugelstoßen und 24,55 Sekunden über die 200 Meter blieb sie deutlich unter ihren Möglichkeiten. Für den zweiten Tag nimmt sich die ÖLV-Rekordlerin vor, sich auf die einzelnen Disziplinen zu konzentrieren. "Vielleicht kann ich noch eine Bestleistung machen, oder eine Saisonbestleistung übertreffen. Es sind meine ersten Spiele, ich lerne sehr viel dazu", sagte Mayr.

Am Donnerstag folgen traditionell der Weitsprung, der Speerwurf und die finalen 800 Meter (14.20 Uhr MESZ/ORF 1).

Wieder Weltrekord

Während für die Österreicherin Susanne Walli über 400 Meter im Semifinale erwartungsgemäß Endstation war ("Ich bin total glücklich, ich muss das erst verarbeiten", meinte sie nach einer Zeit von 51,52 Sekunden, persönlicher Bestleistung und Endrang 20), gab es am Mittwoch im Olympiastadion erneut einen Weltrekord zu bejubeln. Und das mit Ansage: Denn eigentlich wie erwartet hat die US-Amerikanerin Sydney McLaughlin die Bestmarke über die 400-Meter-Hürden - einen Tag nach dem Fabellauf von Karsten Warholm über diese Distanz - gedrückt. Die 21-Jährige gewann in 51,46 Sekunden und verbesserte die von ihr gehaltene Marke gleich um 44 Hundertstelsekunden. "Was für ein großartiges Rennen! Ich wollte einfach alles geben. Noch krieg ich das nicht richtig in den Kopf", sagte McLaughlin, die sich einfach gesagt hatte: "Lauf dein Rennen!".

Das Rennen seines Lebens absolvierte am Mittwoch auch der Kanadier Andre De Grasse, der im 200-Meter-Sprint seine erste Goldmedaille überhaupt holte: Im abendlichen Highlight triumphierte der 26-Jährige in nationalem Rekord (19,62) vor Kenneth Bednarek (19,68) und Noah Lyles (19,74/beide USA).(may)