Tokio geht als eine der erfolgreichsten Sommerspiele in die österreichische Olympia-Geschichte ein - so viel steht seit dem "bronzenen Donnerstag" fest. Denn dank zweier historischer Medaillengewinne in zwei Debüt-Sportarten werden die Spiele der XXXII. Olympiade mit jedenfalls sieben Medaillen für das ÖOC zu Ende gehen. So viel gab es auch bei den erfolgreichsten Nachkriegsspielen 2004 in Athen, und nur 1936 in Berlin gab es einmal mehr (nämlich 13 Medaillen). Bettina Plank im Karate und Jakob Schubert im Sportklettern sorgten in Japan mit ihren dritten Rängen für den nächsten rot-weiß-roten Jubel - zuvor hatten Anna Kiesenhofer Gold im Rad-Straßenrennen, die Judoka Michaela Polleres (Silber) und Shamil Borchashvili (Bronze) sowie Magdalena Lobnig im Rudern und Lukas Weißhaidinger im Diskuswerfen (jeweils Bronze) Medaillen gewonnen. Gemessen an Goldmedaillen sind die Tokio-Spiele aus österreichischer Sicht die acht-erfolgreichsten der Historie.

"Kann es nicht glauben"

Zunächst hatte Karateka Plank für eine veritable Sensation gesorgt und ihre wohl einzige Chance auf Olympia-Edelmetall eindrucksvoll genützt. Bei der Olympiapremiere der Kampfsportart, die bereits 2024 in Paris nicht mehr im Programm ist, unterlag sie im Halbfinale der späteren Olympiasiegerin Iwet Goranowa aus Bulgarien knapp und holte die Bronzemedaille in der Kumite-Klasse bis 55 Kilogramm. "Ich freue mich mega, das ist so unreal", sagte die Vorarlbergerin, die bis zu den Sommerspielen keine gute Saison hatte.

Jakob Schubert zelebriert Kletter-Bronze in letzter Sekunde mit dem Sieg am Vorstieg.

Foto: afp / Rasfan 
- © AFP

Jakob Schubert zelebriert Kletter-Bronze in letzter Sekunde mit dem Sieg am Vorstieg.
Foto: afp / Rasfan

- © AFP

"Das hat mir gezeigt, was wirklich in mir steckt und was möglich ist. Es war so ein tränenreicher Weg. Man hat sich mal gefreut, dann hat man wieder gemeint, es klappt gar nichts und der Traum ist dahin. Ich habe damit schon abgeschlossen gehabt in der Qualifikationsphase", sagte Plank, für die die Olympiateilnahme nach langem Bangen schon ein Erfolg war. "Deshalb glaube ich es gar nicht, dass ich eine Medaille geschafft habe." Bei einem Sieg im Halbfinale hätte die zweifache WM-Bronzemedaillengewinnerin Plank noch um Gold weitergekämpft, so war mit der knappen 3:4-Niederlage gegen Goranowa Bronze fix. Zuvor hatte Plank mit zwei Siegen, einer Niederlage und einem Unentschieden als Zweite in einem schwierigen Fünferpool den Aufstieg geschafft. "Ich habe aus jedem Kampf das Beste rausholen können. Es war alles wirklich sauknapp beinander", sprudelte es aus ihr nur so heraus.


Links

Hier geht's zum Olympia-Blog

Alle Termine und Live-Bewerbe

wienerzeitung.at ist nicht verantwortlich für die Inhalte externer Internetseiten.

Wenig später machte ihr den Bronze-Coup der Tiroler Schubert in einem wahren Kletter-Krimi nach: Denn der 30-Jährige schien in der als Kombination ausgetragenen Konkurrenz nach Rang sieben im Speed und Platz fünf im Bouldern schon geschlagen - doch dann profitierte er einerseits von den Schwächen der Konkurrenz, andererseits von seiner eigenen Stärke im Vorstieg. Als letzter Starter musste ein Sieg her, um noch Bronze zu erobern - und tatsächlich bewies Schubert Nervenstärke und schaffte es als einziger bis zum Top: Der Kombinations-Weltmeister von 2018 hatte damit am letzten Abdruck die ersehnte Medaille geschafft. Gold ging überraschend an den jungen Spanier Alberto Gines Lopez, Silber an den US-Amerikaner Nathaniel Coleman.

"Habe Frust rausgelassen"

Nach dem kräfteraubenden Thriller musste sich Schubert erst einmal fassen: "Diese Medaille hat für mich unglaublichen Stellenwert, ich muss das alles erst verarbeiten. Ich habe so lange und so hart hingearbeitet, da sind so viele Nerven im Spiel und so viel Schweiß. Dass es für eine Medaille gereicht hat, bedeutet mir alles." Dabei sei er nur mit wenig Hoffnung in den finalen Vorstieg gegangen: "Dass ich es noch hingekriegt habe, das kann ich gar nicht glauben. Ich habe nochmals den Frust rausgelassen, ich fühle mich bei den Bewerben einfach so wohl im Vorstieg, es funktioniert einfach immer."

Nach dem siebten Streich im Klettern könnte am Samstag noch Medaille acht folgen, wenn Jessica Pilz ihr Kletter-Finale bestreitet.(may)