Kaum sind die Olympischen Spiele Geschichte, nähern sich auch schon mit schnellen Schritten die Paralympischen Spiele. Vom 24. August bis 5. September geht der Kampf um die Medaillen in Tokio weiter. Tausende paralympischen Athleten aus der ganzen Welt bereiten sich derzeit gespannt auf die Teilnahme an 539 Wettkämpfen in 22 Sportarten vor. Auch bei diesen Spielen gibt es zwei neue Sportarten, die ihr Debüt feiern: Badminton und Taekwondo. Unter den tausenden Athleten ist auch das 24-köpfige österreichische Team, für welches das Warten nun nach fünf Jahren ein Ende hat, mit von der Partie.

Insgesamt wird Österreich bei den XVI. Paralympischen Spielen in acht Disziplinen vertreten sein: Radsport, Leichtathletik, Kanu, Reiten, Schwimmen, Tischtennis, Triathlon sowie Rollstuhltennis. Das personenstärkste Team wird im Radsport mit sechs Athleten gebildet. Im Kanu und Tischtennis tritt hingegen jeweils nur eine Person an. Für elf Österreicher sind diese Spiele das Paralympics-Debüt und somit für den einen oder anderen zugleich auch das Highlight seiner Karriere. Mehr als 50 Prozent der Athleten sind Heeressportler, was seit 2016 auch für Menschen mit besonderen Bedürfnissen möglich ist. Neu seit diesem Jahr ist ebenso, dass eine Anstellung als Soldat möglich ist, schließlich soll Gleichbehandlung auch hierzulande an erster Stelle stehen.

(Kein) Neuland
für einige Athleten

Die jüngste Athletin aus österreichischer Sicht ist 18 Jahre alt. Die Wienerin Janina Falk wird als Schwimmerin in Tokio an den Start gehen. Die Athletin mit Sehschwäche ist Österreichs erste Paralympics-Teilnehmerin, die eine mentale Beeinträchtigung hat. Der Älteste im Feld ist 41 Jahre älter: der 59-jährige Martin Legner. Für den Rollstuhl-Tennisspieler werden dies die achten Spiele sein, die er bestreitet.

Für Walter Ablinger sind dies die dritten Paralympics. Der Medaillengewinner von Rio 2016 wurde Anfang Juni Europameister im Handbiken. Aufgrund einer Harnwegsinfektion musste er jedoch eine Pause einlegen - dies hielt ihn jedoch nicht davon ab, trotzdem 13.100 Trainingskilometer zurückzulegen. In Tokio setzt er heuer auf ein drei Kilo leichteres Handbike als in Rio, was ihn damals dennoch nicht daran hinderte, sich eine Silbermedaille - nach seiner Gold- sowie Silbermedaille in London - zu erfahren. Er wird am Fuji International Speedway an den Start gehen; jenem Ort, an dem Anna Kiesenhofer kürzlich erst Olympiagold gewonnen hat. "Ich freue mich riesig auf die Spiele in Tokio und werde alles geben, um Edelmetall für Österreich zu gewinnen", so Ablinger, der sich momentan in den letzten Vorbereitungen für seine dritte Teilnahme an den Paralympics befindet, bevor es für ihn am 23. August nach Tokio geht.

Auch die vier Para-Reiter bereiten sich derzeit noch ausreichend auf ihre Bewerbe vor - am 26. August reiten sie schließlich um die Medaillen. Das österreichische Team bilden Julia Sciancalepore, Bernd Brugger, Valentina Strobl und Josef Puch. "Wenn am Tag X alles passt, ist alles möglich", sagte die 21-jährige Tirolerin Strobl. Jener besagte Tag X ist der 29. August, an welchem die Team-Entscheidung stattfindet.

Für Para-Triathlet Florian Brungraber bilden diese Spiele in Tokio sein Paralympics-Debüt. In den vergangenen zwei Jahren absolvierte er sechs Rennen auf drei Kontinenten, reiste über 50.000 Kilometer und beendete jeden Bewerb auf dem Stockerl. Diese Leistung brachte ihm einen Quotenplatz, der ihm letztlich zur Qualifikation für eines der größten Sportereignisse der Welt verhalf. "Das ist etwas ganz Besonderes und eine riesengroße Ehre, als einer von 24 Athleten dabei sein zu können. Es ist eine große Wertschätzung meiner harten Arbeit der letzten Jahre", so der Mühlviertler.

Für Markus Swoboda ist die Teilnahme an den Paralympischen Spielen hingegen kein Neuland. Bereits 2016, als die Disziplin Kanu in Rio debütierte, war der mehrfache Europa- sowie Weltmeister dabei - und holte dabei auch Silber. Ob ihm dies auch heuer gelingt, ist offen. Swoboda geht jedenfalls neutral in die Wettbewerbe: "Ich hatte eine harte Zeit hinter mir, in der ich viel investiert habe, um im Top-Segment mithalten zu können. Ich will einfach mein Bestes zeigen und gehe ohne große Medaillenvorstellungen in meine Wettkämpfe."

Große Zuversicht
auch für diese Spiele

Beim Österreichischen Paralympischen Komitee (ÖPC) ist man hingegen zuversichtlich, dass man an die Erfolge der vorhergehenden Spiele anknüpfen kann. In London im Jahre 2012 brachten die paralympischen Athleten 13 Medaillen nach Hause, 2016 waren es neun - genauer gesagt, eine Goldmedaille, vier Silbermedaillen und vier Bronzemedaillen. Rio-Medaillengewinnern wie Dressurreiter Puch, Schwimmer Andreas Onea, Handbiker Ablinger oder auch Speerwerferin Natalija Eder werden auch bei diesen Spielen wieder versuchen, eine Medaille für Österreich zu gewinnen. Petra Huber, Generalsekretärin des ÖPC, ergänzte noch: "Dazu kommen die, die in den letzten Monaten gezeigt haben, dass sie gut in Form sind."

Die steigenden Corona-Fälle in Tokio beziehungsweise Japan bereiten einigen Sorgen. Huber kann sich aber derzeit nicht vorstellen, dass die Paralympischen Spiele aufgrund dieser abgesagt werden: "Diese Gerüchte gab es im Vorfeld stets. Wir wussten aber immer, dass es nicht so sein wird. Es ist alles wie gehabt. Wir haben keine Bedenken, dass nicht alles wie geplant abgehandelt wird."

Organisatorisch unterscheiden sich die Paralympics nicht von den Olympischen Sommerspielen. Es erfolgen regelmäßige Testungen und die Teams bewegen sich in Blasen. Die Österreicher reisen fünf bis sieben Tage vor ihrem Wettkampf an und kehren spätestens 48 Stunden nach diesem wieder zurück in ihre Heimat. Ob sie auch dieses Jahr für Österreich so viele Medaillen - wie noch zuvor in London und Rio de Janeiro - regnen lassen können, werden die Paralympischen Spiele zeigen. Sicher ist jedoch, dass die Chancen nicht so schlecht für die Athleten stehen.