Wer dieser Tage am Flughafen Peking ankommt, trifft auf ein eigenartiges Empfangskomitee. Vornehmlich junge Menschen in Ganzkörperanzügen mit Schutzbrillen begrüßen, kontrollieren, PCR-testen und begleiten die Ankömmlinge auf dem Weg zu ihren Olympia-Quartieren. Bis zur Ankunft im 180 Luftkilometer entfernten Wintersportgebiet Zhangjiakou kann das trotz Polizeipatrouille auf gespenstisch leer gefegten Straßen per Bus schon einmal viereinhalb Stunden dauern.

Beim Check-in im Hotel werden Pass und Akkreditierung einbehalten, bis aus Peking die Kunde über das Flughafen-Testergebnis eintrifft. Bei einem positiven Befund wird Quarantäne angeordnet. Personen, die im Flugzeug in der Nähe von positiven Getesteten saßen, trifft dasselbe Schicksal. Wer aber Chinas Zero-Covid-Strategie entspricht, in Covid-Fragen also negativ ist, darf einen der zahlreichen E-Shuttle-Busse zu den Wettkampfstätten nehmen.

Einmal in der Olympia-"Blase", darf man sich vor der Pandemie recht geschützt fühlen. Der Test - meist vor dem Frühstück - gehört für alle Akkreditierten zum Tagesablauf. Ebenso wie das Ausfüllen der Gesundheitsdaten in der App "My 2022", was bei Reisewilligen schon zwei Wochen zuvor mit täglichem Fiebermessen zu Dokumentationsgründen begann.

Bei Betreten eines Raums wird man zum Desinfizieren der Hände aufgefordert, an benutzten Gegenständen wird diese Prozedur von Volunteers regelmäßig und eifrig durchgeführt. Die Handflächen, so viel ist keine 24 Stunden im Land gewiss, freuen sich darüber nicht. Sicher ist sicher. Langläufer Mika Vermeulen brachte es etwas überspitzt auf den Punkt: "Wenn man da herinnen noch Corona bekommt, ist das schon eine Leistung an sich."

Von Ufos und Ruyi-Zeptern

Geht man auf olympische Entdeckungsreise, verschlägt es einen etwa in die Ortschaft Guyangshu, wo die gigantische neue Schanzenanlage "Snow Ruyi" steht. Der Schanzenturm erinnert entfernt an ein Ufo, ist tatsächlich aber angelehnt an ein Ruyi-Zepter - ein chinesischer Talisman. "Wenn der Chinese sich das leisten kann, ist das okay", sagte Stefan Horngacher, Tiroler und Chef der deutschen Springer. "Wir werden das genießen, das Ambiente, werden wahrscheinlich auch mal staunen, aber in letzter Konsequenz bleibt dann Skispringen übrig."

Bitterkalt fällt auch dieser strahlend blaue Dienstag in Zhangjiakou aus, über zu wenig Wind dürften sich die Skisprung-Stars in den kommenden Tagen nicht beschweren. Unweit davon ziehen die Biathleten und Langläufer dick vermummt bei unter 20 Grad Minus ihre Übungskreise.

In Yanqing, wo die Ski-Stars Matthias Mayer, Katharina Liensberger und Co. ab Sonntag (Abfahrt/4 Uhr MEZ) um Edelmetall fahren werden, warten in die Gegend geschlägerte Skipisten. "Die Pisten sind in einem sehr guten Zustand. Da steckt viel Zeit und Mühe drinnen. Ob man da eine Abfahrt hinbauen sollte, ist nicht mein Thema. Es schaut interessant aus, der Aufwand war immens, da ist einiges umgeackert worden", sagte Österreichs Alpin-Rennsportleiter Andreas Puelacher.

Neue Maßstäbe

Im Zielbereich der Speedstrecke war einiges los, letzte Aufbauten wurden gemacht, und die zahlreichen freiwilligen Helfer hatten das Pressezentrum wegen des chinesischen Neujahrstages festlich dekoriert.

Die Alpinskifahrer teilen sich das Olympische Dorf in Yanqing, auf das man von der Gondel aus einen herrlichen Blick hat, mit den Eiskanal-Sportlern. Die gigantische Bahn schlängelt sich in der karg anmutenden Landschaft einen Steinwurf von der Athleten-Unterbringung entfernt. Die Einsitzer-Rodler absolvierten ihr erstes Training, ansonsten herrschte ziemliche Leere: beim Lokalaugenschein war Tuchfühlung mit der Bahn möglich.

Viele der Olympia-Quartiere sind ähnlich generös gestaltet wie so manche der Olympia-Anlagen, da fehlt es an nicht vielem. Das Bestreben der Organisatoren, auf möglichst vielen Linien neue olympische Maßstäbe zu setzen, wird fast überall sichtbar. Fast scheint es so, als würden auch die Temperaturen diesen Weg gehen. Zumindest in den Stunden ohne Sonneneinstrahlung sinkt das Thermometer auf Werte doch recht klar unter 20 Grad, dazu kommt ab und zu ein unangenehmer, beißender Wind. (apa)