Wenn Nordische Kombinierer nichts mit Zahlencodes zu tun haben, Menschen mit Besen in grellen Trainingsanzügen einem Curlingstein hinterher schrubben und Viertplatzierte zu den ersten Verlierern zählen, dann ist es wieder so weit: Ab Freitag finden die Olympischen Spiele statt, dieses Mal in China an den drei Austragungsorten Peking, Zhangjiakou und Yanqing.

2.900 Athletinnen und Athleten aus 90 Nationen jagen dann in sieben Sportarten und 15 Disziplinen ihren Medaillenträumen hinterher. Ein sportliches Spektakel, das weltweit übertragen wird. Das steigert den Marktwert der Sportlerinnen und Sportler, aber auch der Unternehmen, die für die Errichtung der Wettkampforte zuständig sind. Fünf Unternehmen aus Österreich - davon zwei mit heimischen Niederlassungen - bekamen den Zuschlag. Wer sind die Unternehmen?

  • Axess aus Salzburg: Zutritt durch Gesichtserkennung

Im Firmennamen steckt bereits die Erklärung für die Produkte des Unternehmens aus Anif bei Salzburg. Abgeleitet aus dem englischen "Access" - auf Deutsch "Zutritt" - entwickelt Axess digitale Ticketing- und Zutrittssysteme. So auch für einen der großen olympischen Austragungsorte, das Genting Resort Secret Garden, 200 Kilometer nordwestlich von Peking. Durch die Technologie des Salzburger Unternehmens findet der Verkauf von Tickets nur noch online statt. "Das Resort ist seit zehn Jahren unser Kunde und hat im Lauf der Zeit immer auf die neueste verfügbare Technologie upgedatet", sagt Unternehmenssprecherin Claudia Wuppinger.

Neben weiteren Skigebieten in Luneng und Lishan ist Axess auch für den Zutritt in das Shanghai Museum zuständig. Die Software des Systems wurde für China maßgeschneidert. Neben Online-Reservierungen und QR-Codes für ganze Gruppen kommt auch Gesichtserkennung zum Einsatz.

340 Mitarbeiter arbeiten weltweit bei Axess in 20 Niederlassungen in 16 Ländern, neben Österreich und China auch in Kasachstan, in Australien und in den USA. Mehr als 10.000 Installationen sind in 53 Ländern im Einsatz. Die Produktion befindet sich im Werk in Innsbruck. Der Umsatz im Jahr 2020 belief sich auf 50,9 Millionen Euro.

  • Doppelmayr aus Vorarlberg: Gondeln und Sessellifte

Die Austragung Olympischer Spiele ohne Doppelmayr ist mittlerweile unvorstellbar. Seit den Winterspielen 1952 in Oslo sorgt das Vorarlberger Unternehmen stets für die Seilbahntechnik. Dieses Mal wurden neun neue Anlagen in Yanqing gebaut, 74 Kilometer nordwestlich von Peking. Hier findet die Austragung der alpinen Skiwettbewerbe statt. Das Auftragsvolumen beträgt 50 Millionen Euro.

Ein großer Teil der Seilbahntechnik wurde in Wolfurt nahe Bregenz produziert, die Stützenelemente kommen aus dem Schweizer Standort in Sanhe. Das Genting Resort Garden ist bereits mit fünf Hochgeschwindigkeits-Seilbahnen von Doppelmayr ausgestattet.

Die Ursprünge des Doppelmayr-Unternehmens gehen bis ins 19. Jahrhundert zurück. Damals lag das Hauptgeschäft in der Werkzeugherstellung und Maschinenreparatur. Angefertigt wurden Futterschneidemaschinen, Beile, Äxte und Sappie. Ab 1900 erzeugte Konrad Doppelmayr auch Obstwürger, Most- und Weinpressen. Die Kundschaft bestand größtenteils aus Südtiroler Weinbauern. Das Lift-Geschäft begann erst einige Jahre später.

Liftanlage in Yanqing. - © Doppelmayr Seilbahnen GmbH
Liftanlage in Yanqing. - © Doppelmayr Seilbahnen GmbH

Doppelmayr betreibt heute mit seinen 3.192 Mitarbeitern - davon 1.617 in Österreich - Produktionsstandorte und Vertriebs- sowie Serviceniederlassungen in mehr als 40 Ländern. Weltweit errichtete das Unternehmen 15.300 Seilbahnanlagen in 96 Staaten. Der Umsatz betrug im Geschäftsjahr 2020/21 763 Millionen Euro.

  • AST aus Tirol: Kältetechnik für Bobfahren und Eislaufen

Einen Beitrag zur Bewältigung des globalen Klimawandels will AST aus Höfen bei Reutte leisten. Bei den Olympischen Spielen kommt nun erstmals ein selbst entwickeltes Direktkältesystem mit Kohlendioxid für die Eishalle des Beijing Capital Stadions zur Anwendung. Hier finden die Wettkämpfe für Eiskunstlauf und Short Track Skating statt.

Auch ein Eisschnelllauf-Prallsystem für die nationale Eisschnelllaufhalle lieferte das Tiroler Unternehmen. "Da Eiskunstlauf und Shorttrack-Eisschnelllauf unterschiedliche Anforderungen an die Temperatur und die Härte der Eisfläche stellen, kann die in das System eingebaute Schnellumwandlungsfunktion sicherstellen, dass die Temperaturanpassung der Eisfläche innerhalb von zwei Stunden abgeschlossen werden kann", erklärt Unternehmenssprecher Claus Alber.

Zudem ist AST für die Beratung und Lieferung von Ausrüstung für das Ammoniak-Kältesystem der Bob- und Rodelbahn Anlage im Yanqing National Sliding Center zuständig.

45 Mitarbeiter arbeiten in dem Unternehmen, das 1986 gegründet wurde und in 43 Ländern tätig ist. Der Umsatz im Geschäftsjahr 2020/21 lag bei 8 Millionen Euro. Vor Olympia war AST der Komplettausstatter der 82. IIHF Eishockey Weltmeisterschaft 2018 in Dänemark mit den beiden Austragungsorten Herning und Kopenhagen.

  • Prinoth aus Tirol: Pistenfahrzeuge für die Präparierung der Pisten

Über 50 Pisten-Fahrzeuge liefert das Südtiroler Unternehmen mit Niederlassung im Tiroler Telfs für die Olympischen Spiele. Prinoth erhält damit den Zuschlag für alle Fahrzeuge. Eingesetzt werden sie für die Vorbereitung der Pisten, Parks und Kurse des National Alpine Ski Centre in Xiaohaituo in Yanqing, in Genting für die Freestyle-Wettkämpfe, in Aoti für die nordischen Disziplinen und in Peking für das große Big-Air-Event.

Der Auftragsvolumen, zwischen Verkauf (der Großteil der Maschinen) und Drei-Jahres-Miete, beläuft sich auf rund 25 Millionen Euro. Zum Einsatz kommen hochmoderne digitale Systeme, die die genaue Schneehöhe messen und die Kurse auf einem digitalen Display anzeigen.

Begonnen hat alles mit dem Rennfahrer Ernst Prinoth, der 1951 in Gröden eine Autowerkstatt eröffnete. Bald begann er auch mit der Entwicklung von Pistenfahrzeugen. 1962 produzierte er den ersten Prototypen, zwei Jahre später geht das erste Serienfahrzeug vom Band.


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Das Südtiroler Unternehmen war bereits bei den Olympischen Spielen in Lillehammer (1994), Nagano (1998), Turin (2006) und Sotschi (2014) für die Pistenpräparierung zuständig. Prinoth beschäftigt weltweit 750 Mitarbeiter, der Umsatz 2020 lag bei 250 Millionen Euro.

  • TechnoAlpin aus Tirol: Beschneiungsanlagen und Eiserneuerung

Für die gesamte künstliche Beschneiung der olympischen Anlagen ist das Südtiroler Unternehmen TechnoAlpin zuständig, eine Niederlassung befindet sich im Tiroler Volders. Die Wettkämpfe werden daher "vollständig auf TechnoAlpin-Schnee ausgetragen", freut sich das Unternehmen.

Der 1990 gegründete Technologieführer installierte die Anlagen in einem Zeitraum von drei Jahren, darunter mehr als 350 Schneeerzeuger, wie Propellermaschinen und Lanzen, sowie sieben Maschinenräume und Pumpstationen. Jede Anlage konzipierte das Unternehmen mit Vollautomatik. Die Schneeerzeugung erfolgt über eine von TechnoAlpin entwickelte Steuerungssoftware. Das gesamte Auftragsvolumen beträgt 20 Millionen Euro.

Bereits vor neun Jahren gründete das Unternehmen seine erste Niederlassung in China. Der Standort befindet sich in Sanhe in der Provinz Hebei bei Peking. Inzwischen sind dort 25 Mitarbeiter beschäftigt, vor allem in den Bereichen Service, Projektmanagement und Verkauf. 2020 folgte eine zweite Filiale mit 35 Mitarbeitern in Zhangjiakou. Weltweit arbeiten über 600 Mitarbeiter in dem Unternehmen.