Da sind sie wieder, die großen Worte, und sie werden auch am Freitag nicht fehlen, wenn Thomas Bach, Präsident des Internationalen Olympischen Komitees, und Chinas Staatschef Xi Jinping die Winterspiele in Peking offiziell eröffnen. Die, wie nicht anders zu erwarten ist, pompöse Eröffnungsfeier (ab 13 Uhr MEZ) soll den Auftakt zu Spielen geben, mit denen "ein neues Kapitel der Sportgeschichte" aufgeschlagen wird, so Bach. Xi wiederum tönte selbstbewusst: "Die Welt richtet ihre Augen auf China, und China ist bereit."

Die ganze Welt? Nun, nicht ganz. Die USA und etliche westliche Verbündete haben aufgrund der anhaltenden Menschenrechtsverletzungen Chinas einen politischen Boykott entschlossen, den Russlands Präsident Wladimir Putin seinerseits verurteilt. Auf EU-Ebene sieht man die Sache nicht ganz so streng; einige Länder werden Politiker zur Eröffnung entsenden, andere - wie Österreich und Deutschland - dem Spektakel fernbleiben.

Ein Sprecher von Sportminister und Vizekanzler Werner Kogler von den Grünen begründet dies gegenüber der "Wiener Zeitung" mit der Menschenrechtslage und der Tatsache, dass (wegen der Corona-Lage) auch keine österreichischen (oder überhaupt ausländische) Fans zugelassen sind. Auch die ÖVP-Riege wird der Eröffnung fernbleiben, äußern wollte man sich auf Anfrage aber nicht dazu.

Anhaltende Kritik

Politischer Boykott - oder auch nur die Abwesenheit von Funktionsträgern - ist freilich nichts Neues in der Olympia-Geschichte, da muss man gar nicht an den Kalten Krieg und dessen Folgen denken. Die Menschenrechtslage war und ist in Zukunft bei sämtlichen sportlichen Großereignissen Thema: Ob 2008 bei den Sommerspielen, die ebenfalls in Peking stattfanden - womit dies die erste Stadt der Welt ist, die die fünf Ringe sowohl im Sommer als auch im Winter beherbergt -, oder bei der Olympiade 2014 in Sotschi, während der Russland die Krim-Annexion vorbereitet hatte.

Nichtsdestotrotz fand in Russland schließlich auch die Fußball-WM 2018 statt, jene im Jahr 2022 wird in Katar ausgetragen - einem Land, in dem offiziell die Scharia gilt und laut Menschenrechtlern tausende (Gast-)Arbeiter aufgrund unwürdiger Zustände auf den WM-Baustellen ums Leben kommen.

"Zum Schweigen gebracht"

Dennoch reißt die Kritik an China nicht ab. Die Organisation "Human Rights Watch" etwa beklagte noch am Donnerstag, dass Einschüchterungen, Verhöre und Aufforderungen an Bürgerrechtler, sich zumindest während der Spiele mit Meinungsäußerungen "zurückzuhalten", an der Tagesordnung seien. "Wir können davon ausgehen, dass jene, die noch nicht festgenommen, verschwunden oder außer Landes gebracht worden sind, durchwegs zum Schweigen gebracht worden sind", hieß es am Donnerstag in einer Aussendung.

Für die knapp 2.900 Athletinnen und Athleten ist dies freilich ein zweischneidiges Schwert. Einige loben die Bedingungen, andere berichten von einem persönlichen Zwiespalt. Für alle indessen bereiten die Spiele eine Chance, die nicht allzu oft im Leben vorkommt. Aus Österreich sind - vorbehaltlich Corona-Überraschungen - 106 Sportlerinnen und Sportler dabei, wobei für einige, die vor der Abreise positiv auf das Coronavirus Sars-CoV 2 getestet wurden, der Traum von einer Medaille platzte, bevor die Spiele überhaupt eröffnet wurden.


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Die Skispringerinnen Marita Kramer - aufgrund der bisherigen Saisonergebnisse wäre sie die Topfavoritin auf Gold gewesen - und Jacqueline Seifriedsberger können nicht teilnehmen und wurden durch Nachrückerinnen ersetzt. Bob-Anschieber Markus Sammer wiederum gab, erst kurz aus der Quarantäne entlassen, neuerlich einen positiven Test ab, bei ihm ist die Hoffnung aber immerhin intakt, dass es sich mit einem Start noch ausgeht. Für diejenigen, die es - ohne positives Ergebnis - nach Peking geschafft haben, heißt es nun, sich in eine Blase zu begeben und möglichst, gesund zu bleiben.

Im österreichischen olympischen Komitee setzt man auf strenge Abschottung und hofft auf 14 bis 17 Medaillen, wie ÖOC-Chef Karl Stoss kurz vor der Eröffnung sagte. Vor vier Jahren waren die heimischen Athleten mit fünf Mal Gold, drei Mal Silber sowie sechs Mal Bronze heimgekehrt; eine ähnliche Ausbeute wäre demnach schon ein Erfolg.

Jene, die teilnehmen, wollen nun auf den Pisten, Schanzen und Loipen die großen Töne im Vorfeld ablösen - und selbst das letzte (sportliche) Wort haben. (art)