Martin Koch, ehemaliger Skispringer und nunmehriger ORF-Co-Kommentator, war noch selten um markige Sprüche verlegen, diesmal meinte er es aber alles andere als lustig. "Das ist eine Farce. Da können wir um halb acht am Sonntag kommentieren, da ist Kasperl, das ist ungefähr das Gleiche", sagte der Kärntner.

Davor war die Premiere des Mixed-Teambewerbs, mit der eigentlich Werbung für den Sport gemacht werden sollte, von einigen Disqualifikationen überschattet worden. Bei vier Topnationen kamen Sprünge von Athletinnen nach den Materialkontrollen nicht in die Wertung. Das Ergebnis war davon maßgeblich beeinflusst. Auch Österreich war wegen eines nicht regelkonformen Anzuges von Daniela Iraschko-Stolz ("Das Hüftband hat um einen Zentimeter nicht gepasst") betroffen. Am Ende wurde es für das ÖOC-Team mit Iraschko-Stolz, Stefan Kraft, Lisa Eder und Manuel Fettner von der Normalschanze Rang fünf. Gold holte sich Topfavorit Slowenien, der ohne Disqualifikation durchkam, vor dem Team aus Russland und sensationell Kanada. Für die Kanadier war es die erste Olympia-Medaille der Geschichte im Skispringen. Allerdings profitierten das Sensationsteam von Disqualifikationen bei Japan, Österreich, Deutschland und Norwegen. Bei den viertplatzierten Japanern war Rekord-Weltcupsiegerin Sara Takanashi betroffen, bei Deutschland die Olympia-Zweite Katharina Althaus, bei Norwegen gleich zwei Springerinnen.

"Der Wurm ist drinnen"

Der Einzige aus dem ÖSV-Team, für den die Ereignisse "halbwegs verdaubar" waren, war Manuel Fettner, er hat immerhin am Tag davor Silber im Einzel von der Normalschanze geholt. "Aber es tut mir extrem leid. Man gewinnt und verliert als Team, heute haben wir eben verloren. Es waren eigentlich nach dem ersten Durchgang noch alle Chancen da. Man weiß ja nie, wen sie noch raushauen." So etwas wie diesmal bei den Disqualifikationen sei ihm "in dieser Form noch nicht untergekommen. Ich kann mir nicht vorstellen, dass die Dani oder andere sinnlos etwas riskiert haben. Passieren kann das immer, jeder ist am Limit. Warum sie bei Olympia ein Exempel statuieren - keine Ahnung", meinte der 36-Jährige, und auch ÖSV-Sportdirektor Mario Stecher kritisierte die Vorgehensweise: "Wenn man ein ganzes Jahr lang Zeit hat, Messungen durchzuführen, ein Reglement zu machen, und dann aber erst bei Olympia rigoros durchgreift, da muss ich mich schon fragen, ob das der richtige Weg ist", sagte Stecher, der einen "immensen Imageschaden für den Skisprung" ortet. "Man hätte über das Jahr besser kontrollieren sollen. Man kommt sich vor wie beim Tiroler Zeltverleih, so groß sind die Anzüge. Und jetzt wird es auf einmal kontrolliert. Man sieht, wer das Sagen hat, wo der Hammer hängt. Es war uns sicher eine Lehre."

Stecher wechselt nun vorerst zu den Kombinierern, wo am Mittwoch der erste Bewerb von der Normalschanze mit Medaillenchancen für die Österreicher auf dem Programm steht. Bei den Skispringern geht es am Samstag mit dem Einzel und am Montag mit dem Teambewerb von der Großschanze weiter. Für eine der Größten des heimischen Damen-Skisprung-Sports endete ihre Olympia-Karriere indessen bitter. "Irgendwie ist der Wurm drinnen", sagte Iraschko-Stolz. "Ich habe mich so gefreut auf die Spiele, habe ein super Konzept gehabt, bin aber nie hineingekommen. Das ärgert mich mehr."(art/apa)