Olympisches Gold ist das Höchste, das ein Wintersportler erreichen kann. An wessen Hals das glänzende Edelmetall baumelt, der ist im wahrsten Sinne des Wortes im Olymp angekommen. Auch wenn es immer wieder (allerdings immer seltener) Zufallsolympiasieger gibt, die Olympiade macht die Top-Stars und die Top-Stars machen die Olympiade. Was wären Österreichs Sportikonen wie aktuell Matthias Mayer oder früher Toni Sailer, Franz Klammer, Annemarie Moser, Toni Innauer, Petra Kronberger, Hermann Maier, Felix Gottwald, Marcel Hirscher und Co. ohne Olympiagold? Allerdings schaffen nicht alle diese ultimative Krönung; doch weil es neben einem Sieger immer auch einem Zweiten geben muss, sind diese mitunter genauso prominent. Auch wenn sie knapp am absoluten Olympiatraum gescheitert sind.

Außer Karl Schranz gibt es viele olympische Pechvögel - ein kurzer Abriss über die Silber-Stars der Winterolympiaden.

Markus Prock. Der Tiroler war mehr als ein Jahrzehnt lang der Oberpratzler der Nation - doch sein olympisches Schicksal hat genau einen Namen: Georg "Schorsch" Hackl. Denn Prock musste sich im Eiskanal in etwa so wie der Hase im Märchen mit dem Igel vorgekommen sein: Wann immer das olympische Großereignis anstand - sein bayrischer Konkurrent rodelte immer vor ihm ins Ziel. Da konnte Prock die Disziplin im Weltcup noch so dominiert haben, just zu Olympia - und in der "Randsportart" Rodeln ist diese Bühne ungleich bedeutsamer als anderswo - flutschte der Schlitten einfach nicht wie gewohnt. So war es bei seiner Premiere 1988 in Calgary, als Prock als amtierendem Weltmeister und Gesamtweltcupsieger die Nerven versagten und er nur Elfter wurde; so war es vier Jahre später in Albertville, als er wieder als Saisonbester am Start stand, aber in Hackl seinen olympischen Meister fand.

Das Tausendstel-Schicksal

Trotz Goldhelms gab es für Speed-Queen Renate Götschl kein Olympia-Gold. 2006 in Turin wurde sie mit einer Blume für Blech entschädigt. - © afp / V. Pinto
Trotz Goldhelms gab es für Speed-Queen Renate Götschl kein Olympia-Gold. 2006 in Turin wurde sie mit einer Blume für Blech entschädigt. - © afp / V. Pinto

Auf diese Silbermedaille folgte 1994 in Lillehammer vielleicht der bitterste Olympiamoment, als der heute 57-Jährige um den Flügelschlag von 13 Tausendstel an Gold vorbeischrammte. Da hatte sogar sein ewiger Konkurrent, der in Nagano dann sogar das Gold-Triple schaffte, Mitleid: "Markus hätte die Medaille mehr verdient, er war die ganze Saison der Beste." Mehr als versöhnlich war dafür Procks Olympia-Abschied 2002 in Salt Lake City, als er noch einmal Bronze erobern durfte - wiewohl wieder 12 Tausendstel auf den zweitplatzierten Hackl fehlten - diese Medaille glänzte vielleicht mehr als Silber zuvor: "Eine Medaille ist eine Medaille. Wenn man das beim letzten olympischen Rennen schafft, ist das schön", sagte der Tiroler zum Abschied. Sein Trophäenschrank ist neben den drei Olympia-Mitbringseln mit 14 WM-Medaillen (5 in Gold) und 10 Weltcup-Pokalen prall gefüllt; und seine olympischen Erfahrungen (und Enttäuschungen) hat er längst an seine Tochter Hannah weitergegeben.

Renate Götschl und Marlies Schild. Mit 121 olympischen Medaillen im Alpin-Skilauf hat Österreich fast doppelt so viel Edelmetall gehamstert wie die zweitplatzierten Schweizer - 37 davon schimmern in Gold. Wer für die Skination Nummer eins vor den fünf Ringen ganz hinauf aufs Stockerl steigt, der macht sich gleichsam unsterblich. Zwei prominenten Ski-Damen war das Olympia-Glück allerdings nicht ganz so hold wie anderen.

Renate Götschl dominierte jahrelang den Damen-Abfahrtslauf, als Speed-Queen setzte sie sich 1999 in Vail mit WM-Gold die Krone in der Königsdisziplin auf; zuzüglich gewann sie acht weitere WM-Medaillen, darunter Kombinationsgold 1997. Doch just bei Olympia lief es für die Gesamtweltcupsiegerin des 2000er-Jahres und 46-fache Weltcupsiegerin nicht nach Wunsch: In Lillehammer und Nagano fiel sie in der Abfahrt jeweils aus; 2006 in Turin, als ihre Weggefährtin Michaela Dorfmeister zu Doppel-Gold raste, musste sie sich in ihrer Paradedisziplin mit Blech geschlagen geben. Immerhin: Vier Jahr zuvor in Salt Lake City lief es für die Steirerin in einer enttäuschenden ÖSV-Damen-Equipe besser - nach Bronze in der Abfahrt holte Götschl mit Silber in der Kombination die einzigen Frauen-Medaillen. Gold war hinter der überlegenen Siegerin Janica Kostelic aber außer Reichweite. Als die Frau mit dem Goldhelm 2009 zurücktrat, titelten die Zeitungen: "Nur der Traum von Olympia-Gold blieb unerfüllt".

Was Götschl im Abfahrtslauf war, war Marlies Schild (heute: Raich) im Torlauf. Die Saalfeldnerin prägte jahrelang die Disziplin, holte die einstige Rekordzahl von 35 Slalom-Siegen im Weltcup, dazu 7 WM-Medaillen mit dem Höhepunkt des Slalom-Titels 2011 in Garmisch - doch just bei Olympia fehlte immer das bisschen Etwas zur Goldenen. Mit drei Silbermedaillen und einer Bronzenen war die heute 40-Jährige aber denkbar knapp dran.

2006 in Turin war Kostelic auch für sie zu stark in der Kombination - dafür gab es als Draufgabe noch Slalom-Bronze; vier Jahre später in Vancouver war eigentlich alles angerichtet für den goldenen Moment, den dann allerdings die Deutsche Maria Riesch lebte. "Gold wäre ein Traum gewesen, aber es hat nicht sein wollen", seufzte sie nachher im Ziel. Doch auch für sie gab es einen würdigen Olympia-Abschied in Form von Silber - nämlich 2014 in Sotschi, als Mikaela Shiffrin ihr erstes (Slalom-) Gold einfuhr. Die endgültige Wachablöse im Damen-Slalom.

Überflieger mit Silberstreif

Adam Malysz. "Ich fühle mich ausgezeichnet. Ich kann mir gar nicht vorstellen, was man empfindet, wenn man Olympiagold gewinnen würde", meinte der Ahnherr des polnischen Skisprung-Wunders einmal. Eine Aussage, die man so oder so deuten kann - denn wie es sich anfühlt, auf Wolke sieben Richtung Sportolymp zu schweben, kennt Adam Malysz nicht. Der heute 44-Jährige hat zwar auf den Schanzen dieser Welt fast alles gewonnen, was es zu gewinnen gibt - vier WM-Titel, vier Gesamtweltcupsiege, eine Vierschanzentournee - doch bei Olympia blieb ihm "nur" drei Mal die Silbermedaille. Was Hackl für Prock war, war Simon Ammann für Malysz: Im Windschatten des Schweizers, der auf beiden Schanzen in Salt Lake City und Vancouver in Hochform zu Gold segelte, fiel für den Polen nur der Silberglanz ab: Bronze und Silber 2002, Doppelsilber 2010. Letzteres übrigens zwei Mal vor Gregor Schlierenzauer, der als Weltcuprekordler immerhin eine olympische Teamgoldene aus jenem Jahre sein Eigen nennen darf.

Kein Gold für Eishexen-Opfer

Nancy Kerrigan. Sie ist die vielleicht berühmteste Eiskunstläuferin der Olympia-Geschichte - und das ganz ohne Goldmedaille. Schuld daran war ein Attentat auf ihr Knie per Eisenstange im Vorfeld der Spiele von Lillehammer, das auf das Konto ihrer US-Rivalin Tonya Harding ging. Die Affäre ging als "Die Schöne und das Biest" in die Annalen ein, wurde Jahre später sogar verfilmt und zeitigte in Norwegen ein enormes Medieninteresse. Zumal die noch nicht gesperrte "Eishexe" Harding dort gegen Kerrigan antrat.

Während für Harding nur der achte Rang blieb, schien der Weg zu Gold für Kerrigan nach dem Sieg im Kurzprogramm schon frei zu sein. Doch am Ende ging Gold an eine lachende Dritte - die Ukrainerin Oksana Bajul verwies Kerrigan nach umstrittener Punktrichterenentscheidung auf den Silber-Rang.

Womit auch hier der Beweis erbracht wurde, dass Olympia nicht immer mit einem Happyend ausgehen muss. Aber mit Silber lässt es sich auch ganz gut leben - besser jedenfalls als mit Blech. Wie sagte einmal Abfahrtslegende Peter Wirnsberger, der sein fantastisches Streif-Double 1986 ohne Abstriche mit Olympia-Silber 1980 in Lake Placid gleichsetzte: "Wer hat schon eine Olympia-Medaille? Da bin ich sehr, sehr zufrieden."