Für Ski-Superstar Mikaela Shiffrin geht der sportliche Albtraum bei Olympia weiter. Nach ihrem frühen Ausfall im Riesentorlauf patzte Shiffrin auch im ersten Lauf des Slaloms am Mittwoch, nach wenigen Toren war sie draußen. "Es ist nicht das Ende der Welt, und es ist dumm, das so wichtig zu nehmen", sagte die bitter enttäuschte US-Amerikanerin, "aber ich glaube, ich muss jetzt vieles hinterfragen."

Mit hängendem Kopf und ungläubiger Miene saß die 26-Jährige minutenlang neben der Strecke, ehe sie zu den Interviews schritt. Immer wieder schloss sie dann beim Sprechen die Augen oder machte kurze Pausen, doch letztlich konnte sie die Tränen nicht mehr zurückhalten. Innerhalb von drei Tagen hat die Gesamtweltcup-Führende nun schon zwei große Medaillenchancen liegen gelassen, jeweils war der Arbeitstag früh beendet. Im Riesentorlauf nach elf, im Slalom sogar nach fünf Sekunden. "Es ist noch nicht vorbei", sagte Shiffrin, die angekündigt hatte, in allen Bewerben antreten zu wollen. "Auf dem Riesentorlauf und dem Slalom lag der Fokus, es fühlt sich wirklich an viel Arbeit für Nichts." Weitere Starts will sie nun vielleicht überdenken. "Wenn ich beim fünften Tor hinausfahre, was bringt es dann?", fragte Shiffrin und ergänzte: "Wir haben Athletinnen, die die Lücke füllen können."

Es war der zweite Ausfall von Shiffrin im Slalom in dieser Saison nach Kranjska Gora, der davor letzte war im Jänner 2018 in Lenzerheide passiert. Im Riesentorlauf war sie vor Olympia zuletzt im Jänner 2018 in Kronplatz nicht ins Ziel gekommen. Sie werde versuchen, noch einmal den Reset-Knopf zu drücken, kündigte sie an. "Vielleicht gelingt es mir diesmal besser", sagte sie. Auch, wenn sie nicht genau wisse, wie. Shiffrin, normal die Konstanz in Person, kennt solche Situationen nicht. "Natürlich ist der Druck groß, aber das war nicht das größte Thema heute", sagte sie. "Ich wollte die aggressivste Linie fahren", analysierte sie ihren kurzen Lauf. Womöglich hat sie es mit ihrer Attacke übertrieben. "Ich bin mit starker Mentalität gestartet - dann war ich draußen", sagte sie. "Es ist enttäuschend."

Mit einer Liebesbotschaft versuchte Lebensgefährte Aleksander Aamodt Kilde, die US-Amerikanerin mental zu unterstützen. "Wenn man sich dieses Bild anschaut, kann man sich so viele Aussagen, Bedeutungen und Gedanken machen. Die meisten von euch sehen es wahrscheinlich mit den Worten: ,Sie hat es verloren‘, ,Sie kann mit dem Druck nicht umgehen‘ oder ,Was ist passiert?‘", schrieb der Norweger auf Instagram zu einem Foto, das Shiffrin traurig im Schnee sitzend zeigt. Ihn frustriere das, so Kilde. "Ich sehe nur eine Spitzensportlerin, die tut, was eine Spitzensportlerin tut! Es ist ein Teil des Spiels, und es passiert. Der Druck, den wir alle im Sport auf Einzelpersonen ausüben, ist enorm, also lasst uns die gleiche Unterstützung zurückgeben. Es dreht sich alles um das Gleichgewicht und wir sind ganz normale Menschen!! Ich liebe dich Kaela", schrieb der 29-Jährige, der am Vortag im Super-G Bronze geholt hatte.

Auf die Worte ihres Freundes reagierte Shiffrin voller Rührung. "Meine Hoffnung für jeden Menschen ist, einen anderen Menschen zu finden, der einen liebt, versteht und heilt, wie Aleksander das bei mir getan hat und weiter tun wird", schrieb die 26-Jährige bei Twitter. Der Slalom ist Shiffrins absolute Paradedisziplin. Neben Olympia-Gold 2014 holte sie hier schon vier WM-Titel und 47 Weltcup-Siege - mehr als jedes andere Ski-Ass in einer Disziplin. "Das nimmt nichts weg von ihrer noch immer herausragenden Karriere. Dieses eine Rennen ändert daran nichts", sagte ihre Landsfrau Lindsey Vonn dem TV-Sender NBC.