Die ersten Naturschnee-Mengen seit Jahren in der Olympia-Region haben das Programm bei den Winterspielen in Peking durcheinandergewirbelt. Der Schneefall hatte bereits am Samstag in Zhangjiakou begonnen und breitete sich am Sonntag nach Yanqing und sogar Peking aus. Neben Unannehmlichkeiten für einige Sportler brachte die weiße Pracht für andere aber auch positive Seiten mit sich. Sie freue sich jetzt auf "wirkliche Winterspiele", sagte etwa Mirjam Puchner.

"Mit so einem Schneefall hat niemand gerechnet, nicht einmal die Chinesen. Bei uns geht es zu, sie spielen schon seit zwei Stunden Schneeballschlacht", meinte ÖSV-Läuferin Ramona Siebenhofer. Puchner, die Silber-Gewinnerin des Super-G, erklärte: "Als ich hierhergekommen bin, war das fast ein Schock, ich habe erst gemeint, ich wäre in Griechenland, es ist brutal dürr und weit weg vom Skifahren. Jetzt sind es auch für die Leute daheim wirkliche Winterspiele. Und für uns auch. Wenn du raus gehst und im Schnee stehst, ist das für die Einstellung gleich etwas anderes."

Das Abfahrtstraining am Sonntag fiel dem Neuschnee zum Opfer. "Im oberen Teil war auch noch Wind dazu, so war es heute nicht möglich", sagte ÖSV-Frauen-Rennsportleiter Christian Mitter. Siebenhofer, Puchner und Cornelia Hütter haben einen Fixplatz für die Abfahrt, Christine Scheyer und Tamara Tippler fahren den vierten Startplatz in einer Qualifikation aus. Am Montag wird es nur einen Trainingslauf geben, strahlender Sonnenschein ist angesagt - "Winter Wonderland" garantiert. Die Abfahrt ist für Dienstag angesetzt.

Die Slopestyle-Qualifikation der Frauen in Zhangjiakou musste am Sonntag wegen Schnee und Wind ebenfalls abgesagt werden. Lauf eins des Herren-Riesentorlaufs ging bei intensivem Schneefall und äußerst grenzwertigen Bedingungen über die Bühne, die Entscheidung musste mehr als eine Stunde nach hinten verschoben werden.

Nur 46 der 89 Starter kamen am Ende angesichts der widrigen Bedingungen in die Wertung. Die Finalisierung des Bewerbs stand zunächst auf wackeligen Beinen, dann ging das Finale aber planmäßig über die Bühne. "Das war schon bisschen gefährlich. Eigentlich eine Frechheit. Wäre das Rennen vor Olympia gewesen wäre, hätte ich aus Sicherheitsgründen wohl verzichtet", sagte Manuel Feller, der sich vor allem über die seiner Meinung nicht zielführend arbeitenden Pistenhelfer mokierte. "Ich habe neben dem Kurs nicht hinunterfahren können nach meinem Ausfall, weil so große Haufen da waren."

Die chinesische Meteorologieanstalt hatte für Sonntag eine Wintersturm-Warnung ausgegeben sowie intensiven Schneefall für den nördlichen Teil des riesigen Landes inklusive der Region Peking angekündigt. Die Temperaturen sanken teilweise auf bis zu minus 16 Grad.

Das Schlechtwetter in Zhangjiakou sorgte für eine komplette Termin-Umstellung bei den Ski-Freestylern. Alle Qualifikationen und Entscheidungen finden nun um einen Tag später als ursprünglich geplant statt. Die Slopestyle-Qualifikation der Frauen ist nun am Montag angesetzt, das Finale am Dienstag. Die Männer mit Matej Svancer und Daniel Bacher greifen statt am Montag erst am Dienstag ins Geschehen ein, das Finale steigt am Mittwoch.

Die Snowboard-Akrobaten um Anna Gasser wurden ebenso vom Schneegestöber in Peking überrascht. "Mit dem Schneefall in der Stadt haben wir nicht gerechnet", sagte die Kärntnerin nach dem Big-Air-Training im ORF. "Der Schnee macht bei uns sehr viel bei der Anlaufgeschwindigkeit aus, deshalb war es heute eher zäh für mich zu fahren, weil ich nicht den Speed hatte, den ich gebraucht hätte." Und diese schnellen Verhältnisse braucht Gasser, um ihren Wunsch-Trick, den sie verkehrt anfährt, auch durchziehen zu können.

Deutlich weniger Probleme hatten die Bobfahrerinnen in Yanqing. Der Schneefall habe auf der nahezu komplett abgedeckten Bahn keine Rolle gespielt. Nur am Startbereich sei der Niederschlag ein wenig unangenehm gewesen, sagte die Österreicherin Kathrin Beierl während der ersten beiden Läufe im Monobob.

Natürlicher Schneefall in der Olympia-Region um Peking kommt extrem selten vor, noch dazu in den für Massen-Wintersport benötigten Mengen. Alle Schneesport-Disziplinen werden deshalb auf Kunstschnee gefahren. Wegen der bei der Herstellung benötigten Wassermengen hatte es Kritik von Umweltschützern gegeben. Peking ist die erste Stadt überhaupt, die Sommer- und Winterspiele ausgetragen hat.  (apa /reuters)