Bekanntlich begann die Geschichte der "Olympischen Spiele der Neuzeit" mit einem Traum, den sich Pierre de Coubertin 1894 verwirklichte. Mit einigen weiteren Enthusiasten begründete er in jenem Jahr das "Internationale Olympische Komitee", das 1896 die ersten Olympischen Spiele in Athen ausrichtete. Acht Jahre später fanden die Spiele in St. Louis statt, bei denen der US-Amerikaner Jack Egan zwei Medaillen im Boxen holte. Dachte er zumindest. Stattdessen sorgte er für den ersten Skandal der noch so jungen Bewerbe. Er wurde nachträglich disqualifiziert.

Was war geschehen? Nun, Jack Egan hieß in Wirklichkeit Frank Floyd und stammte aus, wie man heutzutage sagen würde, gutsituierten Kreisen. Und in denen galt es als anrüchig, sich öffentlich zu prügeln. Um also trotzdem seinem Sport frönen zu können, machte er es quasi wie Clark Kent vulgo "Superman". Er meldete sich einfach unter falschem Namen an und holte sich so zahlreiche Titel und Erfolge. Bis die Sache bei den Olympischen Spielen aufflog. Dort bestand man nämlich darauf, dass "Jack Egan" die Medaillen zustünden und nicht Frank Floyd, dem es nichts nützte, wortreich zu beteuern, "Egan" sei sein Alias-Name. Herrn Floyd blieb letztlich nur der Ruhm, der Erste in der Geschichte Olympias zu sein, der seine Medaillen wieder abgeben musste.

Es sollte bis 1948 dauern, ehe wieder jemandem die Medaille aberkannt wurde. Diesmal traf es den Schweden Gehnäll Persson, der im Dressurreiten Gold geholt hatte. Gemäß den damals geltenden Regeln waren nämlich nur "Herrenreiter" teilnahmeberechtigt. Man musste also entweder adeliger Abkunft oder wenigstens Offizier der jeweiligen nationalen Armee sein, um am Bewerb teilnehmen zu dürfen. Nun war Persson aber buchstäblich das beste Pferd im schwedischen Stall, wiewohl er nur einfacher Sergeant war. Die schwedische Armee glaubte, das Problem elegant gelöst zu haben, indem Persson extra für die Spiele zum Fähnrich befördert worden war. Und vielleicht wäre das Team der "drei Kronen" damit auch durchgekommen, wenn man den guten Persson nach dem Gewinn der Goldmedaille nicht flugs wieder zum Sergeanten degradiert hätte. Das IOC sah sich düpiert und disqualifizierte Persson nachträglich.

Zugekifft zu
Snowboard-Gold

Auch die dritte Disqualifikation in der Geschichte der Spiele betraf 1968 einen Schweden. Hans-Gunner Liljenwall hatte es geschafft, im modernen Fünfkampf Bronze zu holen. Vielleicht hätte es sogar zu Silber oder Gold gereicht, wenn Liljenwall zum Zeitpunkt des Bewerbs nicht sternhagelvoll gewesen wäre. Das IOC kannte kein Pardon. Liljenwall wurde wegen Trunkenheit aus den Resultatslisten genommen, nachdem er zugegeben hatte, vor dem Bewerb zwei Bier zur Beruhigung getrunken zu haben. "Mut antrinken" war einmal mehr nicht die beste Idee.

Streng genommen gab es ausgerechnet bei den Olympischen Winterspielen in Innsbruck 1964 auch die erste aberkannte Medaille für Wintersportler. Das deutsche Traumpaar des Eiskunstlaufs, Marika Kilius und Hans Jürgen Bäumler, fielen aus dem Klassement, da sie bereits einen Profivertrag unterzeichnet hatten, während damals bei Olympia (man erinnere sich an die Causa Karl Schranz 1972 in Sapporo) nur Amateure startberechtigt waren. Im Fall Kilius und Bäumler folgte ein jahrelanger Rechtsstreit, der schließlich zu ihren Gunsten ausging. Da sie zum Zeitpunkt des Bewerbs zweifelsfrei noch Amateure gewesen waren, erhielten sie ihr Edelmetall schließlich doch noch überreicht.

Weniger Glück hatte der Schotte Alain Baxter, der 2002 sensationell Bronze im Herrenslalom gewonnen hatte. Da Baxter, ähnlich wie vor ihm Eddie the Eagle Edwards, völlig auf sich allein gestellt war, kaufte er in einem Drugstore nichtsahnend einen Nasenspray gegen seine Erkältung. Was Baxter nicht wusste: Die US-amerikanische Ausgabe des Produkts wies eine andere Zusammensetzung auf als die - auch bei Olympia erlaubte - europäische, und futsch war die Medaille, auch wenn selbst die Jury eingestand, dass Baxter selbst kein Vorwurf zu machen war. Aber das IOC verstand sich immer schon trefflich auf den Grundsatz "fiat iustitia et pereat mundus" (Gerechtigkeit muss sein, auch wenn dabei die Welt untergeht).

Mittlerweile haben über hundert Athletinnen und Athleten ihr Edelmetall wegen Verstoßes gegen die Dopingregeln verloren, was heutzutage auch den mit großem Abstand gängisten Grund für eine Disqualifikation darstellt. Einer hatte dabei freilich Glück. In Nagano gewann der Kanadier Ross Rebagliati Gold im Snowboard. Bei der Dopingkontrolle stellte sich heraus: Der Mann war bis in die Haarspitzen zugekifft. Da aber, wie sich zeigte, Marihuana nicht auf der Dopingliste stand, musste man dem eingerauchten Boarder seine Medaille lassen. Und weil ja bei den Olympischen Spielen das Motto "Dabeisein ist alles" gilt, ist es auch nicht ratsam, seiner Enttäuschung allzu deutlich Ausdruck zu verleihen. Das wurde 1992 dem Tschetschenen Ibragim Samadow zum Verhängnis. In einem überaus spannenden Bewerb im Gewichtheben wiesen der Grieche Dimas, der Pole Siemion und Samadow das exakt gleiche Resultat auf. Die Regel besagte jedoch, dass in einem solchen Fall jener Athlet vorgereiht wird, der die Leistung zuerst erbracht hat. Damit blieb für Samadow statt Gold nur Bronze. Wütend über die (vermeintliche) Benachteiligung warf Samadow die Medaille bei der Verleihung zu Boden. Damit freilich warf er gleich seine gesamte Karriere weg, denn der Internationale Gewichtheberverband sprach zur Strafe eine lebenslange Sperre aus.