In der Doping-Affäre um die Eiskunstläuferin Kamila Walijewa sieht das Internationale Olympische Komitee (IOC) keine Fortsetzung des Skandals um Russlands organisierten Sportbetrug. Auch wenn der Dachverband noch nicht alle Details rund um den positiven Test der 15-jährigen Europameisterin kenne, gehe man nicht von einer Verbindung zum russischen Dopingsystem vergangener Jahre aus, versicherte IOC-Mitglied Denis Oswald am Dienstag bei den Winterspielen in Peking.

Der Schweizer war Vorsitzender einer Kommission, die sich mit den Manipulationen der Russen bei den Winterspielen in Sotschi 2014 befasste. Wegen weiterer Verstöße ist Russland wie schon bei den Sommerspielen in Tokio auch bei Olympia in Peking offiziell ausgeschlossen. Schärfere Sanktionen lägen "nicht in den Händen des IOC", sondern seien Sache der Welt-Anti-Doping-Agentur (WADA), sagte Oswald.

Nur eine Verwechslung. . .

Laut dem Schweizer habe Walijewa ihren positiven Test auf das verbotene Herzmittel Trimetazidin vor dem Internationalen Sportgerichtshof (CAS) mit einer Verwechslung begründet. Ihr Großvater würde Herzmedikamente nehmen, dabei sei es zu einem Fehler gekommen. "Ihr Argument war, dass die Verunreinigung mit einem Produkt stattgefunden hat, das ihr Großvater genommen hat", sagte Oswald, der auch der permanenten IOC-Disziplinarkommission vorsitzt.

Die Gold-Favoritin darf nach einem Eil-Urteil des CAS trotz ihres positiven Dopingtests vom Dezember im olympischen Einzelbewerb, der am Dienstag begann, starten. Da die B-Probe der Russin noch nicht untersucht worden sei, sei ihr Dopingverstoß noch nicht endgültig bewiesen, sagte Oswald. Daher habe das IOC auch entschieden, im Falle eines Medaillengewinns von Walijewa auf eine Siegerehrung bei Olympia zu verzichten.

Sanktionen gegen Russland

Sportler aus Russland dürfen in Peking grundsätzlich nicht unter der Nationalflagge ihres Landes, sondern nur für das Russische Olympische Komitee (ROC) antreten. Auch Die Hymne darf nicht gespielt. Die WADA werde im Lichte der Entwicklungen die Sanktionen gegen Russland prüfen und möglicherweise erweitern, meinte Oswald. Ende des Jahres läuft Russlands zweijähriger Olympia-Bann aus - und damit vor den nächsten Sommerspielen 2024 in Paris. (apa)