Manche hatten es ihm schon vorher gesagt, schon damals, vor der Kombination: "Du wirst sehen, die Geschichte wiederholt sich." Schließlich hatte Johannes Strolz’ Vater Hubert 1988 in Calgary ebenfalls in dieser Disziplin mit Gold zugeschlagen, dazu noch Silber im Riesentorlauf gewonnen. Und als der Sohn sich dann tatsächlich in der Kombination zum Olympiasieger krönte, waren ihm die Schlagzeilen gewiss: "Wie der Vater, so der Sohn", eh klar.  

Doch ganz so stimmte das halt doch nicht, eine zweite Medaille fehlte dem 29-Jährigen schließlich noch auf die Bilanz des Vaters. Das holte er nun am Mittwoch nach, Platz zwei im Spezialslalom, 61 Hundertstelsekunden hinter Clement Noel, aber noch neun vor dem norwegischen Weltmeister Sebastian Foss-Solevaag bedeutete die zweite Medaille für den Vorarlberger bei diesen Olympischen Spielen. Und das muss noch nicht alles gewesen sein. Im Teambewerb am Samstag hat Österreich gute Chancen auf ein weiteres Stück Edelmetall - bis Mittwoch waren es schon deren 17 (6/7/4) -, Strolz ist wohl gesetzt.

Die Eltern feierten derweil in Vorarlberg. - © apa / Elisabeth Gut
Die Eltern feierten derweil in Vorarlberg. - © apa / Elisabeth Gut

Die Ergebnisse der anderen Österreicher im Slalom ließen hingegen zu wünschen übrig: Weltmeister Marco Schwarz hatte als 17. einen Rückstand von 2,52 Sekunden ("Es war eine sehr abenteuerliche Zeit, skifahrerisch sehr schlecht"), Manuel Feller schied im ersten, Michael Matt im zweiten Durchgang aus.

"Nerven aus Drahtseilen"

So groß die Enttäuschung bei den Geschlagenen daraüber auch gewesen sein mag, so groß war dennoch die Freude mit dem nunmehr zweifachen Olympia-Medaillengewinner Strolz. Schließlich war dieser aufgrund mangelnder Ergebnisse schon aus dem ÖSV-Kader gefallen, ehe er sich überraschend mit dem Sieg in Adelboden sein Ticket nach Peking ergattert hatte. "Er war locker vor dem ersten Durchgang und im zweiten auch", sagte Cheftrainer Andreas Puelacher über jenen Mann, der nach dem ersten Lauf sogar die Bestzeit inne gehabt hatte. "Er hat gezeigt, dass er Nerven aus Drahtseilen hat."

Möglicherweise rühren diese Nerven auch von seiner Vorgeschichte und seinem Lebenslauf her. Skifahren sei zwar sein "Traumberuf", und vor allem nach Adelboden sei die Erleichterung riesig gewesen, dass es damit nun doch weitergehen würde. Daneben ist er aber ebenso vielseitig interessiert. "Mich interessieren sehr viele Dinge. Ich denke, das ist auch wichtig für einen Sportler und für mich, dass man bei allem, was man in den Skisport steckt, das Gefühl hat, wenn es nicht funktioniert, geht das Leben auch weiter." Für Johannes Strolz geht es nun ebenso wie für seinen Vater als zweifachen Olympia-Medaillengewinner weiter. Dass sich diese Geschichte dann tatsächlich wiederholen würde, war auch für ÖSV-Präsidentin Roswitha Stadlober "ein Märchen", wie sie sagte.