Die Heimspiele sind für die Volksrepublik China auch die Olympischen Rekordwinterspiele geworden. Dafür sorgte unter anderem Eileen Gu am Freitag mit ihrer zweiten Goldmedaille. Dennoch: Trotz Ausrichtung der Winterspiele und eines Medaillenrekords ist die Volksrepublik noch keine Wintersportnation. Immerhin: Achtmal Gold, viermal Silber und zweimal Bronze gab es bis Freitag für China - aber nichts zu holen im alpinen und nordischen Skisport.

Neben den Erfolgen bleiben aber vor allem die Diskussionen über die Menschenrechtsverletzungen und die gigantomanischen Bauten in Erinnerung. Und auch sportlich lief vieles nicht rund. Doch womöglich dürfte sich in ein paar Jahren kaum noch einer an so manchen abgehängten Biathleten oder nicht besonders weit gekommenen Skispringer erinnern. An Gu sehr wohl - war sie doch eine der schillerndsten Figuren dieser Spiele. Begab sie sich nach ihren Wettkämpfen auf den Weg zu den Interviews, rannten die Reporter einander fast über den Haufen. Die Botschaften, die die gebürtige Kalifornierin, die ihre Ausbildung in den USA absolvierte, sich als Tochter einer chinesischen Mutter aber entschied, in Peking für dieses Spiel anzutreten, sendete, dürften sich für Chinas Staatschef Xi Jinping wie Musik in den Ohren angehört haben. "Mein größtes Ziel ist es, junge Mädchen für den Sport zu begeistern", sagte Gu nach ihrem Medaillen-Hattrick. "Ich hoffe, dass ich durch meine Erfolge dazu beitragen kann, dass Ski-Freestyle in China populärer wird. Es waren die intensivsten zwei Wochen meines Lebens." So hatte Xi sich das vorgestellt.

China sollte nicht nur Gastgeber sein, sondern auch Gewinner. Bei 14 Medaillen stand das chinesische Team am Freitag. Mehr als elf wie 2006 in Turin oder 2010 in Vancouver waren es zuvor im Winter nie.

"Perfekte Leistung"

30 Jahre nachdem Eisschnellläuferin Ye Qiaobo mit Silber in Albertville Chinas erste Medaille bei Winterspielen geholt hat, ist das Land noch weit davon entfernt, eine Wintersportnation zu sein. Dank eines massiven staatlichen Sportprogramms, der Einbürgerung ausländischer Spitzenathleten und dem Einsatz von fast 100 Trainern aus dem Ausland war es zumindest bei einigen Wettkämpfen in Peking, Yanqing und Zhangjiakou durchaus konkurrenzfähig. Neben Gu räumten auch die Ski-Freestyle-Springer ab: Gold im Einzel der Damen und Herren, Silber im Teamevent. Auch im Shorttrack, Eisschnelllauf und auf dem Snowboard gab es Siege für die Gastgeber. Sportfunktionärin Yang Yang, die als Shorttrackerin 2002 in Salt Lake City Chinas erstes Gold bei Winterspielen holte, schwärmte. "20 Jahre später schocken chinesische Sportler die Welt mit ihrem hartnäckigen Kampf und ihrer perfekten Leistung", sagte sie der Zeitung "Guangming Ribao". Chinas Team bringe "Fortschritt und Hoffnung". Doch das trifft wohl nur teilweise zu.