Am Sonntag enden in Peking die Olympischen Winterspiele. Als letzte Österreicherin wird hier Langläuferin Theresia Stadlober beim Massenstart der Frauen über 30 Kilometer (7.30 Uhr MEZ) im Einsatz stehen. Für die meisten übrigen rot-weiß- roten Athletinnen und Athleten ist der Olympiaauftritt nach zwei Wochen bereits gelaufen - und die Bilanz fällt allgemein sehr positiv aus. Allen voran für den zweifachen Olympiamedaillengewinner Johannes Strolz, dem die Ehre zuteilwird, die österreichische Delegation bei der Abschlussfeier der Winterspiele am Sonntag als Fahnenträger ins Pekinger Stadion zu führen. Dabei hat der Vorarlberger am Samstag noch die Chance, zur bisherigen österreichischen Ausbeute von 17 Mal Edelmetall (6/7/4) eine 18. im Teambewerb folgen zu lassen.

Es wäre jedenfalls ein mehr als nur zufriedenstellender Schlusspunkt unter sehr erfolgreiche Olympische Spiele für das Österreichische Olympische Komitee, die immerhin unter schwierigen Bedingungen durchgeführt wurden. ÖOC-Präsident Karl Stoss zeigte sich bei seiner Abschluss-Pressekonferenz in China mit den Leistungen "natürlich sehr zufrieden". "Damit lassen wir mehrere große Sportnationen hinter uns. Wenn wir in den Top Ten bleiben, wäre das ein riesiger Erfolg", erklärte er am Freitag. Auch an Top-Ten-Rängen würde man derzeit klar vor jenen vor vier Jahren in Pyeongchang in Südkorea liegen, die acht vierten Plätze nannte er "sehr bitter".

Ein Wermutstropfen, so Stoss, seien die verletzten Sportler (Rodler Yannick Müller, Skirennläuferin Ariane Rädler, Snowboarder Clemens Millauer, Ski-Freestylerin Lara Wolf, Biathletin Lisa Hauser) sowie insgesamt 17 Covid-Fälle (davon zwölf alte Fälle, wo CT-Werte schwankten). Betroffen war auch die aussichtsreiche Skispringerin Marita Kramer, die noch vor der Abreise positiv getestet worden war. Von den Aktiven vor Ort verpasste Snowboarderin Sabine Schöffmann ihren Bewerb, in Quarantäne waren vier Personen. Die "mitunter teuersten Spiele, die wir bisher beschickt haben" - von 5,5 Millionen Euro ist die Rede - hätten nach Sommer-Olympia in Tokio eine riesige Kraftanstrengung bedeutet. Möglich sei das nur durch Top-Partner, professionelle Arbeit und freilich großartigen sportlichen Erfolg, sagte Stoss. Im digitalen Österreich-Haus zählte man 700.000 Besucher.

Lob von IOC, Kritik von NGO

Für die Fernsehübertragung funktionierten die an Ort und Stelle fast gänzlich zuschauerlosen Winterspiele außerordentlich gut, die Athletinnen und Athleten fanden perfekte Bedingungen vor. "Das Allerwichtigste ist, wie sich die Athleten fühlen, denn um die geht es. Ich habe keine negative Stimme eines oder einer Österreicherin gehört", so Stoss. Natürlich habe es da und dort Probleme gegeben. "Ein gewisses Maß an Flexibilität ist schwer in die Köpfe zu bekommen. Bei gewissen Dingen muss man mit Nachdruck nachgehen." Erfolgreich gelang dies beispielsweise, als man von chinesischer Seite den ÖOC-Charterflug am Montag um zehn Stunden verschieben wollte, was massive Probleme bei der Landung mitten in der Nacht in Wien-Schwechat mit sich gebracht hätte.

Als "sehr erfolgreich" bewertete am Freitag auch IOC-Chef Thomas Bach die Winterspiele. Er verwies unter anderem auf "herausragende Leistungen der Athleten" und ortete zudem einen "beispiellosen olympischen Geist" unter den Athletinnen und Athleten. Das sei "weit über dem, was ich bei früheren Olympischen Spielen erlebt habe", meinte er und nannte den Big-Air-Bewerb der Frauen als Beispiel. Kein gutes Haar an den Spielen ließ hingegen die Menschenrechte-Organisation Human Rights Watch. "Die Spiele waren ein Traum für Chinas Präsident Xi Jinping, aber ein Albtraum für die Menschenrechte", kritisierte die NGO und nannte die Einschüchterung, Zensur, Verfolgung und eine Politisierung der Spiele als Beispiele.

Zum Schluss auch kritische Worte

Zum Abschluss "noch etwas Kritisches" zu sagen, war Anton Giger am Rande einer Bilanzpressekonferenz bei den Olympischen Winterspielen in China ein Bedürfnis. Der Sportdirektor des Skiverbandes sprach von "organisatorischen Unwegsamkeiten" und "richtigen Kämpfen" angesichts der Rahmenbedingungen vor Ort. "China hat in seiner politischen Entwicklung sicher noch einen Weg vor sich. Wenn es Probleme gibt, dann gibt es wenige Personen, die das angstfrei lösen." Das habe es den Verantwortlichen von ÖSV und ÖOC "am Anfang durchaus schwierig gemacht". Trotzdem stellte auch Giger fest: "Nach dieser ersten schwierigen Woche sind es sehr schöne Olympische Spiele gewesen. Natürlich mit einem sehr, sehr eingeschränkten Aktionsradius."

Was die Vergabe der Spiele angeht, meinte der ÖSV-Sportdirektor weniger mit Blick auf die Menschenrechtslage als vielmer auf das Klima: "Man muss sich das in Zukunft sehr gut überlegen, ob man Olympische Spiele an Orte vergibt, wo die Temperaturen normalerweise um die minus 20 Grad betragen. Es hat doch etliche Athleten und Athletinnen gegeben, wo der Körper auf Notbetrieb umgestellt hat. Das sollte man kritisch hinterfragen in Zukunft, denn da geht es um die Gesundheit der Athleten und das ist unser oberstes Gut." Wie ÖSV-Präsidentin Roswitha Stadlober strich auch Giger letztlich "unglaublich tolle Sportstätten" hervor. "Ich hoffe natürlich, dass die Sportstätten in der Nachnutzung dafür sorgen, dass der Sport eine entwickelnde Funktion hat." (rel/apa)