London. (sir/apa) Der Ton macht nicht nur die Musik, er macht auch die Farbe. Statt dem leuchtenden Hellgrün, in dem die Arbeitskluft des Sicherheitspersonals der Olympischen Spiele gehalten ist, prägt nun das Olivgrün der Royal Army das Bild des Olympiageländes im Osten Londons. Nachdem der private Sicherheitsdienst G4S seinen vertraglichen Verpflichtungen nicht nachkommen kann, es nicht geschafft hat, die angeforderten 10.400 Wachleute rechtzeitig einzuschulen, hat das britische Militär seine Präsenz auf 17.000 Soldaten für die am 27. Juli beginnenden Spiele erhöht.

Camouflage im bunten Olympia-Dorf: Die Armee muss für die private Sicherheitsfirma einspringen. - © REUTERS
Camouflage im bunten Olympia-Dorf: Die Armee muss für die private Sicherheitsfirma einspringen. - © REUTERS

Die sichtbaren Folgen des Missmanagements beim größten privaten Sicherheitsdienst, der weltweit auf mehr als 600.000 Beschäftigte verweisen kann, sind den Organisatoren der Spiele überaus unangenehm. Denn Olympia soll ja ein Fest werden. "Ich will, dass die Menschen zu den Spielen kommen und sich so fühlen, dass sie in einer Stadt in Feierlaune sind und nicht in einem Hochsicherheitstrakt", hatte Organisationschef Sebastian Coe noch vor wenigen Wochen gesagt.

Doch da wusste man schon um die Probleme von G4S Bescheid, das angeforderte Wachpersonal rechtzeitig und entsprechend ausgebildet anbieten zu können. Nun aber wird Olympia zur größten Operation der Royal Army auf britischem Boden seit dem Zweiten Weltkrieg. Ein Kriegsschiff auf der Themse, Boden-Luft-Raketen auf Wohnhäusern und Eurofighter-Jets in Alarmbereitschaft gehören ebenfalls dazu.

"Eine Peinlichkeit"


Dass es nun am Olympiagelände von Soldaten wimmelt statt von in hellgrünen Zivilkleidern gewandeten Personen, ist aber nur eine Konsequenz aus dem Desaster. Die andere ist ein Nachspiel, das dem Chef des großen Sicherheitsunternehmens nach den Spielen den Kopf kosten könnte. Am Dienstag legte Vorstandschef Nick Buckles vor britischen Parlamentariern einen Mea-culpa-Auftritt hin, der Ruf seiner Firma, erklärte er, liege "in Fetzen". Und auf die rhetorische Frage des Labour-Abgeordneten David Winnick, ob es nicht eine demütigende Peinlichkeit für das Land sei, antwortete der Firmenchef: "Ich kann Ihnen nicht widersprechen."

Für eine Auftragssumme von umgerechnet 360 Millionen Euro sollte G4S für die Sicherheit bei den Sportstätten sorgen, etwa bei der Einlasskontrolle. Dass selbst ein Sicherheitsdienstleister dieser Größenordnung an den olympischen Anforderungen scheitert, sagt zwar einerseits viel über den Auswuchs dieser (privaten) Sportveranstaltung aus, andererseits hat es sich G4S zugetraut, die angeforderten 10.400 Mitarbeiter einzuschulen.

Erste Warnungen, dass es knapp werden könnte, hatte der Konzern schon im Vorjahr gegeben, doch wirklich reagiert wurde von öffentlicher Seite darauf nicht. Die Anwerbungsversuche wurden deshalb immer verzweifelter. So gab sich etwa ein Reporter der "Daily Mail" als Arbeitsloser aus, der einen Job als Security-Mann suchte. "In 90 Sekunden war ich registriert", schrieb er. Beim Eignungstest habe er bemerkt, dass viele Bewerber nicht einmal Englisch konnten.

Etwa 7000 Wachleute wird G4S für Olympia stellen - wenn alle auch wirklich auftauchen. "Unsere normale Quote liegt bei 90 Prozent", sagte Buckles. Für die nun höheren Ausgaben der Royal Army will G4S aufkommen, der Verlust für das Unternehmen soll bei rund 65 Millionen Euro liegen, das sind etwa zwölf Prozent des jährlichen Gewinns. "Wir sind sehr enttäuscht und entschuldigen uns", sagte Buckles.