London. Viele werden schon in ihren zu kurzen Bettchen im Olympia-Dorf gelegen haben. Es war spät, als Queen Elizabeth II. die "magischen" Worte sprach. Um 00.18 Uhr Ortszeit (01.18 Uhr MESZ) eröffnete die 86-jährige britische Königin die Sommerspiele der XXX. Olympiade in London. Bis 12. August wird in der britischen Hauptstadt fortan um Gold, Silber und Bronze gekämpft.

Es war eine stimmungsvolle Show, die die 80.000 Zuschauer im Olympia-Stadion und die Millionen Zuschauer vor den Fernsehschirmen geboten bekamen: Eine stimmungsvolle Show zwischen Tradition und Moderne. Das olympische Feuer wurde am Ende von sieben jungen britischen Athleten entzündet.

"Ich erkläre die Spiele von London, die die 30. Olympiade der modernen Ära feiern, für eröffnet", sagte die Königin. Die letzten Fackelläufer waren das am besten gehütete Geheimnis der vergangenen Tage gewesen. Ruder-Legende Steve Redgrave brachte die Flamme ins Stadion, danach gingen die sieben von britischen Olympiasiegern persönlich nominierten Zukunftshoffnungen auf eine gemeinsame Stadionrunde. Das Feuer entzündeten die Nachwuchssportler gemeinsam in einem Kreis inmitten der versammelten Olympia-Athleten.

Fotostrecke 0 Bilder

"Ich war niemals zuvor so stolz, Brite zu sein", versicherte Organisationschef Sebastian Coe in seiner Eröffnungsrede. "In den nächsten zwei Wochen werden wir alles zeigen, was London zu einer der großartigsten Städte der Welt gemacht hat." Bereits die beiden vergangenen Spiele in der britischen Hauptstadt 1908 und 1948 seien Erfolge gewesen. "Die Olympischen Spiele kehren nach Hause zurück", meinte IOC-Präsident Jacques Rogge.

Markus Rogan führte Österreichs Delegation an
Österreich war angeführt von Fahnenträger Markus Rogan als 13. der 205 Delegationen einmarschiert. Die Abordnung umfasste etwas mehr als 40 Athleten und Betreuer. "Es war ein großes Fest. Die Anspannung, vor dem Stadion zu stehen und zu warten, ist ein Wahnsinn", erklärte Seglerin Eva-Maria Schimak. "Irgendwo im Stadion haben wir dann eine österreichische Fahne gesehen, das war schon etwas Besonderes", ergänzte Tischtennisspieler Robert Gardos.

Auf Twitter taten etwa Rogan, Synchronschwimmerin Nadine Brandl und Tennisspielerin Tamira Paszek ihre Begeisterung über das Fest kund.

Als Fahnenträger befand sich Rogan in einem illustren Kreis. Die jamaikanische Flagge etwa trug Leichtathletik-Superstar Usain Bolt, die russische Tennis-Starlet Maria Scharapowa. Den krönenden Abschluss des Einmarsches bildeten die Gastgeber angeführt vom vierfachen Bahnrad-Olympiasieger Chris Hoy.

Regen nur zu Beginn
Auch der britische Regen durfte nicht fehlen. Pünktlich zu Beginn des Vorprogrammes um 20.12 Uhr (Ortszeit) regnete es, danach zeigte sich der Wettergott aber gnädig. Der Feierlaune tat das alles ohnehin keinen Abbruch. Als Tour-de-France-Sieger Bradley Wiggins die Eröffnungsfeier mit einer überdimensionalen Glocke einläutete, erreichte die Stimmung auf den Rängen ihren ersten Höhepunkt.

Die 27 Millionen Pfund (34,5 Mio. Euro) teure Show von Regisseur Danny Boyle wurde zu einer Reise durch die Geschichte - von der Landidylle früherer Jahrhunderte über die Schornsteine der industriellen Revolution bis hin zum Pop- und Internet-Zeitalter. 15.000 Freiwillige waren beteiligt, darunter auch viele Kinder. Einen besonders berührenden Teil der Zeremonie stellten Patienten eines Londoner Kinderspitals dar.

Mr. Bean und James Bond
Dem Gigantismus von Peking 2008 wollte Boyle keine Konkurrenz machen: "Größer als Peking kann man nicht sein." Dafür warfen die Briten nicht nur ihren Humor, sondern auch ihre Prominenz in die Waagschale. Neben den von der Queen angeführten Royals auch Fußballstar David Beckham, der die Fackel Redgrave übergab, Musik-Ikone Paul McCartney, "Mr. Bean" Rowan Atkinson oder James-Bond-Darsteller Daniel Craig.

Letzterer hatte die Ehre, mit der Königin im Buckingham Palace einen Kurzfilm zu drehen, in dem er sie mit dem Helikopter abholt. Als sich zwei Stuntmen aus dem Helikopter stürzten, marschierte die Queen in einem rosafarbenem Kleid an der Seite ihres Ehemannes Prinz Philip und IOC-Präsident Rogge auf der Ehrentribüne ein. Zuvor hatte sie noch anwesende Spitzenpolitiker empfangen, darunter Österreichs Bundeskanzler Werner Faymann.