London. Auf Aufregung dieser Art hätte Deutschlands Olympia-Team in London gerne verzichtet. Die Ruderin Nadja Drygalla soll Kontakte in die rechtsextreme Szene pflegen. Jetzt hat sie das olympische Dorf verlassen - um weitere Aufregung zu vermeiden. Ihren Wettkampf hatte sie ohnehin bereits hinter sich.

Nach einem Bericht des NDR soll der Lebensgefährte Drygallas im vorigen Jahr Landtags-Direktkandidat der rechtsextremen NPD in Rostock gewesen sein. Er schreibe regelmäßig für ein NPD-nahes Internetportal und sei führendes Mitglied der Kameradschaft "Nationale Sozialisten Rostock".

Man habe mit der 23-Jährigen sofort nach Bekanntwerden der Berichte gesprochen, sagte der Generaldirektor des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB), Michael Vesper, am Freitag in London. Er habe keinen Zweifel daran, dass die Sportlerin zu den Werten des Grundgesetzes stehe. "Dennoch hat sie entschieden, dass sie die Mannschaft, dass sie das olympische Dorf jetzt verlässt, um jede mögliche Belastung von der Mannschaft zu nehmen", sagte Vesper.

Zu der persönlichen Beziehung Drygallas wolle er nichts sagen, sagte Vesper. Entscheidend sei, wie sie selber denke. Er räumte ein, dass es schon früher Gerüchte über mögliche Verquickungen der Sportlerin mit der rechtsextremen Szene gegeben habe: "Ich weiß, dass das vor einigen Monaten mal möglicherweise im Gespräch war."

Rechtsextremismus im deutschen Leistungssport?
Vesper wies Darstellungen zurück, der Rechtsextremismus reiche in den deutschen Leistungssport hinein: "Das ist eine Unterstellung, die ich allerschärfstens zurückweise." Es gebe nicht den geringsten Hinweis in diese Richtung. Der Deutsche Ruderverband kündigte an, noch in diesem Monat ein Gespräch mit Drygalla führen zu wollen. "Danach werden wir die weitere Vorgehensweise besprechen."

Der NDR berichtete, die Vorwürfe gegen Drygalla seien nicht neu. Bereits im März 2011 habe es Berichte gegeben, sie sei mit einem Neonazi aus Rostock liiert. Kurz danach sei sie aus dem Polizeidienst des Landes Mecklenburg-Vorpommern ausgeschieden, möglicherweise auf Druck ihres Dienstherrn. Bis dahin sei Drygalla Mitglied der Sportfördergruppe der Polizei gewesen. Im Internet kursierten Fotos von ihr mit Rechtsextremisten. Andere Frauen posierten dabei mit eindeutig rechtsextremen Motiven.

In London landete Drygalla mit Deutschlands Ruder-Achter auf Platz fünf. Ein weiterer Einsatz wäre nicht vorgesehen gewesen. (Reuters/red)