Pyeongchang. (art) "Wir mögen uns gern, wir haben uns auch lieb, aber wir streiten halt auch viel" - es ist nicht eine Abwandlung eines Wolfgang-Ambros-Liedes, sondern beschreibt die Beziehung zwischen Dominik Landertinger und Pyeongchang in seinen eigenen Worten. Denn hier war sein Stern mit WM-Gold im Massenstart 2009 aufgegangen, wiewohl er sich mit den Bedingungen zunächst nicht richtig hatte anfreunden können - hier erreichte er am Donnerstag mit der Bronzemedaille bei Olympia einen emotionalen Höhepunkt seiner Karriere. Und das, obwohl er die Spiele nach den Plätzen 25 und 26 im Sprint und in der Verfolgung am liebsten schon verwunschen hätte. "In der Früh beim Einlaufen hat mich dieses Pyeongchang schon an’zipft, muss ich sagen. Es war kalt und der Wind ist gegangen. Und die Form hat auch nicht gepasst", erzählte Landertinger nach dem Einzel über 20 Kilometer.

Im Rennen freilich hat alles gepasst, vom Material bis hin zum Schießen. Zwar hatte der 29-Jährige aus der Tiroler Biathlon-Hochburg Hochfilzen beim Laufen seine Probleme ("In der letzten Runde ist es richtig grauslich geworden"), umso mehr konnte er sich aber am Schießstand konzentrieren - mit 20 fehlerfreien Schüssen und einem Kraftakt in der Loipe sicherte er sich den dritten Platz hinter dem Norweger Johannes Thingnes Bö, der selbst die Enttäuschungen vom Sprint und der Verfolgung wiedergutmachen konnte, sowie dem Slowenen Jakov Fak. Mitfavorit Martin Fourcade, Olympiasieger in der Verfolgung, landete nach zwei Fehlern bei den letzten beiden Scheiben nur auf dem fünften Platz. Die weiteren Österreicher, Simon Eder, Julian Eberhard und dessen Bruder Tobias, belegten die Ränge elf, 17 und 57. Doch es gab an diesem Tag im heimischen Team niemanden, der sich nicht mit Landertinger freute. Schließlich hat der nunmehr vierfache Olympia-Medaillengewinner einen wahren Leidensweg hinter sich. Im September musste er sich einer Bandscheibenoperation unterziehen, zwei Monate konnte er nicht trainieren. Dem Rückstand in der Vorbereitung läuft er jetzt noch phasenweise hinterher. "Läuferisch ist es noch nicht bei 100 Prozent", sagte er.

"Jeder im Team hätte es sich verdient, aber er ganz besonders. Er ist mit Köpfchen gelaufen, hat Ruhe und Nerven bewiesen", befand deshalb auch der sportliche Leiter Markus Gandler, dessen Team nach einer bisher durchwachsenen Saison schon in der Kritik gestanden war. In diesem Winter gab es im Weltcup noch keinen Stockerlplatz - dass dieser nun ausgerechnet Landertinger und ausgerechnet beim absoluten Saisonhöhepunkt gelang, sei "ein kleines Olympia-Märchen", sagte Teamkollege Eder, dessen persönliche Enttäuschung sich deswegen auch in Grenzen hielt. "Für eine Medaille muss eben alles passen - wie beim Landi", meinte er.

Und immerhin: Noch ist ja nicht aller Tage Abend für Österreichs Skijäger, die in der Geschichte bei sechs Olympia-Medaillen halten. In Sotschi hatte es Bronze in der Staffel und Silber im Sprint - ebenfalls durch Landertinger - gegeben. Im Massenstart am Sonntag (12.15 Uhr) und in der Staffel kann noch nachgelegt werden. Die Damen sind indessen noch lange nicht so weit, um die Medaillen zu kämpfen. Im 15-Kilometer-Bewerb schauten für Lisa Theresa Hauser, Dunja Zdouc und Katharina Innerhofer nur die Plätze 41, 58 und 60 heraus. An der Spitze setzte es eine Überraschung: Die 22-jährige Schwedin Hanna Öberg sicherte sich mit fehlerfreien Schießeinlagen Gold vor der Slowakin Anastasiya Kuzmina, die zwei Strafminuten für Fehler erhielt. Bronze ging an die Deutsche Laura Dahlmeier, für die es damit vorerst nichts mit dem Hattrick nach Sprint- und Verfolgungssieg wurde.