Pyeongchang. (may) Vielleicht hätten die Parcours-Modellierer der olympischen Ski- und Snowboardcross-Kurse weniger an spektakuläre Bilder als an Nick Zoricic denken sollen. Der Kanadier ist nämlich - leider - das tote Beispiel dafür, dass diese Trendsportarten alles andere als ungefährlich sind, verunglückte der Ski-Crosser doch im März 2012 beim Weltcup in Grindelwald tödlich. Am Donnerstag konnten sich die Veranstalter tatsächlich glücklich schätzen, dass es beim Ski-Cross-Bewerb im Phoenix-Snow-Park nicht zum Ultimativen gekommen ist und die Horrorstürze der Athleten "nur" mit schweren Verletzungen endeten. Dennoch stellt sich die Frage, wie es zu diesem modernen Kampf der Gladiatoren kommen konnte.

Insgesamt gab es gleich drei Akja-Bergungen im Herren-Bewerb, die für jeweils lange Unterbrechungen sorgten. Ein Opfer war der Österreicher Christoph Wahrstötter, der unverschuldet zu Sturz kam und das Fangnetz durchschlug - er zog sich in Bokwang eine schwere Gehirnerschütterung zu. Grauslich anzusehen war vor allem der Sturz des Kanadiers Christopher Delbosco, der vor einem der Monstersprünge verkantete, um dann wie eine Rakete rücklings abzuheben. Der Aufschlag aus mehreren Metern Höhe hatte einen Beckenbruch zur Folge. Ebenfalls nur Passagier in der Luft war der Franzose Terence Tchiknavorian, dessen Satz ins Flache einen Schienbeinbruch bedingte. Fast nebensächlich war da am Ende das Resultat - Gold ging an den Kanadier Brady Leman, Thomas Zangerl wurde als bester Österreicher Zwölfter.

"Keiner zieht zurück"


Dabei hätte man es wissen müssen, dass die Sprünge bei kleinsten Fehlern oder nur bei Gleichgewichtsverlusten im Kampf Mann gegen Mann fatal ausgehen können: Schließlich endete in der Vorwoche das Abenteuer Olympia für den rot-weiß-roten Boarder Markus Schairer auf dem Operationstisch - Halswirbelbruch .

Im Lager der Österreicher suchte man nach zwei schwerverletzten Athleten nach Erklärungen: "Es war fast zu erwarten, dass es relativ scharf wird, weil einfach der Abstand zwischen den Elementen relativ gering ist und die Sprünge doch weit und hoch gehen", sagte Cheftrainer Willi Zechner. Daher wäre es ratsam gewesen, mehr Platz zwischen den Sprüngen zu lassen - dann wäre etwa der Abflug von Delbosco so nicht passiert. Er geht davon aus, dass es nun vor dem Damen-Ski-Cross-Bewerb (Finale am Freitag) entsprechende Adaptierungen gibt. Allerdings habe sich aufgrund des geringeren Tempos im Training gezeigt, dass es für die Fahrerinnen weit weniger gefährlich ist.

Ein Grund für die Sturzserie ist freilich auch das Format mit dem direkten Kampf gegeneinander. "Bei Olympia will natürlich jeder seine Leistung abrufen, vielleicht sogar darüber hinausgehen und nicht irgendwo zurückziehen", so Zechner. Schon vor vier Jahren in Sotschi hatten viele zu viel riskiert. Daher gibt (der im Viertelfinale ebenfalls ins Ziel gestürzte) Zangerl nicht dem Kurs alleine die Schuld, wiewohl dieser am Limit gewesen sei: "Genauso, wie er das steht, macht es auch einen würdigen Olympiasieger aus. Die weiterkommen beweisen eh, dass alles fahrbar ist."