Pyeongchang/Wien. Short-Track-Superstar Viktor Ahn ist vor vier Jahren in Sotschi mit insgesamt vier Medaillen - dreimal Gold und einmal Bronze - der erfolgreichste Olympia-Athlet der Winterspiele seiner neuen russischen Heimat gewesen. In seinem Geburtsland Südkorea fehlt der 32-Jährige nun, weil er nach Russlands Doping-Skandal keine Starterlaubnis für das Großereignis erhalten hat.

Der sechsfache Olympiasieger Ahn ist damit vorzeitig aus dem Rennen, auch bei den Winterspielen in Pyeongchang der große Star zu werden. Die ersten Anwärter auf diesen Titel kommen damit aus dem Biathlon- und Langlauf-Lager, dominiert doch der Franzose Martin Fourcade den Weltcup der Skijäger ebenso wie die Norweger den Kampf um die große Kristallkugel in der Loipe. So hat etwa Marit Björgen, die alles der Vorbereitung auf Pyeongchang unterordnete, bereits sechs Olympiasiege auf dem Konto. Drei davon holte die mittlerweile 37-jährige Rekord-Winter-Olympionikin vor vier Jahren in Sotschi.

Fourcade und Edelmetall

Fourcade brachte es mit zweimal Gold und einmal Silber ebenfalls auf drei Medaillen in Russland und peilt diesmal sogar noch mehr an, nachdem er in allen bisherigen 15 Weltcup-Einzel-Rennen des Olympia-Winters immer auf dem Podest - davon sechs Mal als Sieger - gelandet war. Der elffache Weltmeister bekam aber zuletzt verschärfte Konkurrenz vom Norweger Johannes Thingnes Bö, der mit Hilfe von Fourcades Ex-Trainer Siegfried Mazet in dieser Saison schon acht Mal gewonnen hat. Bei den Langläufern war der erst 21-jährige Norweger Johannes Kläbo mit neun Siegen - vom Sprint bis zum Skiathlon über 30 km - der dominierende Mann im Olympia-Vorfeld.

Österreichs alpiner Ski-Superstar und Gesamt-Weltcup-Seriensieger Marcel Hirscher hält dagegen sogar schon bei zehn Saisonsiegen. Gleiches gilt für die 22-jährige US-Amerikanerin Mikaela Shiffrin, der Experten ebenfalls drei Gold-Medaillen - in Riesentorlauf, Slalom und Kombination - zutrauen. Den größten Glamour-Faktor im Alpin-Bereich hat aber ihre Landsfrau Lindsey Vonn, die schon 81 Weltcup-Rennen gewonnen hat. Die Abfahrts-Olympiasiegerin von 2010 möchte nach den verpassten Winterspielen in Sotschi erneut Gold erobern.

Schnelllauf und Skifliegen

Eisschnelllauf-Rekord-Weltmeister Sven Kramer will gleich drei Goldene in Südkorea holen. Der 30-jährige Niederländer, der bereits 28 WM-Titel erobert hat, ist über 5.000 und 10.000 m sowie in der Team-Verfolgung Topfavorit. Bleibt nur zu hoffen, dass Kramer nicht wie in Vancouver 2010, als er klar auf Goldkurs über 10.000 m gelegen war, von seinem Trainer in die falsche Spur eingewiesen und nachträglich disqualifiziert wird.

Im Skispringen gelten Vierschanzen-Tournee-Dominator Kamil Stoch aus Polen und der Deutsche Richard Freitag als erste Goldkandidaten sowie Mehrfach-Medaillenanwärter. Österreichs Doppel-Weltmeister Stefan Kraft läuft dagegen wie der Rest des ÖSV-Teams seiner Bestform hinterher. Der Salzburger landete vor den Winterspielen nur zweimal auf dem Weltcup-Podest (jeweils Dritter). Der 36-jährige Schweizer Simon Ammann, der nach seinen Doppelerfolgen 2002 und 2010 bereits vierfacher Olympiasieger und damit erfolgreichster Weitenjäger ist, bewies dagegen zuletzt ansteigende Form.

Im Snowboard wird sich viel um Superstar Shaun White drehen. Die Qualifikation schaffte der 31-Jährige US-Amerikaner in Snowmass mit einer Traum-Vorstellung, für die er die äußerst seltene Maximalwertung von 100 Punkten erhielt. 2006 und 2010 triumphierte White in seiner Paradedisziplin Halfpipe. Nach dem enttäuschen vierten Platz in Sotschi möchte der X-Games-Rekordsieger nun mit dem dritten Olympiasieg für die gewohnten Schlagzeilen sorgen.

Im Eiskanal führen die Siege dagegen in erster Linie über die deutschen Topleute. Bei den Rodlern peilt Felix Loch sein drittes Olympia-Gold en suite an. Dank Teambewerb könnte der 28-Jährige nach Südkorea sogar schon bei fünf Olympiasiegen halten. Doch bereits mit der vierten Goldenen würde er seinen Landsmann Georg Hackl als Rodel-Rekordsieger bei Winterspielen ablösen