• vom 03.04.2018, 16:42 Uhr

Sport

Update: 03.04.2018, 16:54 Uhr

Biathlon

Einar wie keiner




  • Artikel
  • Lesenswert (6)
  • Drucken
  • Leserbrief




Von Tamara Arthofer

  • Vorzeige-Biathlet Ole Einar Björndalen beendet eine Karriere, die weit über sportliche Erfolge hinausging.

Letzter Olympiasieg 2014.

Letzter Olympiasieg 2014.© afp Letzter Olympiasieg 2014.© afp

Oslo. Langlaufen, schießen, trainieren, essen, die Tochter betreuen, schlafen, dann wieder langlaufen, schießen und wieder und wieder und wieder. Wäre es nach Ole Einar Björndalen gegangen, hätte es ewig so weitergehen können. Und eigentlich war es ja auch eine Ewigkeit, die der Norweger die Loipen und Schießstände dieser Welt und dort nicht selten die Konkurrenten unsicher gemacht hat. 1992 bestritt er sein erstes Weltcuprennen, im März dieses Jahres sein letztes. Dass es das nun gewesen ist, erklärte Björndalen am Dienstag unter Tränen.

Wer glaubt, dass im hohen Sportleralter von 44 Jahren und nach einer schwachen Saison, in der die Olympia-Teilnahme verpasst wurde, die Motivation abhandengekommen sein könnte, irrt. "Die ist ungebrochen. Ich habe eine unglaubliche Freude am Sport und hätte gerne noch einige Jahre weitergemacht. Aber das war jetzt meine letzte Saison", sagte er und verwies auch auf gesundheitliche Gründe. Er habe im Sommer Herzrhythmusstörungen gehabt, die zwar weder unter Belastung aufgetreten noch gefährlich seien, es sei für ihn aber das Zeichen gewesen, Schluss zu machen mit seiner Karriere. Es war eine der erfolgreichsten Sportlerkarrieren überhaupt: 13 Olympia-Medaillen, davon acht Goldmedaillen - womit er in der ewigen Olympia-Bestenliste nur hinter seiner langlaufenden Landsfrau Marit Björgen liegt -, 20 WM-Titel, 94 Weltcupsiege im Biathlon plus einer im Langlauf sprechen eine deutliche Sprache - und doch vermögen sie nur unzureichend das Phänomen Björndalen zu beschreiben. Beeindruckend ist nämlich auch, über welchen langen Zeitraum er sich an der absoluten Weltspitze halten konnte: Zwischen seinem ersten Einzel-Olympiasieg im Sprint in Nagano 1998 und seinem letzten in Sotschi 2014 liegen 16 Jahre, in denen er Konkurrenten kommen und gehen oder über (Doping-)Affären stolpern gesehen hat.


Power-Paar

Erster Olympiasieg 1998.

Erster Olympiasieg 1998.© afp Erster Olympiasieg 1998.© afp

Björndalen indessen führte ein (in der öffentlichen Wahrnehmung) skandalfreies Leben, wohnt ohne großen Rummel in Osttirol und gilt als bodenständiger Familienmensch. Mit Ehefrau Darja Domratschewa hat er eine eineinhalbjährige Tochter, die wohl ein Mitgrund für seine Rücktrittsentscheidung war. "Das Training ist überhaupt nicht das Problem, das Organisatorische ist das Problem", hatte er vor wenigen Wochen erklärt. Zudem ist er in seiner letzten Saison auch doppelgleisig gefahren: Nachdem er selbst die interne Olympia-Ausscheidung in der starken norwegischen Mannschaft nicht geschafft hatte, kümmerte er sich um die Betreuung Domratschewas, die dann auch in Pyeongchang für Jubel im Hause sorgte: Nach ihrem Sieg in der Staffel und dem zweiten Platz im Massenstart hält die 31-Jährige nun bei vier Gold- sowie je einer Silber- und einer Bronzemedaille, womit sie die beste Biathletin der Olympia-Geschichte ist. Dass das Paar auch abseits des Sportlichen hohes Ansehen in der Öffentlichkeit genießt, bewies eine anlässlich des Frauentags in Weißrussland durchgeführte Umfrage, die sie als einflussreichste Frau des Landes auswies - vor der Politikerin Natalja Kochanowa und der Literatur-Nobelpreisträgerin Swetlana Alexijewitsch.

Die Popularität ihres Mannes ist sowieso unbestritten. "Er wird für immer eine Legende sein", sagte Johannes Thingnes Bö, einer seiner sportlichen Erben. Und dieser Status reiche weit über Norwegen hinaus. "Wir sind sehr stolz, dass er Norweger ist, aber eigentlich hat jeder Biathlet Ole Einar als Vorbild." Der jüngste Misserfolg tat dem keinen Abbruch. Als er seine siebente Olympia-Teilnahme verpasste, sendete der staatliche TV-Sender NRK eine Sondersendung mit all seinen Siegen. Sie war lang, 55 Stunden lang. Und doch ein Wimpernschlag gemessen an der Karriere von Ole Einar Björndalen.




Leserkommentare




Mit dem Absenden des Kommentars erkennen Sie unsere Online-Nutzungsbedingungen an.


captcha Absenden

* Pflichtfelder (E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht)


Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2018
Dokument erstellt am 2018-04-03 16:48:06
Letzte Änderung am 2018-04-03 16:54:05



Werbung



Beliebte Inhalte

Meistgelesen
  1. Thiem holt sich Sieg in St. Petersburg
  2. Salzburg weiter makellos
  3. Joshua bleibt Schwergewichts-Champ
  4. Gefährlicher Torjubel
  5. Der Tiger beißt wieder
Meistkommentiert
  1. Kipchoge will den Weltrekord
  2. Salzburg gewann Spitzenspiel in St. Pölten


Werbung