Graz. Ein Bewerber-Sextett befindet sich noch im Rennen um die Ausrichtung der Olympischen Winterspiele 2026. Auch Graz/Schladming ist dabei. Um bei der Vergabe im September 2019 noch in der Auswahl zu sein, braucht es den Kandidatenstatus - vergeben im Oktober durch das Internationale Olympische Komitee (IOC). Für IOC-Vizepräsident Juan Antonio Samaranch jr. besteht kein Zweifel, dass Graz da dabei sein sollte. "Wenn Graz ein Kandidat sein will, könnte ich es nur schwierig rechtfertigen, dass sie nicht auf die Kandidatenliste kommen", sagte Samaranch am Donnerstag bei einem Pressegespräch im Rahmen eines Wien-Besuchs. Davor hatte er sich Fragen der Grazer Stadtregierung gestellt. Dort ist vor allem die KPÖ skeptisch, strebt eine Volksbefragung und ein eventuelles "Nein" zur Bewerbung von Graz als "Host City" an. Samaranch ist bemüht, diverse Bedenken zu zerstreuen.

"Wir wollen Fakten präsentieren und überzeugen", erklärte der Spanier. "Wir sollten keine Meinung zu einer Bewerbung haben, nicht beeinflussen." Trotz Anstrengungen des IOC, die Agenda 2020 mit ihrem neuen Zugang zur olympischen Idee zu vermitteln, gab es zuletzt in einigen interessierten Regionen negative Volksabstimmungen - vor knapp zwei Wochen in Sion. "Wir müssen besser kommunizieren", beantwortete Samaranch die Frage, wie den Leuten der neue IOC-Kurs vermittelt werden könne.

Graz sei jedenfalls ein perfekter Platz für Winter-Olympia. "Es hat die Infrastruktur, und es liegt in einem der wichtigsten Wintersportländer der Welt." Dass die zweitgrößte Stadt Österreichs für Olympia zu klein sei, sieht Samaranch überhaupt nicht so. Alle kommenden, bereits vergebenen Spiele finden zwar mit Tokio (Sommer 2020), Peking (Winter 2022), Paris (Sommer 2024) und Los Angeles (Sommer 2028) in Metropolen statt. Doch das soll sich ändern.

"Klein ist jetzt besser"

"Klein ist jetzt besser", sagte der Sohn des gleichnamigen ehemaligen, 2010 verstorbenen IOC-Präsidenten. "Lillehammer (Winter 1994, Anmerkung) war eine der erfolgreichsten Spiele", erklärte Samaranch. "Graz hat die perfekte Größe. Wir wollen die Spiele nicht nur in den großen Städten haben." Allerdings habe man die angestrebten Kostensenkungen ansatzweise etwa auch schon für Tokio 2020 erreicht, auch wenn der Zuschlag an Japans Hauptstadt vor der Agenda-Einführung erfolgt war.

Nach Paris 2024 soll aber 2026 der Knackpunkt werden, dann soll die Agenda 2020 richtig greifen. "Wenn es Graz wäre, wäre es das Beste, um alles hinter uns zu lassen", bezog sich Samaranch unter anderem auf frühere Olympia-Kostenexplosionen und fragwürdige Abstimmungspraktiken. Die Wintersport-Euphorie in der Alpenrepublik würde es quasi zum Selbstläufer machen. "Alle vier Jahre wird Österreich zu einem anderen Platz. Wenn die Spiele hier stattfänden, wäre das mit tausend multipliziert, ein Boost."

Neue Bauten und Stadien extra für die Spiele sollten dafür jedoch nicht gebaut werden. Samaranch: "Jeder Euro, der investiert wird, soll gut überlegt sein. Wir wollen nicht, dass Städte wegen Olympia ihre langfristigen Pläne abändern. Aber Olympia kann ein guter Katalysator für solche Pläne sein." Dass es nicht einmal für die Eröffnung ein Stadion brauche, würden die Jugendspiele im Oktober in Buenos Aires zeigen. Da beginnen die Spiele nämlich mit einem großen Fest auf einer der Hauptstraßen der Stadt.

Fünf Konkurrenten

In Argentinien wird auch entschieden, welche Bewerber Kandidaten-Status erhalten. Zur Auswahl stehen aktuell neben Graz Italien mit Turin und Mailand, Schweden mit Stockholm, die Türkei mit Erzurum, Kanada mit Calgary und Japan mit Sapporo.