Lake Louise. (may) Mit der Abfahrt in Lake Louise (Samstag, 20.15 Uhr/ORFeins) startet der Weltcupwinter auch für die Speed-Herren. Spätestens seit dem Donnerstag-Training ist allen klar, dass der große Favorit auf den ersten Sieg nicht mit einem skandinavischen, sondern dem Schweizer Kreuz auf dem Helm abfahren wird. Denn während ansonsten auf der Hochgeschwindigkeitsstrecke im Banff-Nationalpark in der kanadischen Provinz Alberta die Norweger den Ton angeben, ist heuer der Eidgenosse Beat Feuz der absolute Topfavorit. Er ist nicht nur aktueller Weltmeister und Eigentümer der Abfahrts-Kristallkugel, sondern hat seine höchst erfolgreiche Vorjahressaison ebendort mit einem Sieg gestartet. Zumindest wollen ihm die Österreicher diesen Titel streitig machen und erstmals seit 2010 in Lake Louise gewinnen.

Der frischgebackene Vater zeigte jedoch bei seinen bisherigen Trainingsauftritten keine Tendenzen, ob der neuen Rolle womöglich weniger Risiko als früher einzugehen. "Bisher habe ich keine Veränderungen festgestellt", sagte Feuz, dessen Tochter bei Mutter und Ex-Rennläuferin Kathrin Triendl in Tirol weilt, im Schweizer Fernsehen. Die wichtigsten Rennen der kommenden Saison sind aber noch relativ fern, somit will sich der Kugelblitz mit der Hochform noch Zeit lassen - und am liebsten bei der WM in Aare sowie den Jänner-Klassikern auf dem Lauberhorn und der Streif zuschlagen. Aber ein Auftakt-Sieg wäre auch nicht schlecht, betont er: "Geht es um die Kugel, ist jedes Rennen wichtig. Geht es am Anfang in die Hosen, wird es kugeltechnisch schwierig." Seine fast perfekte zweite Trainingsfahrt, bei der er dem Zweiten Dominik Paris 1,17Sekunden abnahm, will der 31-Jährige aber nicht überbewerten. "Training und Rennen sind zwei verschiedene Paar Schuhe", so Feuz.

Das kann auch Österreichs Herrenchef Andreas Puelacher unterschreiben: "Er hat diesmal schon im Training beeindruckend gezeigt, wozu er imstande ist. Normalerweise drückt er da ja noch nicht schon so richtig an. Aber wir konzentrieren uns auf uns. Beat ist stark gefahren, aber man muss das ja auch nicht überbewerten."

Österreichs Hoffnungen auf der 3120 Meter langen Piste trägt am Samstag der doppelte Olympiasieger Matthias Mayer, der Feuz im Vorjahr nur hauchdünn unterlegen war - und in Kanada schon vier Mal Zweiter geworden ist. "Das war fast jedes Mal hinter Leuten, die schon 20, 30 Weltcupsiege haben. Ich war vier Mal knapp dran, jetzt braucht es ein saubereres, lockeres Läufl. Es wird schön langsam Zeit, dass ich einmal von ganz oben herunter lache", meinte der 28-jährige Kärntner, der sich für den Super G am Sonntag (20 Uhr/ORFeins) fast noch bessere Chancen ausrechnet.