St. Christina/Gröden. (may) Die Südtirol-Rennen im Ski-Weltcup beginnen traditionell mit dem Super G in Gröden. Während die Norweger Aksel Lund Svindal und Kjetil Jansrud am Freitag (12Uhr/ORFeins) ihr einstiges "Wohnzimmer" zurückerobern wollen, ist eigentlich der Kärntner Max Franz jener Mann, den es zu schlagen gilt. Nach seinen zwei Weltcupsiegen in Übersee und der überlegenen Bestzeit im letzten Abfahrtstraining am Donnerstag zählt der Weißbriacher zu den Topfavoriten auf den Gröden-Sieg. Das gibt er auch unumwunden zu: "Wenn ich keinen Blödsinn mache, weiß ich, dass ich sehr schnell sein kann."

Im Abschlusstraining bewies der 29-Jährige neuerlich, dass die Saslong seine absolute Lieblingsstrecke ist: Mit 1:58,65 Minuten war Franz 0,66 Sekunden schneller als der dreifache Gröden-Abfahrtssieger Steven Nyman aus den USA, der Schweizer Weltmeister Beat Feuz lag 0,86 Sekunden zurück. Von den übrigen Österreichern klassierten sich Matthias Mayer (4.), Vincent Kriechmayr (7.) und Christian Walder (8.) in den Top Ten. Alles andere als neuerliche Spitzenplätze wären für die ÖSV-Equipe somit eine herbe Enttäuschung.

Dabei gab es in diesem Jahrzehnt in Gröden nicht wirklich viel zu holen für Rot-Weiß-Rot: Der bisher letzte österreichische Super-G-Sieger auf der Saslong-Piste war 2010 Michael Walchhofer. Franz war es schließlich vor zwei Jahren, der die jahrelange Durststrecke beim Abfahrtklassiker beendete, Svindal mit vier Hundertstelsekunden Vorsprung auf Rang zwei verwies - und gleichzeitig seinen ersten Weltcup-Triumph zelebrierte. Im Vorjahr holte die "Racing-Wildsau" Franz dann sein bestes Saisonresultat ebenfalls in Gröden mit Platz zwei im Super G.

Mit seinem Faible für das heuer fast kitschig winterliche Tal in den Dolomiten hält Franz ohnehin nicht hinter dem Berg. "Ich mag Gröden ganz gern", erklärte der Cousin von Ex-ÖSV-Abfahrer Werner Franz. Und wollte sich partout auf keine Präferenz für eine Speed-Disziplin festlegen. "SuperG oder Abfahrt ist mir eigentlich gleich. Es sind in beiden Disziplinen die gleichen Passagen zu fahren, zumindest teilweise."

Zudem hat er bekanntlich in beiden Disziplinen heuer schon zugeschlagen - nach dem Sieg in der Abfahrt von Lake Louise folgte jener im Super G von Beaver Creek. Reines Wind-, Wetter- und Startnummerglück kann das nicht gewesen sein, wiewohl er keinesfalls benachteiligt war.

Dabei hat für ihn die Welt vor der Saison ganz und gar nicht rosarot ausgesehen wie nun, wenn er sich sogar mit Marcel Hirscher ein Duell an der Gesamtweltcupspitze liefert und die 42 Punkte Rückstand locker in Gröden aufholen könnte. Denn zu den Ungewissheiten eines Materialwechsels gesellten sich im Herbst andauernde Knieprobleme hinzu. Die durch den lädierten Knorpel verursachten Schmerzen seien aber in Lake Louise flugs verschwunden gewesen und hätten ihn nicht mehr behindert; und der Materialwechsel zur Innviertler Skifirma Fischer - zum aufstrebenden Teamkollegen Kriechmayr - habe sich als Goldgriff erwiesen. Das anerkennt auch Team-Oldie Hannes Reichelt. "Der Max ist überraschend gleich ins Fahren gekommen", sagt er. Schließlich sei es im Skizirkus höchst selten, dass man nach einer solch sensiblen Umstellung sofort das erste Rennen gewinnt. "Hast du einen Glücksgriff, dann funktioniert die Sache. Das ist, glaube ich, auch dem Max so passiert", so Reichelt.

Siegfahrer statt Wundertüte?

Auch Herren-Rennsportleiter Andreas Puelacher hofft, dass die unsteten Jahre des Max Franz vorbei sind und er nun konstant Leistung bringt: "Vielleicht wird er von der Wundertüte zum Podestfahrer." Schließlich scheinen die Siege das Selbstvertrauen beflügelt zu haben: "Beim Max kann das jetzt sehr, sehr viel bewirken", sagte Puelacher.

Eine Wundertüte war im Vorjahr in Gröden übrigens der Bayer Josef Ferstl, der völlig überraschend den Super G gewann. Und damit die norwegische Dominanz (seit 2012 nur Siege der Norsker) durchbrach.