Mit Aleksander Aamodt Kilde hat sich ein weiterer Ski-Athlet aus Norwegen in die Siegerliste der Gröden-Abfahrt eingetragen. Der 26-Jährige gewann am Samstag überlegen vor dem Kärntner Max Franz und dem Schweizer Beat Feuz. Das Rennen musste wegen eines schweren Sturzes von Marc Gisin für rund 30 Minuten unterbrochen werden. Gisin wurde per Hubschrauber ins Spital geflogen. Über seine Verletzungen war vorerst nichts bekannt, sein Zustand soll aber stabil sein.

Für Kilde war es der dritte Sieg im Weltcup, der erste seit dem Super-G in Hinterstoder im Februar 2016. Franz (+0,86 Sekunden) und Feuz (0,92) lagen schon weit zurück, nur der viertplatzierte US-Amerikaner Bryce Bennett (0,98) blieb sonst noch unter einer Sekunde Rückstand. Super-G-Sieger Aksel Lund Svindal (1,08) kam auf den siebenten Platz, unmittelbar vor seinem Start mit der Nummer 19 war das Rennen eine halbe Stunde unterbrochen gewesen.
Grund dafür war der Sturz von Gisin. Der 30-Jährige war vor den Kamelbuckeln weggerutscht, segelte dann über die Piste und schlug schließlich mit der rechten Körperseite mit voller Wucht auf. Nachher blieb er regungslos auf der Strecke liegen, wo er erstversorgt wurde.
Laut unbestätigten Informationen wurde Gisin an Ort und Stelle intubiert. Nach einer Weile wurde er gemäß Informationen des Schweizer Verbands mit dem Helikopter direkt nach Bozen ins Spital gebracht. "Mehr geben wir jetzt nicht bekannt", sagte Sprecherin Zoe Chastan.
Gisins Schwester Michelle teilte Schweizer Journalisten indes mit, dass ihr Bruder aufgewacht und sein Zustand stabil sei. Gisin war vor im Jänner 2015 bereits in Kitzbühel schwer zu Sturz gekommen, hatte ein Schädel-Hirn-Trauma erlitten. Laut Marco Pastore, Athletenbetreuer der Airbag-Firma Dainese, trug Gisin am Samstag keinen Airbag. "Den fahren nur sehr wenige im Schweizer Team, er nicht", sagte er.

 Ergebnis rückte in den Hintergrund

Das Schweizer Ski-Team hatte vor kurzer Zeit schon ein schwerer Schicksalsschlag ereilt. Anfang November verunglückte Gian-Luca Barandun im Alter von 24 Jahren beim Paragleiten tödlich.
"Es ist immer schade, wenn so etwas passiert. Hoffentlich geht es ihm okay", wirkte Sieger Kilde im Zielraum mitgenommen. Während seiner Fahrt habe er ein "gutes Gefühl von oben bis unten" gehabt, im Ziel sei es dann noch schöner gewesen. "Normalerweise freue ich mich nicht so, aber heute musste ich das", betonte er. "Gröden ist eine coole Strecke".
Angesichts des Gisin-Sturzes rückte auch das für das rot-weiß-rote Abfahrtsteam nicht gerade erfreuliche Ergebnis in den Hintergrund. Als Lichtblick machte sich Franz bemerkbar, für den es schon der vierte Podestplatz in einem Gröden-Rennen war. "Da ändert sich gleich einmal was, wenn so etwas passiert", meinte auch der Kärntner.

Mit seiner Fahrt war er nicht zufrieden. "Die Ciaslat ist mir nicht so gut gelungen. Einfach war es heute auch nicht. Die Erwartung war von außen groß und von innen genauso. Vielleicht war es dann auch ein bisschen zu viel", sagte er über einen gewissen Druck nach Siegen in Lake Louise und Beaver Creek und nach seinen starken Gröden-Trainings.
Franz übernahm auch die Führung im Gesamtweltcup, er liegt nun sieben Punkte vor Svindal in Front. Im Abfahrts-Weltcup teilt er sich die Führung mit Feuz, beide halten bei exakt 200 Punkten.

Zweitbester ÖSV-Läufer war als Zehnter Hannes Reichelt, dem kurz vor der vierten Zwischenzeit ein Fehler unterlief. "Die Latten sind heute gegangen, das muss ich zu hundert Prozent auf meine Kappe nehmen. Sonst wäre ich heute am Stockerl gewesen", befand der 38-Jährige. Kilde hätte er aber wohl nicht gepackt. "Der hat vielleicht auch ein bisserl Windglück gehabt."
Kein weiterer Österreicher schaffte es in die Top 20. Vincent Kriechmayr belegte den 22. Platz und gab sich im Anschluss einsilbig. "Ich habe heute nichts zu sagen", meinte der Oberösterreicher. Matthias Mayer und Christian Walder stürzten ebenfalls, kamen aber glimpflich davon. Otmar Striedinger (32.), Romed Baumann (40.) und Christopher Neumayer (44.) verpassten die Punkteränge. Auch Johannes Kröll schied aus.