Gröden. (may) "Traurig und wütend, aber auch motiviert zurückzukommen." Mit dieser Twitter-Mitteilung vom Oktober 2017 meldete sich Ilka Štuhec für sehr lange Zeit von der Öffentlichkeit ab - und begann, wie so viele Leidensgenossen mit einem Kreuzbandriss in aller Stille am Comeback zu feilen. Nach einem fast kitschigen Aufstieg von der jahrelangen Platzfahrerin (mit der Mama als Servicefrau) zur plötzlichen Weltcup-Seriensiegerin und Weltmeisterin beförderte ein Trainingssturz im Pitztal die Slowenin jäh auf den Boden der Realität. Doch 14 Monate später steht die 28-Jährige wieder ganz oben - auf dem Siegstockerl eines Weltcuprennens. In der Abfahrt von Gröden feierte Štuhec am Dienstag ihren achten Weltcupsieg, 14Hundertstel vor der Wolkensteiner Lokalmatadorin Nicol Delago; den dritten Platz sicherte sich die Trainingsbeste Ramona Siebenhofer (+0,51).

Im Ziel stand Štuhec, die heuer als bestes Resultat einen zehnten Rang von Lake Louise zu Buche stehen hatte, die Freude deutlich ins Gesicht geschrieben. "Es ist ein bisschen eine Überraschung, es waren doch Passagen, die ich nicht optimal gefahren bin. Aber insgesamt hatte ich das Gefühl, dass ich schneller war als im Training am Vormittag", sagte die Slowenin. Schmerzen habe sie auf der deutlich entschärften, dennoch tückischen und welligen Saslong keine mehr verspürt: "Dem Knie geht es ausgezeichnet", versicherte sie.

Abfahrts-Gold und -Kugel

Štuhec hat heuer aufgrund ihrer Verletzung auch die Olympischen Spiele in Pyeongchang verpasst, wo sie gewiss zum Favoritenkreis gezählt hätte. Bei der WM 2017 in St. Moritz hatte sie mit Abfahrtsgold ihre tolle Saison gekrönt, die ihr sieben Einzelsiege, die kleine Kristallkugel in der Abfahrt sowie nicht minder sensationell Rang zwei im Gesamtweltcup hinter der US-Amerikanerin Mikaela Shiffrin bescherte.

Auch die ÖSV-Damen hatten am Dienstag im Schatten des mächtigen Langkofels allen Grund zum Jubeln: Siebenhofer konnte sich nach einer mehr als drei Jahre dauernden Durststrecke wieder auf dem Stockerl zurückmelden. "Ich habe abgeschwungen und war irrsinnig zufrieden, weil ich alles sehr gut erwischt habe", erklärte die 27-jährige Steirerin. "Es hat mich gefreut, dass es einmal funktioniert hat, dass im Rennen die beste Fahrt war. Die Ilka und die Nicol waren heute noch besser, aber ich freue mich auch über Platz drei." Ihr bisher einziger Stockerlplatz war der dritte Rang in der Abfahrt von Lake Louise am 4. Dezember 2015 gewesen.

Mit Mirjam Puchner als Sechster, Stephanie Venier unmittelbar dahinter und der Zehnten Nicole Schmidhofer fuhren insgesamt vier Österreicherinnen in die Top Ten. Schmidhofer verteidigte ihre Führung im Abfahrts-Weltcup damit souverän. Nadine Fest (12.), Ricarda Haaser (13.), Tamara Tippler (16.) und Christina Ager (22.) punkteten ebenfalls. Anna Veith fiel nach einem schweren Fehler letztlich auf Rang 33 zurück. Nina Ortlieb blieb bei einem Sturz unverletzt.

Auch Puchner hat eine lange Verletzungspause hinter sich: 2016 klassierte sie sich in einer Lake-Louise-Abfahrt ebenfalls auf Rang sechs, ehe sie ein Schien- und Wadenbeinbruch bei der WM in St. Moritz weit zurückwarf. Das Comeback in der Weltspitze sei "eine brutale Erleichterung", bekannte die 26-jährige Salzburgerin im Zielraum. "Mir sind fast schon ein bisschen die Tränen gekommen."

Damen-Abfahrt in Gröden:

1. Ilka Štuhec (Slo) 1:22,81

2. Nicol Delago (It)+0,14
3. Ramona Siebenhofer (Ö)+0,51
Weiters:

6. Mirjam Puchner (Ö)+0,96
7. Stephanie Venier (Ö)+1,16
10. Nicole Schmidhofer (Ö)+1,20

Super GMittwoch, 11.30 Uhr