Das neue Siegergesicht im Ski-Zirkus: an Kranjec. - © APA/BARBARA GINDL
Das neue Siegergesicht im Ski-Zirkus: an Kranjec. - © APA/BARBARA GINDL

Saalbach. (may) Dieses Siegerfoto hätte sich wohl niemand zu prognostizieren gewagt: Žan Kranjec in der Mitte, flankiert von Loic Meillard und Mathieu Faivre - also ein Premierensieger und ein Debütant auf dem Stockerl (Meillard). Und der große Meister? Marcel Hirscher kam nach Abstimmungsproblemen im ersten und schweren Fehlern im zweiten Durchgang nicht über Rang sechs hinaus. Seine jahrelangen Konkurrenten - Alexis Pinturault und Henrik Kristoffersen - taten sich als Siebenter und Achter auf dem extrem langen, aber nur mittelsteilen Kurs ebenfalls schwer, auf Zug zu kommen. Für den ÖSV endete das Ersatzrennen für Sölden mit einer herben Enttäuschung, weil Manuel Feller als Halbzeitzweiter auf dem Weg zu einer Top-Platzierung ausschied - und sich außer Hirscher nur Johannes Strolz (17.) klassieren konnte.

Siegerski versagte diesmal

Der Ärger beim Salzburger Weltcupdominator hielt sich trotz des mageren Ergebnisses just beim Heimrennen im Pinzgau in Grenzen. Wiewohl damit auch eine eindrucksvolle Riesentorlauf-Serie gerissen ist - erstmals seit 19.März 2016 in St. Moritz (Rang fünf) beziehungsweise 18 Weltcup-Rennen landete der Annaberger nicht auf dem Stockerl. "Im ersten hat der Ski zu viel gehalten und im zweiten zu wenig", resümierte Hirscher, der sich nach dem ersten Lauf bereits als Fünfter in ungewohnter Position und mit 0,71 Sekunden Rückstand auf den Schweden Matts Olsson (im Finale ausgeschieden) wiedergefunden hatte. Auch die intensive Materialtüftelei in der Pause brachte nicht den erwünschten Umschwung.

Dabei hatte er am Sonntag mit dem selben Ski in Alta Badia noch die Konkurrenz zertrümmert - was ihn im Ziel sogar leicht schmunzeln ließ: "Natürlich wäre mir lieber, wenn es so fesch weitergegangen wäre. Man sieht, wie verdammt schnell man von Hero zu Zero kommt." Gerade im zweiten Lauf wandelte er drei Mal entlang eines Ausfalls. "Da habe ich mir gesagt, wenn ich das jetzt ins Ziel schaffe, dann ist das echt eine Leistung heute", so der 29-Jährige, der sich sogar noch irgendwie zufrieden zeigte. "Der sechste Platz ist voll die Schadensbegrenzung. Das Set-up funktioniert sehr oft sehr gut, aber man sieht, es muss halt alles zusammenpassen. Also entweder ich habe das Skifahren in zwei Tagen verlernt, oder was anderes passt nicht."

Feller haderte mit Stein

Deutlich enttäuschter wirkte indes Feller, dem es kurz vor dem Ziel die Bindung aufschlug. Doch das Malheur begann schon weiter oben, als er einen Stein erwischte: "Da war mein Rennen vorbei. Danach war es nur noch eine Frage der Zeit, bis ich auf der Pappen liege, denn ich habe keinen Rechtsschwung mehr auf Zug gebracht." ÖSV-Rennchef Andreas Puelacher war vom Ergebnis vor Heimpublikum alles andere als angetan: "Allgemein ist das enttäuschend, es ist sehr vieles daneben gegangen. Teilweise war ich von der Fahrerei nicht zufrieden, auf der anderen Seite haben wir Pech gehabt mit dem kaputten Ski von Manuel."

Die wenigsten Probleme mit der teilweise gebrochenen Piste am Zwölferkogel, wo am Donnerstag (10/13 Uhr, ORFeins) ein Slalom folgt, hatte der Sensationssieger aus Slowenien, der für sein Land den ersten Herren-Riesentorlauf überhaupt gewann. "Das ist wunderbar, für solche Momente arbeitet man. Das ist ein historischer Moment für Slowenien", meinte der 26-jährige Kranjec.