Saalbach. (may) Der 100. in Österreich ausgetragene Weltcup-Slalom schrieb ein Kapitel rot-weiß-rote Ski-Historie: Marcel Hirschers Sieg am Donnerstag im überaus schwierigen Torlauf von Saalbach-Hinterglemm war nicht nur sein erster in der Salzburger Heimat, sondern auch sein 63.Erfolg in zwölf Jahren alpiner Ski-Weltcup - weshalb er nun auch auf dem Papier die rot-weiß-rote Nummer eins in der Weltcup-Geschichte ist. Landsfrau Annemarie Moser-Pröll, jahrzehntelang mit 62 Siegen die Spitzenreiterin hierzulande sowie bei den Damen generell, freute sich im Zielraum mit dem 29-Jährigen mit. Und zeigte sich sicher, dass Hirscher auch den absoluten Rekord von Ingemar Stenmark (86Titel), den auch Lindsey Vonn (82) im Visier hat, packen könnte. Doch der Neo-Vater blockte umgehend ab: "Der 63er ist eine großartige Geschichte. Auf mich warten aber wirklich andere Aufgaben als Rekorde."

Der 63. Sieg war schon ein hartes Stück Arbeit - vor allem aufgrund der extrem aufgeweichten und im zweiten Lauf für die Spitzenläufer fast unfahrbaren Piste. Seine persönliche Verunsicherung nach Rang sechs (und falscher Materialwahl) am Vortag überwand er mit klarer Laufbestzeit im ersten Durchgang. "Skifahren wieder gelernt", scherzte Hirscher gewohnt extradry beim Fernsehinterview zur Pause. Da ahnte man freilich schon, dass die Piste ob der immer höher werdenden Temperaturen am Nachmittag zum Problem werden könnte, schließlich reichten 5,3 Sekunden Rückstand zur Qualifikation für das Finale - so etwas gab es seit 1995 nicht mehr.

Als dann Läufer für Läufer hinter dem nach Durchgang eins nur zwölftplatzierten Schweizer Loic Meillard blieb - inklusive Manuel Feller (letztlich Platz 4) und Michael Matt (5.) - trug wieder einmal einer alle rot-weiß-roten Hoffnungen auf einen Heimsieg. Und Hirscher tat wohl, rettete mit aller Mühe von seinen 2,13Sekunden Vorsprung 38 Hundertstel ins Ziel - wobei seine 22. Laufzeit (+3,36) alles über die schwierigen Bedingungen im Finish mit jeder Menge Löcher im gesalzenen Schnee sagte. "Es war am Limit, knapp an der Fahrbarkeit", ergänzte der Rekordsieger. 10.000 begeisterte Fans am Fuße des Zwölferkogels jubelten enthusiastisch, schließlich wird der Ski-Gigant in seiner Heimat eher nicht mehr siegend zu bewundern sein können.

"Wie Schachspielen"

"Zum Schluss war es wie Schachspielen. Oben habe ich versucht, so gut es geht innen in die Spur zu kommen. Im Zielhang habe ich nur geschaut, dass ich durchkomme", bekannte Hirscher, der es nicht ganz so negativ wie sein Widersacher Henrik Kristoffersen (Dritter/+0,47) sah, der von den schlimmsten Verhältnissen je im Weltcup sprach. Auch über den ersten Sieg auf Salzburger Boden frohlockte der Annaberger: "Das ist schon gewaltig."

Ebenfalls positiv endeten die Rennen für Feller nach dessen unglücklichem Aus im Riesentorlauf - wiewohl nach Lauf eins 2,75 Sekunden Rückstand aufleuchteten: "Aber der zweite Lauf war definitiv okay", so der Fieberbrunner.

Herren-Slalom in Saalbach:

1. Marcel Hirscher (Ö) 1:54,98
2. Loic Meillard (Sz)+0,38
3. Henrik Kristoffersen (Nor)+0,47
4. Manuel Feller (Ö)+0,66
5. Michael Matt (Ö)+0,78
Weiters:
9. Marco Schwarz (Ö) +1,02

Slalom in Madonna
Samstag, 15.45/18.45 Uhr