Bormio. (art/apa) Vor eineinhalb Jahren dachte er noch eher ans Aufhören denn ans Weitermachen, nun hat Daniel Hemetsberger mit zwei Top-Platzierungen im Training für die Weltcup-Abfahrt in Bormio am Freitag (11.30 Uhr) auf sich aufmerksam gemacht. Nach dem zweiten Rang am Mittwoch - allerdings wie der Schnellste Christof Innerhofer und einige andere Topfahrer auch mit Torfehler - legte der Oberösterreicher am Donnerstag mit Platz drei hinter Vincent Kriechmayr und Aleksander Kilde nach. Matthias Mayer und Hannes Reichelt komplettierten als Fünfter und Sechster das starke rot-weiß-rote Ergebnis.

Die größte Überraschung aber freilich war Hemetsberger, der im Alter von 27 Jahren nun nach Erfolgen im Europacup seine zweite Weltcup-Abfahrt nach Kitzbühel 2018 bestreiten wird. Nach dem - laut eigenen Angaben - Abtasten am Vortag traute sich der Oberösterreicher auf der heuer wieder besonders giftigen Stelvio schon mehr zu. Eine Schrecksekunde kurz vor dem Ziel überstand er ohne Folgen. "Trotz geringer Restkraft in den Oberschenkeln habe ich viel riskiert", sagte Hemetsberger, der sich mit seinen zwei Topzeiten neben Otmar Striedinger in der internen Qualifikation gegen Romed Baumann und Daniel Danklmaier durchsetzte. Der Sieg wird freilich über einen der Routiniers führen; Kriechmayr hat sich dafür mit den Trainingsplatzierungen fünf am Mittwoch und eins am Donnerstag in Stellung gebracht. Überbewerten will der Oberösterreicher das aber nicht, schließlich haben viele der Topfahrer noch nicht alles gezeigt. Innerhofer bluffte und kam nicht in die Wertung ("Ich habe versucht, Kraft zu sparen"), auch Max Franz ging es gemütlich an. Und Aksel Lund Svindal ließ das Training überhaupt gleich aus, um das lädierte Knie zu schonen, das auf der anspruchsvollen und ruppigen Piste besonders strapaziert wird.

Gute Bilanz

Dennoch äußerten sich die Topfahrer zufrieden über die Bedingungen. Reichelt, hier schon Abfahrtssieger 2012, meinte: "Das ist wieder die Stelvio, die man aus früheren Zeiten kennt - spektakulär. Wenn die Piste unruhig ist, ist sie eben unruhig, aber sie ist definitiv fahrbar", meinte der 38-jährige Salzburger. Einig sind sich die Athleten, was die Herangehensweise betrifft: "Man muss entschlossen herunterfahren und darf sich von der Piste nicht schlagen lassen", meinte etwa Kriechmayr. "Linienpicken ist nicht gefragt. Man muss frech sein", bekräftigte auch Franz.

Die Österreicher sind jedenfalls zuversichtlich, die eindrucksvolle Bilanz auf der Stelvio weiter aufzubessern. Seit 1993 gab es hier in 21 Abfahrten 13 Siege, acht Mal einen Mehrfach-Triumph mit dem Höhepunkt 1998, als Hermann Maier einen Sechsfach-Triumph anführte.