Semmering. (art) Ein Siegerinnenbild ohne Mikaela Shiffrin, das hat im alpinen Skiweltcup der Damen Seltenheitswert. Doch anstatt ihren 51. Weltcupsieg beziehungsweise ihren 71. Stockerlplatz zu feiern, landete die US-Amerikanerin im Riesentorlauf am Semmering auf dem fünften Rang - nicht nur geschlagen von der Slowakin Petra Vlhová, sondern unter anderem auch von Stephanie Brunner, die als Vierte das Stockerl bei dem Heimrennen nur knapp verpasste. Shiffrin, die nach der Halbzeit noch knapp in Führung gelegen war, hat freilich am Samstag alle Chancen, ihre Rekordjagd fortzusetzen. Schließlich ist der Slalom, mit der die Rennen vor den Toren Wiens abgeschlossen werden (10.30 Uhr und 13.30 Uhr), ehe es für Damen und Herren am Dienstag zum City-Event nach Oslo geht (16.30 Uhr), jene Disziplin, in der sie bisher die meisten ihrer Erfolge gefeiert hatte.

Vlhová debütierte am Semmering

Dasselbe gilt allerdings auch für Vlhová. Vier Siege konnte die wie Shiffrin 23-Jährige, die genau an diesem Samstag vor sechs Jahren bei ihrer Weltcuppremiere am Semmering mit Rang elf überrascht hatte, bisher in ihrer Karriere feiern - allesamt im Slalom, in dem sie auch schon bei den Olympischen Jugendspielen 2012 in Innsbruck und den Junioren-Weltmeisterschaften 2014 zum Sieg gebraust war. Im Riesentorlauf war ihr bestes Ergebnis bisher ein siebenter Platz.

Dementsprechend groß war am Freitag die Freude der Slowakin, die sich mit Rang vier nach dem ersten Durchgang in einem Hundertstelkrimi eine gute Ausgangslage geschaffen hatte. "Der erste Lauf war schon sehr gut, vor dem zweiten habe ich mir dann gedacht: ,Jetzt ist meine Zeit, jetzt muss ich Vollgas geben.‘ Als im Ziel dann der Einser aufgeleuchtet hat, habe ich mir gedacht, vielleicht reicht das ja fürs Stockerl, an den Sieg habe ich zuerst nicht gedacht. Erst als Mikaela bei den Zwischenzeiten verloren hat, habe ich gedacht: ,Es ist ein guter Tag‘." Ein Tag, auf den sie allerdings lange warten musste: Dreimal musste sie sich zuletzt im Slalom nur einer scheinbar übermächtigen Shiffrin geschlagen geben. Dass auch die Gesamtweltcupsiegerin schlagbar ist, war eine der Erkenntnisse aus dem ersten Semmering-Rennen dieses Jahres; dass die Österreicherinnen in dieser Disziplin mittlerweile (wieder) mehrere Spitzenläuferinnen haben, eine zweite.

Spieß umdrehen als Ziel

Denn neben Brunner, die trotz ihrer erst kürzlich erfolgten Rückkehr nach einem Kreuzbandriss die beste Saison ihrer Karriere absolviert, platzierten sich auch Ricarda Haaser als Siebente und Anna Veith als Achte in den Top Ten. "Der erste Lauf war echt gut, im zweiten habe ich mir mit dem Radius ein bisschen schwerergetan. Aber es ist okay, und es macht wieder Spaß", meinte Veith im ORF-Interview.

Katharina Liensberger und Bernadette Schild landeten auf den Rängen 13 und 14, für sie gilt es im Slalom, ihrer stärkeren Disziplin, anzugreifen. Schild hat heuer schon in Levi als Dritte - hinter Shiffrin und Vlhová - und zuletzt auch als Halbzeitdritte in Courchevel - in derselben Reihenfolge - aufgezeigt, konnte aber nach einem Einfädler im zweiten Durchgang nicht mehr ins Rennen um den Sieg eingreifen. Doch immerhin, der Riesentorlauf am Freitag lieferte den Beweis, wie sich die Dinge drehen können.