Innsbruck. (rel) Die Welt von gestern gibt es im Skispringen schon länger nicht mehr. Die Stars von einst - Gregor Schlierenzauer, Severin Freund, Domen Prevc - sind bereits verglüht, weitere, wie zum Beispiel das glücklose ÖSV-Team rund um Stefan Kraft, drohen ihrem Beispiel zu folgen. Dafür sind am Schanzenhimmel einige neue Sterne aufgetaucht, wobei der aus dem Osten aktuell am hellsten zu strahlen scheint: Ryoyu Kobayashi heißt jener Japaner, der derzeit nicht nur die Gesamtwertung anführt, sondern auch bei der Vierschanzentournee der Konkurrenz regelrecht davonsegelt. Seine jüngsten Triumphe in Oberstdorf und Garmisch-Partenkirchen erinnern an die Zeit der großen Skispringerhelden aus Nippon, Kazuyoshi Funaki oder "Nestor" Noriaki Kasai, der mit seinen 46 Lenzen nach wie vor im Weltcup mitmischt. Sechs von neun Springen hat Kobayashi in dieser Saison bereits gewonnen. Das hat den 22-jährigen nicht nur zum beliebten Interviewpartner, der allerdings eines Japanisch-Dolmetschers bedarf, sondern auch zum Gejagten gemacht. Dem Asiaten dicht auf den Fersen, zumindest bei dieser Tournee, ist der eigentliche Shootingstar dieser Tage, der Deutsche Markus Eisenbichler. Im Weltcup war der 27-Jährige aus Siegsdorf bisher noch nie über einen achten Rang hinausgekommen, nun wird er, nach zwei zweiten Plätzen in Oberstdorf und Garmisch, sogar als Anwärter auf den Tourneesieg gehandelt. "Kobayashi ist momentan der Beste", meinte etwa Eisenbichlers Trainer Werner Schuster. "Aber wir sind nah dran."

Auf Thomas Dietharts Spuren

Tatsächlich ist Kobayashi nicht so unbesiegbar, wie es die Resultate auf den ersten Blick vermuten lassen. In Oberstdorf wie Garmisch leistete sich der Japaner im zweiten Durchgang kleine Fehler und lag so immer nur mit minimalem Vorsprung vor Eisenbichler. Derzeit liegen zwischen beiden in der Tourneewertung 2,3 Punkte, zum Drittgereihten Dawid Kubacki (Polen) sind es bereits 20 Zähler. Für das Sprungturnier, das am Freitag in Innsbruck in die dritte Runde geht (14 Uhr/ORFeins), ist dieser Zweikampf, der sich hier abzeichnet, freilich ein Segen. Die Szene erinnert ein wenig an die Tournee 2013/14, als Thomas Diethart, der wie Eisenbichler davor im Weltcup nie reüssiert hatte, plötzlich mit der Selbstverständlichkeit eines Olympiasiegers sprang - und den Titel holte.

Für Eisenbichler muss das Motto daher heißen, so weiterzuspringen wie bisher. "Jetzt etwas zu ändern, wäre der größte Fehler", erklärte er. Das gilt freilich auch für Kobyashi, den neuen Morgenstern am Schanzenhimmel.