Bern. (may) Schladming, Val d’Isère, Alta Badia: Wer kennt sie nicht, die im Jahresrhythmus immer wieder verkündeten Lieblingsorte von Marcel Hirscher? In Ersterem findet alljährlich sein Heimrennen beim Nachtslalom statt, außerdem fuhr er dort bei der WM 2013 seinen größten Sieg ein; in den französischen Alpen hat er einst seine ersten Siege in Slalom und Riesentorlauf geschafft, zudem liebt er das steile Gelände der Face de Bellevard über alles; und auf der Gran Risa hat er kürzlich mit seinem sechsten Erfolg en suite neue Maßstäbe gesetzt. Aber punkto Weltcupsiege war Hirscher bis vor Saisonstart in einem Ort erfolgreicher als in allen drei genannten - in Adelboden. Denn auf dem Chuenisbärgli hat der 29-Jährige bereits sieben Mal triumphiert, womit er am Samstag im Riesentorlauf und am Sonntag im Slalom (jeweils 10.30/13.30 Uhr, ORFeins) wieder einmal die Chance auf einen neuen Rekord hat.

Erstmals "Alle neune" möglich

Die bisherige Bestmarke liegt bei acht Erfolgen an einem Weltcup-Schauplatz - gehalten vom legendären Schweden Ingemar Stenmark (in Madonna di Campiglio) und dem Norweger Aksel Lund Svindal (Lake Louise). Rechnet man Hirschers Sieg im Dezember im Parallel-Rennen von Alta Badia hinzu, hält er ebendort auch bei acht Siegen. Alle neune hat aber noch kein Athlet vor ihm geschafft. Den Riesentorlauf-Klassiker auf dem Chuenisbärgli hat er drei Mal (2012, 2015, 2018), den Slalom vier Mal (2012, 2013, 2014 und 2018) für sich entschieden - zwei Mal gelang ihm im Berner Oberland also das Double.

"Adelboden hat einen besonderen Charme. Du fühlst dich, als würdest du in ein Fußballstadion fahren", pflegt der siebenfache Gesamtweltcupsieger immer wieder zu sagen. Zumal er sein Können auf dem Zielhang - mit einer Hangneigung von 60 Prozent die Schlüsselstelle des Kurses sowie eine der schwierigsten Passagen im Weltcup überhaupt - auszuspielen weiß. Vor sechs Jahren wurde er ebendort aber auch Opfer der enormen Fliehkräfte - was bei ihm eher selten vorkommt: Den sicheren Sieg vor Augen nahm er vor dem rot-weißen Fahnenmeer zu viel Risiko und landete letztlich, sich akrobatisch gegen den Ausfall stemmend, nur auf Rang 16.

Da der Salzburger den 1430 Meter langen Kurs wie seine Westentasche kennt, konnte er die Hangbefahrung am Freitag auslassen und etwas später aus dem Lammertal, wo etliche Lifte wegen der hohen Lawinengefahr seit Tagen gesperrt sind, anreisen. Auch im Berner Oberland fiel meterhoch Schnee, weshalb mehr als 100 Arbeiter in Tag- und Nachtschichten um die 63. Adelbodner Skitage kämpften - mit Erfolg. Denn anders als in den beiden vorangegangenen Jahren, als den Organisatoren heftiger Regen zu schaffen machte und 2016 der Riesentorlauf sogar abgesagt werden musste, präsentiert sich das Chuenisbärgli am Freitag perfekt präpariert. "Wir sind parat für ein Hammer-Rennen am Samstag", erklärte Rennchef Hans Pieren.

Außer Hirscher profitierte übrigens auch Manuel Feller von der Disqualifikation des Deutschen Stefan Luitz in Beaver Creek: Der Tiroler rutschte dadurch in die erste Gruppe und darf daher am Samstag mit einer günstigeren Nummer starten. Die anderen ÖSV-Starter - Stefan Brennsteiner, Philipp Schörghofer, Johannes Strolz, Roland Leitinger und Marco Schwarz - können sich bei der vorletzten Chance mit guten Leistungen für die drei restlichen WM-Riesentorlauf-Startplätze empfehlen.