Kronplatz. Nach dem Horror-Wochenende mit den Verletzungen von Stephanie Brunner und Anna Veith gehen die ÖSV-Damen mit klar reduzierten Erwartungen in den Riesentorlauf am Kronplatz (Dienstag, 10/13 Uhr, ORFeins). Während US-Star Mikaela Shiffrin im Top-Duell mit Petra Vlhová und Viktoria Rebensburg den zehnten Saisonsieg anpeilt, muss der ÖSV die beiden Besten vorgeben. Veith machte aber Mut. "Weiterkämpfen", richtete sie aus der Klinik aus.

Damenchef Jürgen Kriechbaum hat Veith und Brunner am Tag vor dem Rennen in Hochrum besucht, wo die beiden am Wochenende nach ihren schweren Trainings-Verletzungen operiert worden sind. Das "Weiterkämpfen" gelte aus seiner Sicht auch für Veith, betonte Kriechbaum. "Bei vielen sind Verletzungen kein Grund, aufzuhören", so der Coach, der hofft, dass die 29-Jährige wiederkommt. "Anna ist noch in keinem Alter, in dem man unbedingt aufhören muss. Ich bin sicher, sie wird alle Kraft in die Rehab stecken", sagte Kriechbaum. Klar ist aber, dass sein Riesentorlauf-Team schon wieder heftig zurückgeworfen worden ist. "Unsere Zielsetzungen sind mit einem Schlag über den Haufen geworfen worden." Das einstige Vorzeigeteam war nach den schweren Verletzungen von Weltmeisterin Veith (2015) und Disziplinen-Weltcupsiegerin Eva-Maria Brem (2016) auf gutem Weg zurück gewesen. Brem ist aber nach wie vor außer Form, und die im Aufwind befindliche Veith (zuletzt drei Top-Ten-Plätze) fällt nun für den Rest der Saison ebenso aus wie die junge Brunner (23), die am Saisonbeginn trotz gerade überstandenem Kreuzbandriss als Dritte in Killington ihr erstes Riesentorlauf-Stockerl geholt hatte.

"Wir waren auf dem Weg, wieder zu mannschaftlicher Dichte zu kommen. Wenn dann die beiden Topfahrerinnen ausfallen und die Hälfte des WM-Kontingents weg ist, ist das schon extrem bitter", sagte Kriechbaum. Waren zuletzt am Semmering noch zehn ÖSV-Damen am Start, sind es nun in Südtirol nur noch sieben. Neben Veith und Brunner fehlt nämlich auch Stephanie Resch wegen ihrer anhaltenden Schienbein-Probleme. Mit Veith und Brunner muss man die in der Weltcup-Startliste auf den Plätzen 6 beziehungsweise 9 liegenden ÖSV-Damen vorgeben. Nächstbeste ist mit Katharina Liensberger (12.) schon eine Slalom-Spezialistin.

Hirschers neue Bestmarke

Ganz anders die Situation bei den Herren, wo Marcel Hirscher weiter von Sieg zu Sieg eilt: Mit 976 Zählern hat der Annaberger nach dem Adelboden-Double die magische 1000er-Grenze nur knapp noch nicht geknackt. Aber noch nie hatte Hirscher so früh in der Saison so einen hohen Punktestand. Und noch nie hielt er vor den Lauberhorn-Rennen in Wengen bei neun Siegen. Der siebenfache Gesamtweltcupsieger im alpinen Skisport ist damit auf dem besten Weg, eine neue Saisonbestleistung aufzustellen. Die stammt mit 1795 Punkten allerdings aus der Saison 2015/16, als es mangels WM und Olympia mehr Rennen gab.

In Adelboden hält Hirscher damit nun schon bei neun Siegen, was noch kein anderer Rennläufer an einem Weltcuport geschafft hat. "Jedes Rennen hat seine eigene Geschichte. Man kann in Adelboden schon viele Geschichten finden. Mir taugt, dass ich hier mein erstes Top-Ten-Ergebnis überhaupt eingefahren habe, ab da ist eine Erfolgsgeschichte losgegangen", sagte der 29-Jährige, der sich mittlerweile in der glücklichen Lage sieht, an fast jedem Ort eine solch gute Geschichte erzählen zu dürfen. Hirscher hat am Wochenende die Siege in Riesentorlauf und Slalom jeweils erst mit famoser Laufbestzeit im zweiten Durchgang fixiert.