Cortina/Wengen. (may) So etwas gibt es selbst im erfolgsverwöhnten österreichischen Skiverband nicht alle Tage: Zwei Weltcuperfolge bei Damen und Herren binnen wenigen Stunden - und das durch Athleten, die man durchaus als Überraschungssieger titulieren darf. Genau das ist am Freitag bei der Damen-Abfahrt in Cortina in Person von Ramona Siebenhofer und kurz darauf bei der Herren-Kombination in Wengen durch Marco Schwarz passiert. Für die Steirerin war es der erste Weltcuptriumph überhaupt, für den Kärntner der erste in der Kombination und der zweite insgesamt nach dem Sieg beim City-Event in Oslo. Und keine drei Wochen vor der WM in Aare gab es auch zwei tolle mannschaftliche Erfolge für Österreich.

Im traditionsreichen Skiort in den Dolomiten schien das Rennen eigentlich schon gelaufen - Weltmeisterin Ilka Štuhec führte knapp vor der Tirolerin Stephanie Venier. Lindsey Vonn war bei ihrem Comeback inklusive Teil eins des Angriffs auf den Weltcuprekord von Ingemar Stenmark auch schon klar gescheitert (Endrang 15/+1,19 Sekunden). Doch dann kam mit Nummer 17 die 27-jährige Steirerin, die 111Weltcuprennen - und diese mitunter recht enttäuschend - bestreiten musste, um erstmals am Ende ganz oben zu stehen. Nach einem kleinen Missgeschick am Start ("Das war auch ein bisschen ein Weckruf") fuhr Siebenhofer vor allem im Schlussteil der Tofana der Konkurrenz auf und davon. "Es ist cool, abzuschwingen und es leuchtet Grün auf. Es ist irrsinnig cool, wenn man das erreicht, was man sich vorgenommen hat", sagte sie im Ziel mit der Sonne um die Wette strahlend.

. . . Marco Schwarz in Wengen. - © reuters
. . . Marco Schwarz in Wengen. - © reuters

Tatsächlich hat sie nach Jahren mit äußerst schwankenden Leistungen in diesem Winter so richtig den Anschluss an die Spitze gefunden. Zuletzt war sie in der Gröden-Abfahrt schon aufs Stockerl gefahren - zum erst zweiten Mal nach 2015. "Es ist sehr konstant geworden, und ich habe bei den Rennen meine Bestleistungen abrufen können. Früher war ich zu nervös, aber zählen tut es im Rennen. Das Einklemmen und das Nach-vorne-Gas-Geben und das Andrücken ist das Entscheidende bei mir", sprach sie.

Im Ersatzrennen für St. Anton klassierten sich außer Siebenhofer und Venier noch Tamara Tippler (7.) und Cornelia Hütter (9.) in den Top Ten. Die Steirerin erwartet sich nach dem Comeback bald eine weitere Steigerung: "Ich habe den Zug am Ski nicht so gehabt. Ich glaube, dass das in den nächsten Wochen wieder besser ist." Vielleicht auch schon in der Abfahrt am Samstag oder im Super G am Sonntag.

"Hatte Rakete an den Skiern"

Nicht minder überraschend war das Siegerbild in der Herren-Kombination am Lauberhorn - zumindest in dieser Reihenfolge. Denn dass der in Hochform befindliche 23-jährige Kärntner in Wengen die Franzosen Victor Muffat-Jeandet und Alexis Pinturault fordern kann, hatte man erhofft; dass er die Halbzeitführung im Slalom auch über Hundschopf, Kernen-S und Österreicher-Loch angesichts eines nicht allzu großen Vorsprungs auf die beiden (0,20 beziehungsweise 0,87) ins Ziel bringt, aber eher weniger. Zumal Schwarz zuletzt zwei Mal im zweiten Durchgang Nerven bewiesen hatte und sowohl in Zagreb als auch in Adelboden als Pausenführender einfädelte - freilich im Slalom. Letztlich riskierte er in der Abfahrt viel und profitierte in den flachen Riesentorlauf-Passagen von seiner Technik - weshalb er am Ende über 42 Hundertstel Vorsprung auf Muffat-Jeandet jubeln durfte. Es ist der erste österreichische Kombinationssieg seit sieben Jahren - damals gewann Romed Baumann in Chamonix. Jener Baumann, der nicht minder überraschend in Wengen mit Rang fünf ein kräftiges Lebenszeichen von sich gab und sich für die WM empfahl; Vincent Kriechmayr als Neunter rundete den mannschaftlichen Erfolg ab.

"Ich habe mich gescheit reingehaut - und es hat sich ausgezahlt. Ich habe relativ viel riskiert. Zum Glück ist es aufgegangen", bekannte Schwarz, der sich bereits auf Rang sechs im Gesamtweltcup vorgeschoben hat. Die Lauberhorn-Abfahrt - am Samstag (12.30 Uhr) steigt der Klassiker von ganz oben - imponierte ihm jedenfalls. "Die Piste war gewaltig beieinander. Ich habe eine gescheite Rakete an den Skiern angehabt." Am Sonntag zählt Schwarz klarerweise auch im Slalom zu den Mitfavoriten - wenn er es denn schafft, zwei Mal durchzukommen.

Damen-Abfahrt in Cortina:

1. Ramona Siebenhofer (Ö) 1:15,44
2. Ilka Štuhec (Slo)+0,40
3. Stephanie Venier (Ö)+0,46

AbfahrtSamstag, 10.30 Uhr
Super G Sonntag, 11.15 Uhr

Herren-Kombination in Wengen:

1. Marco Schwarz (Ö) 2:36.92
2. Victor Muffat-Jeandet (Fr)+0,42
3. Alexis Pinturault (Fr)+1.12

Abfahrt Samstag, 12.30 Uhr
SlalomSonntag, 10.15/13.15 Uhr