Kitzbühel. (may) Die 79. Hahnenkammrennen beginnen gleich mit der Königsdisziplin, der Abfahrt: So das Wetter am Freitag mitspielt, startet das Spektakel vom Originalstart der Streif um 11.30Uhr (ORFeins) - schuld an der überraschenden Programmänderung sind die ungünstigen Wetterprognosen. Denn just zum Höhepunkt der Kitzbühel-Rennwoche sollen sich am Samstag in der Gamsstadt Schneefall und sogar Regen einstellen. Daher entschieden die Veranstalter am Donnerstag kurzerhand, Abfahrt und Slalom um je einen Tag vorzuverlegen und den traditionell für Freitag angesetzten Super G erst am Sonntag auszutragen. "Laut Wetterprognosen ist am Samstag ziemlich starker Niederschlag zu erwarten, deshalb ist an ein Abfahrtsrennen nicht zu denken", erklärte FIS-Renndirektor Markus Waldner.

Damit geht es auch für die rot-weiß-rote Abfahrer-Equipe, die in Kitzbühel ohnedies unter Erfolgsdruck steht, gleich voll los. Denn die Regel, wonach Heimsiege oft die schwierigsten Siege sind, trifft auf das erfolgreiche ÖSV-Vierergespann Hannes Reichelt, Matthias Mayer, Max Franz und Vincent Kriechmayr ganz besonders zu. Ausgerechnet auf der größten Bühne im Alpinsport, wo deren Vorgänger im ÖSV-Rennanzug serienweise Triumphe einfuhren - von Franz Klammer über Fritz Strobl bis zu Hermann Maier und Stephan Eberharter - tun sich die aktuellen Aushängeschilder in Abfahrt und Super G extrem schwer mit Heimerfolgen. Lediglich Reichelt anno 2014 in der Abfahrt und Mayer 2017 im SuperG konnten in den vergangenen Jahren der zugegeben enormen Erwartungshaltung standhalten und gewinnen - womit es heuer die nächsten Chancen gibt, die vielen offenen Rechnungen mit dem Hahnenkamm zu begleichen.

Reichelt etwa hat vor fünf Jahren einen seiner schönsten - und schmerzhaftesten - Siege (da mit Bandscheibenvorfall unterwegs) eingefahren; vor drei Jahren auf der Streif aber auch mit seinem Abflug am Hausberg eine ganz bittere Stunde erlebt. Schließlich galt er als Topfavorit auf den Sieg, landete dann aber im Netz (und später im Spital, wo glücklicherweise nur eine Knieprellung diagnostiziert wurde). In seiner eigentlichen Paradedisziplin SuperG hat es der Salzburger in bisher 13Versuchen aber nur zwei Mal auf Rang drei geschafft - zuletzt 2016. Symptomatisch war der Super-G-Auftritt vor zwei Jahren, als der Routinier zu viel Risiko nahm, Fehler einbaute, um dann auch noch auszuscheiden. Und heuer? Gilt der 38-Jährige spätestens nach seiner Bestzeit im Abschlusstraining am Donnerstag wieder als einer der Mitfavoriten auf die goldene Gams. "Ein bisschen Selbstvertrauen schadet natürlich nicht nach den letzten Rennen", so Reichelt, der die Italiener Matteo Marsaglia (+0,23) und Dominik Paris (+0,36) knapp hinter sich ließ.