Kitzbühel. (may) Dass die härteste Abfahrt der Welt eine ständige Gratwanderung ist, ist hinlänglich bekannt. Wie knapp auf der Kitzbühler Streif aber Sieg und Niederlage, Spitzenergebnis und schwere Verletzung oder schlicht nur Glück und Pech beisammen liegen, wurde selten so offenkundig wie beim wetterbedingt vorgezogenen Abfahrtsspektakel am Freitag. Während die mitfavorisierten ÖSV-Asse mit schwerer Verletzung (Max Franz) ausschieden beziehungsweise knapp an einem heftigen Sturz vorbeischrammten (Vincent Kriechmayr) sowie vom Wetter benachteiligt unter den Erwartungen blieben (Hannes Reichelt und Matthias Mayer auf den Rängen 8 und 9), retteten zwei ÖSV-Abfahrer, die bis vor kurzem noch niemand auf der Rechnung hatte, mit hohen Startnummern und bei Sonnenschein die rot-weiß-rote Ski-Ehre. Otmar Striedinger sorgte als Dritter sensationell für einen Stockerlplatz, nicht minder sensationell war Rang fünf von Europacupfahrer Daniel Danklmaier. Am dritten Streif-Sieg des Südtirolers Dominik Paris (vor Weltmeister Beat Feuz) konnten aber auch sie nicht mehr rütteln.

Der 29-jährige Jungvater aus dem Ultental jagt damit nach seinen Erfolgen in den Jahren 2013 und 2017 die Streif-Rekordsieger Franz Klammer und Didier Cuche, die je vier Mal den Abfahrts-Klassiker schlechthin gewonnen haben (Cuche siegte zudem einmal in einer Sprint-Abfahrt in zwei Läufen). Mit Nummer 13 fing Paris noch den klar führenden Feuz, der seinerseits einen Traumlauf vom Hahnenkamm hingelegt hatte, ab und distanzierte ihn um 20Hundertstelsekunden. Zu diesem Zeitpunkt waren bereits alle österreichischen Mitfavoriten geschlagen: 2014-Sieger Reichelt konnte nach dem nächtlichen Schneefall mit der ungünstigen Nummer eins erwartungsgemäß nicht mit den Besten mithalten, als Achter (+1,11) betrieb er immerhin so wie Doppelolympiasieger Mayer (+1,17), der mit Startnummer drei ebenfalls chancenlos war, Schadensbegrenzung.

Fersenbeinbruch von Franz

Dankl - maier jubelt. - © APA/HERBERT NEUBAUER
Dankl - maier jubelt. - © APA/HERBERT NEUBAUER

Wengen-Sieger Kriechmayr indes wurde Opfer seines Draufgängertums, als er in der Mausefalle die Balance verlor, auf einem Ski landete und nach einem Bremsmanöver das Rennen zunächst fortsetzen konnte - doch auf dem Weg zu einem Top-15-Platz hasardierte er in der Querfahrt vor dem Ziel noch einmal und wäre beinahe im Netz gelandet. Danach überwog die Enttäuschung: "Gesund im Ziel zu sein, ist mir zu wenig", sagte der Mühlviertler.

Auch Franz erwischte es kurz darauf gleich nach der Mausefalle, als er einen schweren Schlag erwischte und seine Fahrt abbrechen musste. Später stellte sich heraus, dass der Kärntner einen Fersenbeinbruch erlitt und damit auch für die WM in Aare ausfällt.