Kitzbühel. Selten hat ein Sport-Superstar so schön seinen Rücktritt erklärt. Und das auch noch an einem so geschichtsträchtigen Ort wie Kitzbühel. Im Smoking teilte der Norweger Aksel Lund Svindal am späten Samstagabend auf der elitären "KitzRaceParty" mit, dass die Rennen bei den alpinen Ski-Weltmeisterschaften in Aare seine letzten sein werden. Ein Abfahrtsieg auf der Streif blieb ihm verwehrt.

Svindal kämpft seit seinem Horrorsturz 2016 in der Kitzbühel-Abfahrt mit den Folgen der schweren Knieverletzung. - © APAweb, Herbert Neubauer
Svindal kämpft seit seinem Horrorsturz 2016 in der Kitzbühel-Abfahrt mit den Folgen der schweren Knieverletzung. - © APAweb, Herbert Neubauer

Svindal hatte bereits vergangenen Sommer länger überlegt, ob er seine Karriere fortsetzen soll, aber der zweifache Olympiasieger fühlte sich noch nicht bereit. "Ich will hundertprozentig wissen, dass das die richtige Entscheidung ist", hatte der stets faire Sportsmann, der skandalfrei durch seine Karriere schritt und dennoch tiefe Spuren hinterließ, beim Saisonauftakt in Sölden besonnen gemeint. Er war nie ein Mann der lauten Worte, aber einer der viel zu sagen hatte und den Skisport prägte wie kaum ein anderer.

Nun ist er sich also sicher, die Entscheidung habe er diese Woche schrittweise getroffen, weil es nicht so gelaufen war. Nach dem ersten Abfahrtstraining auf der Streif war Schluss für ihn, das Knie hatte unter der schlagigen Eispiste gelitten. "Ich bin happy, dass es jetzt entschieden ist. Jetzt kann ich mich auf die letzten beiden Rennen vorbereiten. Es war komisch, es auszusprechen, aber auch in Ordnung. Ich bereue es nicht", sagte er Sonntagvormittag zu norwegischen Medien, später wollte er sich auch noch der Internationalen Presse stellen.

"Ich habe verdammt große Lust, bei der WM schnell zu sein und dort einen guten Abschluss zu haben. Es fühlt sich ein bisschen surrealistisch an, aber ich bin auch zufrieden damit, dass es vorbei ist", erklärte Svindal, der in Aare den Super-G (6.2.) und die Abfahrt (9.2.) bestreiten wird. Den Zeitpunkt der Rücktritts-Bekanntgabe wählte er, weil er sich gleich bei aktuellen und ehemaligen Größen verabschieden wollte. Die "KitzRaceParty" in Harti Weirathers VIP-Tempel ist das Promi-Event-Highlight der Hahnenkammrennen.

Der fehlende Abfahrtssieg bei den Hahnenkammrennen trübt vielleicht die persönliche Bilanz des großen Svindal ein klein wenig, nicht aber die eigentliche: Olympia-Gold 2010 in Whistler im Super-G und 2018 in Jeongeson in der Abfahrt als Krönung der Karriere zeigen eindrucksvoll, seit wie lange der mittlerweile 36-Jährige Weltklasse ist. Seine ersten zwei von fünf Weltmeistertitel in drei Disziplinen (zweimal Abfahrt, zweimal Kombination, einmal Riesentorlauf) fuhr er schon 2007 in Aare ein, dort wird er nun in Kürze auch Abschied von der großen Bühne nehmen.

Dieser WM ordnet der Gesamtweltcupsieger von 2007 und 2009 sowie Gewinner von 36 Weltcuprennen nun alles unter. "Viele Freunde und die Familie werden da sein, das können schöne Rennen zum Abschied werden. Man kann einen großen Kampf um die Medaillen erwarten, ich fühle mich mental sehr gut vorbereitet."

Svindal kämpft seit seinem Horrorsturz 2016 in der Kitzbühel-Abfahrt mit den Folgen der schweren Knieverletzung. Es war nicht seine einzige schwere Verletzung, im Oktober 2014 hatte er sich bei einem Jux-Fußballspiel die Achillessehne gerissen und war ein Jahr ausgefallen. Viel Glück hatte er im November 2007 im Training von Beaver Creek, als er eine tiefe Schnittwunde am Gesäßmuskel erlitt, Zähne verlor und sich Nasenbein- und Jochbein brach.