Kann Stefan Kraft nach dem Double in Sapporo auch in Oberstdorf seine Flugkünste ausspielen? - © afp/Bahar
Kann Stefan Kraft nach dem Double in Sapporo auch in Oberstdorf seine Flugkünste ausspielen? - © afp/Bahar

Oberstdorf. Mit durchaus großen Hoffnungen sind Österreichs Skisprung-Adler am Donnerstag zum Weltcup nach Oberstdorf aufgebrochen. Dort stehen von Freitag bis Sonntag auf der Heini-KlopferSchanze (Hillsize: 235 Meter) die ersten drei Skiflug-Bewerbe der Saison auf dem Programm, Stefan Kraft peilt dabei den vierten Weltcup-Sieg in Folge an.

"Stefan Kraft hat mit seinen drei Siegen in Serie richtig Fahrt aufgenommen. Jetzt hoffen wir natürlich, dass diese Form bei ihm möglichst lange anhält", sagte ÖSV-Cheftrainer Andreas Felder über den Salzburger. Kraft, der seit März 2017 in Vikersund mit 253,5 Metern den Weltrekord hält, machte Ende Jänner im Gesamtweltcup viel Boden gut, noch immer fehlen dem ersten Verfolger von Tournee-Dominator und Leader Ryoyu Kobayashi aber rund 450 Punkte auf die Spitze. Zuletzt gewann der 25-jährige Pongauer in Zakopane und zwei Mal in Sapporo.

Auf die Springer wartet ein dichtes Programm: Aufgrund der abgesagten Bewerbe in Titisee-Neustadt-Neustadt im vergangenen Dezember findet in Oberstdorf ein zusätzlicher, dritter Bewerb statt. Mit Michael Hayböck und Philipp Aschenwald sind zwei Athleten zurück im ÖSV-Kader, die zuletzt die Bewerbe in Sapporo aus Trainingsgründen ausließen. Zudem stößt Ulrich Wohlgenannt aus der zweiten Trainingsgruppe zur Mannschaft. Manuel Fettner und Markus Schiffner fehlen bei der Flug-Konkurrenz vom "Zeigefinger Gottes" hingegen.

"Ich denke, dass wir für Oberstdorf gut aufgestellt sind", meinte Felder. "Michael Hayböck und Philipp Aschenwald kommen frisch erholt zurück, und dann haben wir mit Ulrich Wohlgenannt und Jan Hörl noch zusätzlich frisches Blut in der Mannschaft."

Skiflug-Weltmeister kehrt nach Krankheit zurück

Mit Spannung erwartet wird auch die Rückkehr des amtierenden Skiflug-Weltmeisters aus Norwegen. Schließlich hatte Daniel André Tande im Sommer noch ganz andere Sorgen als die Weitenjagd und den Kampf um Medaillen. Während seine Olympiasieger-Kollegen auf den Schanzen trainierten, lag der 25-Jährige für eineinhalb Wochen in einem Krankenhaus und kämpfte gegen eine Krankheit an, die immer wieder auch tödlich endet.

"Die Wahrscheinlichkeit am Stevens-Johnson-Syndrom zu erkranken ist geringer, als im Lotto zu gewinnen. Das ist meine Art von Glück", hatte Tande damals der norwegischen Nachrichtenagentur NTB gesagt. Tandes Organismus spielte verrückt, sein Immunsystem griff die eigenen Zellen an, der Mund war eine "große Wunde", und essen konnte er auch nicht. Der Norweger hatte Glück, dass er die Symptome schnell erkannte und einen Arzt aufsuchte.

Statt ernsthafter Lebensgefahr blieb es bei einem ordentlichen Gewichtsverlust und einer Trainingspause. "Er hat eine Behandlung mit Medikamenten bekommen, die auf der Dopingliste stehen. Dementsprechend war er nicht wettkampftauglich", sagt Trainer Alexander Stöckl zum langen Ausfall. Mit Ehrgeiz kämpfte sich der manchmal wie ein Popstar gefeierte Tande zurück und formulierte vor dem Winter ehrgeizig das Ziel, entweder die Vierschanzentournee oder den Gesamtweltcup gewinnen zu wollen. Mit beidem, so viel ist bereits klar, wird es diese Saison nichts werden. Bei der Tournee belegte Tande die Plätze 44, 34, 43 und 36, danach stieg er aus dem Weltcup aus. Seine Rückkehr feiert er nun ausgerechnet am Flugbakken in Oberstdorf, wo er im Vorjahr nach einem Abbruch im Aufwärmraum Weltmeister wurde - und gar nicht mehr aufhörte zu weinen. "Er startet jetzt mit einer ganz anderen Ausgangsposition", sagt Stöckl. Für Tande geht es um den Anschluss und nicht um Siege. "Es ist ein positiver Trend da, er wirkt stabiler", sagte der 45-jährige Tiroler, der Tande für die WM in Seefeld (ab 19. Februar) trotzdem keinen Bonus für die Vorjahre gewähren will.

Tande verkörpert Emotionen und inszeniert gerne die große Show. Die Tournee hätte er 2017 beinahe schon gewonnen, dann löste sich im letzten der acht Sprünge ein Teil der Bindung. Das kostete Tande, der nur mit viel Mühe einen Sturz abwenden konnte, nicht nur den Triumph, sondern auch viele Tränen. Den krassen Gegensatz erlebte er in Pyeongchang: Nach Team-Gold kannte Tandes Freude keine Grenzen. Doch nach all den Ereignissen der vergangenen zwölf Monate würde es Tande nun schon reichen, wieder ein paar gute Wettkampf-Sprünge zu schaffen.