Aare. (art) Als Nicole Schmidhofer vor fast exakt zwei Jahren in St. Moritz an Freund, Feind und Favoritinnen vorbei- und zum Titel im Super G brauste, hat sie alle überrascht - inklusive sich selbst. "Ich bin eigentlich nicht auf die Papp’n gefallen, habe immer einen Spruch. Bei mir läuft der Schmäh, aber heute ist es schwer", sagte die damals 27-Jährige, die bis dahin eher als solide Platz- denn als Siegfahrerin gegolten hatte.

Wenn die Damen am Dienstag (12.30 Uhr) die WM nach der feierlichen Auftaktzeremonie am Montag auch sportlich eröffnen, wird das anders sein: Schmidhofer geht nicht nur als Titelverteidigerin im Super G und als Anführerin eines auch mannschaftlich starken Teams mit Tamara Tippler, Stephanie Venier, Ramona Siebenhofer und Christina Ager an den Start; auch Siege der Steirerin sind mittlerweile keine große Überraschung mehr. In diesem Winter konnte sie den letzten präweltmeisterlichen Super G in Garmisch-Partenkirchen für sich entscheiden, dazu kommen die zwei Abfahrtssiege in Lake Louise, die sie auch in dieser Disziplin zur Medaillenanwärterin machen.

Druck macht sich Schmidhofer aufgrund dieser guten Ausgangslage keinen, "ich bin gut drauf", sagt die 29-Jährige, die schon lange im Weltcup dabei ist und neben der Lockerheit auch die nötige Erfahrung mitbringt. Wie in St. Moritz vor zwei Jahren wolle sie sich "aufs Wesentliche konzentrieren", soll heißen: "technisch, schnell und aggressiv skifahren".

- © M. Hirsch
© M. Hirsch

Das beherrschen auch ihre Kolleginnen, die in Österreichs Paradedisziplin schon um die achte Gold- beziehungsweise die 15. Medaille insgesamt kämpfen wollen; gegenseitig pusht man sich im starken Speed-Damen-Team zu Hochleistungen. "Wir haben doch die gewissen Erfolge im Gepäck, dass wir da mit genug Selbstvertrauen antreten können", sagt Siebenhofer.

Das erste Ausrufezeichen gelang am Montag aber Tippler, die sich im Abfahrtstraining die Bestzeit sicherte. Rückschlüsse auf den Super G gibt das freilich nicht - wohl aber darauf, dass man für die besonderen Schneeverhältnisse im eisig kalten Aare gerüstet ist. Die Speed-Damen haben schon vorige Woche ihr Quartier bezogen, ein Testteam ist schon länger in Schweden. Dass in Aare wettertechnisch dennoch alles passieren kann, erlebten die Beteiligten bei der WM 2007. Es begann turbulent mit drei Absagen und Verschiebungen in Folge. Auch das Weltcupfinale im vergangenen März war ein weiterer frostiger Vorgeschmack, wegen Sturmes und Schneefalls mussten der Slalom der Herren und der Riesentorlauf der Damen abgesagt werden.

Shiffrin ist Favoritin, Vonn gibt ihren Abschied

Im Blickpunkt: Bald-Pensionistin Lindsey Vonn und Seriensiegerin Mikaela Shiffrin. - © afp/Tiziana Fabi & Jure Makovec
Im Blickpunkt: Bald-Pensionistin Lindsey Vonn und Seriensiegerin Mikaela Shiffrin. - © afp/Tiziana Fabi & Jure Makovec

Noch ist freilich bei den Organisatoren keine Nervosität vorhanden, dem Auftakt am Dienstag sollte nichts im Weg stehen. Es könnte der Beginn der WM von Mikaela Shiffrin werden, die in nahezu allen Disziplinen die große Gejagte sein wird. Im Super G hat sie bei all ihren drei Weltcup-Antritten in diesem Winter den Sieg geholt. Den zweiten Weltcup-Rang belegt die Liechtensteinerin Tina Weirather vor Schmidhofer.

Diesem Trio, ergänzt noch um die Slowenin Ilka Stuhec und die Italienerin Sofia Goggia, werden die größten Chancen zugetraut. Shiffrin ließ das Abfahrtstraining am Montag aus. "Ich werde versuchen, mein bestes Skifahren zu zeigen und fokussiert zu bleiben", hatte sie davor gemeint. Für Lindsey Vonn beginnt ihre Abschiedsvorstellung bei der WM. "Ich möchte mich in meinen letzten zwei Rennen denkwürdig verabschieden", kündigte die 34-Jährige an.