Aare. (art) So groß die Hoffnungen waren, so groß war nach dem Auftaktrennen auch die Enttäuschung im Team des österreichischen Skiverbandes. Anstelle einer erfolgreichen Titelverteidigung durch Nicole Schmidhofer oder einer Medaille durch eine der anderen in dieser Saison so starken Speed-Damen setzte es mit Platz elf durch Schmidhofer gleich zu Beginn einen herben Rückschlag. Schmidhofer kosteten auf dem wegen des Windes verkürzten und schnell gesteckten Kurs zwei Fehler wertvolle Zehntel, auch die anderen heimischen Fahrerinnen kamen mit der Strecke nicht zurecht.

Die ganz große Favoritin indessen hielt dem Druck stand: Mikaela Shiffrin setzte sich mit der richtigen Mischung aus einer technisch feinen und aggressiven Fahrt um zwei Hundertstelsekunden vor der Italienerin Sofia Goggia und der Schweizerin Corinne Suter durch. Doch es hat nicht viel gefehlt, und Shiffrin hätte das Rennen ebenso wie die Österreicherinnen Stephanie Venier und Christina Ager sowie ihre Landsfrau Lindsey Vonn nicht beendet - nach einem Sprung hielt sie sich nur um Haaresbreite im Kurs. "Ich habe mir gedacht, dass der weit gehen kann, dass das sehr eng werden könnte. Ich habe mir nur gedacht: ,Bleib drinnen‘", sagte sie, als sie heil und am schnellsten von allen im Ziel angekommen war.

Während die 23-Jährige, die bei allen ihren drei Antritten im Super-G in diesem Winter gewonnen hatte, ihrer Favoritenrolle jedenfalls gerecht wurde, hätte man mit ihren Kolleginnen auf dem Stockerl vor wenigen Wochen wohl nicht gerechnet. Suter ("Ich bin mir in den vergangenen Jahren oft selbst im Weg gestanden") hat im Weltcup noch nie einen Top-drei-Rang belebt, Goggia ausgerechnet nach ihrer bisher besten Saison, in der sie den Abfahrtsweltcup sowie Abfahrts-Olympiagold gewonnen hatte, in der Vorbereitung auf dem Hintertuxer Gletscher einen Knöchelbruch erlitten und war erst vor wenigen Wochen in Garmisch-Partenkirchen in den Weltcup zurückgekehrt - als Zweite (hinter Schmidhofer) aber denkbar stark. "Es bedeutet mir sehr viel. Aber überhaupt die Chance, hier zu sein, ist ein Traum, der in Erfüllung gegangen ist. Ich hatte viele Leute, die mir geholfen haben. Aber du selber musst den Schritt machen, einfach die Karten ausspielen. Ich war oben noch ein bisschen zu zurückhaltend. Es war schwer gesetzt, ein sehr enger Super-G-Kurs", sagte die Italienerin, die sich nun auch in der Abfahrt und im Riesentorlauf Chancen ausrechnet.

Abhaken, weiterfahren

Der Titel des weiblichen Superstars dieser WM aber dürfte nur über Shiffrin führen. Schon jetzt hat die dreifache Slalom-Weltmeisterin etwas erreicht, das zuvor nur Anja Pärson gelungen war: einen WM-Titel im Super-G und im Torlauf zu holen. Insgesamt sieben Goldene nennt die schwedische Ski-Ikone ihr Eigen, bei ihren Heimtitelkämpfen in Aare 2007 gewann sie in Abfahrt, Super-G und Super-Kombination. Shiffrin kann das an selber Stelle aber nicht übertreffen. Am Dienstagabend erklärte sie ihren Verzicht auf einen Start in der Kombination, Shiffrin wolle sich auf Riesentorlauf und Slalom konzentrieren.

Die am Dienstag geschlagenen Österreicherinnen wollen Revanche üben. "Abhaken, in drei Tagen gibt es die nächste Chance", meinte etwa Siebenhofer, die "vielleicht ein bisschen zu schön" unterwegs gewesen sei. "Ich habe zu wenig attackiert", sagte sie nach dem 15. Platz. Viel riskiert - und verloren hat indessen Stephanie Venier: "Ich bin da einfach viel zu direkt rein. Ich bin komplett danebengesprungen. Ich habe keine Chance mehr gehabt, dass ich reinkomme. Ich habe riskieren müssen, es zählt nur eins, zwei, drei", meinte sie nach ihrem Ausfall. Schmidhofer nahm die verpasste Titelverteidigung gelassen. "Es ändert nichts, es heißt nur, dass wir in zwei Jahren in Cortina nur zu viert fahren werden. Ein Titel bleibt für mich für immer", sagte die 29-Jährige.