Aare. (art) Am Ende war es an Vincent Kriechmayr, die Kastanien für den österreichischen Skiverband aus dem Feuer respektive die Medaille aus dem trockenen Schnee zu holen. Nach dem Debakel im Super-G der Damen am Vortag verhinderte der Oberösterreicher eine ähnliche Niederlage für die rot-weiß-rote Herren-Speed-Truppe und holte mit Silber die ersehnte erste Medaille bei diesen Titelkämpfen. Neun Hundertstelsekunden fehlten dem 27-Jährigen auf den Italiener Dominik Paris, der nach starken Leistungen im Weltcup nun erstmals auch bei einem Großereignis ganz oben stand. Silber hatte der 29-Jährige bereits 2013 in der Abfahrt von Schladming gewonnen. Die Chancen stehen der Papierform nach nicht schlecht, dass nun noch etwas dazu kommt. Denn auch in der Abfahrt zählt der Kitzbühel-Sieger zum engsten Favoritenkreis.

Das galt neben Kriechmayr im Super-G freilich auch für die anderen Österreicher, die allerdings mit dem von Norwegens Trainer Reto Nydegger tückisch gesteckten Kurs ihre Probleme hatten. Matthias Mayer fiel nach der zweiten Zwischenzeit, bei der er noch vor dem späteren Sieger lag, ebenso aus wie Routinier und Ex-Weltmeister Hannes Reichelt. "Es zipft mich brutal an", meinte Olympiasieger Mayer, der schon zum dritten Mal bei einem Großereignis an einem Tor vorbeifuhr. Zweitbester Österreicher wurde damit WM-Debütant Daniel Danklmaier, der nach Platz 20 - wenn auch kleine - Chancen auf ein Abfahrtsticket hat. "Ich bin stolz, dass ich dabei war. Du nimmst Erfahrung mit. Es war trotz allem ein geiles Rennen", sagte Danklmaier. Auch Kriechmayr, der sich den zweiten Platz mit dem 38-jährigen Franzosen Johan Clarey teilte ("Ich wusste gar nicht, dass ich jetzt der älteste Medaillengewinner bin, aber es ist völlig okay für mich"), war mit seiner Fahrt nicht gänzlich zufrieden. Der obere und untere Teil waren stark, im mittleren Streckenabschnitt aber verlor er Zeit auf Paris. "Mich wurmt es, dass ich den Mittelteil nicht so gut gefahren bin, wie ich mir das vorgenommen habe", sagte der Führende im Disziplinenweltcup und Sieger des bisher letzten Weltcup-Super-G in Aare. "Aber heute musste man riskieren, die Sicht war nicht leicht." Nachdem Clarey ihn nicht hatte abfangen können - ein gerissener Anzug dürfte ihn eine noch bessere Zeit gekostet haben - und auch die höheren Nummern trotz besserer Sonneneinstrahlung hinter ihm blieben, konnte er allerdings hoch zufrieden über seine erste Medaille bei einem Großereignis sein. "Als die Sonne rausgekommen ist, habe ich schon noch g’scheit geschwitzt", sagte Kriechmayr, als das 14. Edelmetall in einem Herren-WM-Super-G feststand.

Norweger geschlagen

Denn wie leicht man als Mitfavorit leer ausgehen kann, offenbarte sich nicht nur bei Österreich vor zwei Jahren, als es keinen Stockerlplatz im Super-G gab, sondern auch am Mittwoch bei den Norwegern. Die dominierende Nation der vergangenen Weltcup-Jahre in dieser Disziplin kam nicht über einen achten Platz durch Adrian Smiseth Sejerstad hinaus; Aksel Lund Svindal musste im vorletzten Rennen seiner Karriere einmal quer stellen und wurde 16., Kjetil Jansrud und Aleksander Aamodt Kilde belegten nach fehlerreichen Fahrten die Ränge 22 und 24.

"Es war schon ein schwieriges Rennen. Es war sehr dunkel, mit den ganzen Wellen war es sehr schwierig", meinte der 36-jährige Svindal. "Ich habe einen guten Plan gehabt. Aber ich bin nicht gut genug gefahren, ich habe auch nicht genug Risiko genommen. Wenn man die Passagen 90 Prozent fährt, fehlt dir viel Zeit. Ich habe zu viel beobachtet, wie viele ausgefallen sind, dann habe ich zu wenig Risiko genommen."