Aare. (art/apa) Es war ihr vorletztes WM-Rennen - und es hat vielleicht die letzte Medaille für Österreich in dieser Disziplin gebracht. Als Michaela Kirchgasser vor zwei Jahren in St. Moritz hinter den Schweizerinnen Wendy Holdener und Michelle Gisin Bronze in der alpinen Kombination holte, schrieb sie damit eine rot-weiß-rote Erfolgsgeschichte fort, die sich nun ihrem Ende zuneigen könnte. Denn der Internationale Skiverband überlegt schon seit längerem, die Kombination, die - in den unterschiedlichsten Formaten seit 1932 - bisher nicht weniger als sieben Gold-, zwölf Silber- und 16 Bronze-Medaillen für den heimischen Skiverband gebracht hatte, aus dem Kalender zu streichen. Die im Weltcup bereits in der Testphase befindlichen Parallel-Bewerbe, die bei Weltmeisterschaften und Olympischen Spielen bisher als Einzelrennen noch keine Aufnahme ins Programm fanden, sollen stattdessen forciert werden. Im Rahmen der WM in Aare soll darüber kommende Woche diskutiert werden; vorerst gehen aber noch die Kombinationsbewerbe bei Damen am heutigen Freitag (11.30/16.15 Uhr) und Herren am Montag in Szene. Für den ÖSV gehen bei den Damen Christina Ager, WM-Debütantin Franziska Gritsch, die in den Trainings starke Ricarda Haaser und Ramona Siebenhofer an den Start, auch bei den Herren hat sich der Verband frühzeitig festgelegt: Romed Baumann, Daniel Danklmaier, Marco Schwarz und Vincent Kriechmayr werden die rot-weiß-roten Fahnen am Montag hochhalten.

Während Schwarz die einzige Herren-Kombination in diesem Winter in Wengen gewonnen hat, gehen die Damen als Außenseiterinnen ins Rennen. Da es im Weltcup in dieser Saison noch keinen Bewerb gegeben hat, sind Voraussagen schwierig, der Papierform nach ist aber vor allem Holdener in Abwesenheit von Mikaela Shiffrin wieder stark einzuschätzen, Haaser darf sich Außenseiterchancen ausrechnen. Dass es überhaupt so wenige Bewerbe in dieser Disziplin gibt, ist für Siebenhofer eines der Probleme der Kombination. "Wenn vielleicht mit viel Glück zwei Rennen im Jahr stattfinden, ist es schwierig, das mit Ernst zu betreiben", sagt die Steirerin, die sich aber grundsätzlich als Fan der Kombination outet. "Ich bin immer mit Spaß und Freude dabei", betont die 27-Jährige, die vor allem früher auch viel Slalom trainiert, sich dann aber in Richtung Speed spezialisiert hat. Wie Siebenhofer geht es vielen Fahrerinnen und Fahrern, echte Allrounder werden immer seltener. "Irgendwann muss man sich halt entscheiden", meint sie.

Das Programm entwirren

Für Jürgen Kriechbaum, den Cheftrainer der Österreicherinnen, ist das aber kein Grund, die Kombination abzuschaffen - im Gegenteil: "Sie gefällt mir grundsätzlich gut, und es ist auch für junge Läuferinnen, die meistens noch breiter aufgestellt sind, immer wieder eine Möglichkeit, in den Weltcup hineinzuwachsen", sagt er. Gritsch wäre so ein Fall: Die 21-jährige Tirolerin gewann bei der Junioren-WM 2017 - ausgerechnet in Aare - Silber im Super-G und Bronze in der Kombination, ein Jahr darauf in Davos Silber im Slalom und im Super-G sowie Bronze in der Kombination und mit der Mannschaft. Ihre besten Weltcup-Ergebnisse waren ein 13. Platz im Parallelslalom von St. Moritz im Dezember beziehungsweise ein zwölfter Rang im Slalom in Zagreb.

Einigkeit herrscht aber auch im ÖSV darüber, dass die Konzepte überdacht werden müssen. Die unterschiedlichen Formate sowohl in den Parallelbewerben als auch in der Kombination würden nur Verwirrung stiften, meint Siebenhofer. "Bei jedem Parallelbewerb denken sich die Zuschauer zu Hause: Wie ist das jetzt? Jetzt ist es schon wieder anders als beim letzten Mal." Dasselbe gelte für die Kombination: "Da kann man auch nicht sagen, wir fahren einmal mit einem Super-G und einmal mit einer Abfahrt. Dann könnte man auch gleich Abfahrt und Riesentorlauf machen. Da muss man sich irgendwann fixieren", sagt sie.

Kriechbaum sieht das ähnlich: "Die FIS muss Grundsatzentscheidungen treffen, wohin sie überhaupt will", meint der Coach. Laut Aussagen von Damen-Rennleiter Atle Skaardal stünden die Chancen, die Kombination beizubehalten, bei "50 Prozent". Siebenhofer wäre das recht. "Mir ist die Kombination lieber als der Parallelbewerb, weil bei dem würde ich wahrscheinlich nicht teilnehmen", meint sie.