Aare. (apa) Kjetil Andre Aamodt ist der erfolgreichste Mann bei alpinen Ski-Weltmeisterschaften, was die Anzahl an Medaillen angeht. Zwölf Stück hat der 47-Jährige im Laufe seiner Karriere gesammelt, davon glänzten fünf in Gold. Im Interview spricht der Norweger in Aare unter anderem über die Staffelübergabe in seinem Heimatland, Österreichs Ski-Helden Marcel Hirscher und dessen potenzielle Herausforderungen.

Wie sehr hat Sie der märchenhaften Abschied von Aksel Lund Svindal mit Silber in der Abfahrt gefreut?

Ich war etwas nervös, denn nach dem Super-G mit einem 16. Platz die Karriere zu beenden, ist nicht so lustig. Also habe ich wirklich auf ein gutes Ende gehofft, und es war perfekt. Es war wie ein Symbol. Es war kein Unterschied, ob Erster oder Zweiter, weil er dort gemeinsam mit seinem Kollegen (Kjetil Jansrud, Anm.) stand. Besser hätte er nicht abtreten können, mit allen Teamkollegen um ihn herum, denen er so viel geholfen hat. Es war wie eine Hofübergabe: Der König ist vom Thron gestiegen, und der Kronprinz hat das Zepter übernommen. Wir waren so glücklich, denn er hat so viel für den alpinen Skisport in Norwegen und weltweit bedeutet.

In Österreich ist Marcel Hirscher der Ski-König. Wie sehen Sie seine Karriere?

Ich habe den größten Respekt vor Hirscher. Er ist wahrscheinlich der beste Skifahrer aller Zeiten, auch wenn Ingemar Stenmark mein großer Held ist, und er hat noch immer mehr Siege. Daher warte ich, bis er mehr als 86 Siege hat, bis ich sage, er ist wirklich besser. Bei Ingemar haben sie das System für den Gesamt-Weltcup geändert, während er noch gefahren ist, weil er nicht gewinnen sollte. Das sollte man nicht vergessen. Er konnte 1984 nicht an den Olympischen Spielen teilnehmen, weil er eine Profilizenz hatte, das sollte man auch nicht vergessen. Ich denke, Hirscher muss 86 Rennen gewinnen, dann ist er besser.

Sie hatten seinerzeit eine etwas andere Herangehensweise, da sie jedes Rennen gefahren sind . . .

Ich und Lasse (Kjus, Anm.) hatten sonst ein langweiliges Leben, also haben wir gesagt, wir fahren alles, wir wollen nicht nur acht oder neun Rennen pro Jahr fahren. Das war gut während Großereignissen, weil wir so fünf Möglichkeiten hatten, Medaillen zu gewinnen. Insgesamt haben wir 36 Medaillen gewonnen, das ist unser Erbe im Skisport. Im Weltcup war es dagegen schwierig, viel zu gewinnen, denn wir hatten damals einen anderen Terminplan. In Val d’Isere hatten wir zum Beispiel vier Disziplinen in vier Tagen. Es ist sehr hart, am Sonntag auf die Slalomfahrer zu treffen, wenn du die ganze Woche Abfahrt gefahren bist und dann noch Super-G und Riesentorlauf. Es war schwierig, aber wir hatten unseren Spaß dabei.

Was fasziniert Sie am meisten bei Hirscher?

Vor ein paar Jahren hat Henrik Kristoffersen angefangen, ihn im Slalom zu schlagen, und Alexis Pinturault im Riesentorlauf. Er hat sich noch einmal verbessert, und jetzt gewinnt er alles und fährt jeden in Grund und Boden. Das ist sehr beeindruckend. Nach seinen Olympia-Goldmedaillen habe ich zu ihm gesagt, das Einzige, was noch fehlt, ist ein Sieg in der Abfahrt. Und ich weiß, er könnte es schaffen. Aber er hat gesagt, er würde gern seine Knie behalten und mit seinen Kindern Fußball spielen. Das kann ich auch verstehen.