Vor zwei Jahren in St. Moritz gab es eine Sternstunde: Hirscher (r.) siegte vor Leitinger. - © apa/expa/Groder
Vor zwei Jahren in St. Moritz gab es eine Sternstunde: Hirscher (r.) siegte vor Leitinger. - © apa/expa/Groder

Aare. (may) So etwas gab es heuer im gesamten Winter noch nie: Während in allen fünf bisherigen Weltcup-Riesentorläufen angesichts kalter Temperaturen kompakte bis eisige Rennpisten auf die Athleten warteten, ist nach dem Warmwettereinbruch in Aare just bei der WM alles anders. Regen und Tauwetter haben dem in der Vorwoche noch perfekten Untergrund arg zugesetzt, wie die darob nötige Salzpräparation beim Rennen am Freitag (14.15/17.45 Uhr/ORFeins) greift, wird sich erst weisen. Und ob die wechselnden Wind- und Sichtbedingungen ein faires Rennen um die Medaillen garantieren können, ist ebenso unklar. Gleich für alle scheint zumindest, dass wohl niemand weiß, was ihm beim Saisonhöhepunkt wirklich erwartet - wer sich am besten darauf einstellen kann, das beste Setup und auch eine Portion Glück hat, wird wohl das Rennen machen.

Hinzu kommt, dass der bisherige Saisondominator Marcel Hirscher angeschlagen in Aare angekommen ist; und seit seinem vierten Riesentorlauf-Saisonsieg in Adelboden (nur in Saalbach wurde er Sechster) ist auch schon gut ein Monat vergangen. Trotzdem wäre es völlig vermessen, ihm nicht die Favoritenrolle zuzuschanzen, zumal es keinen Fahrer gibt, der sich auf extreme Bedingungen so gut einstellen kann wie der Salzburger - das hat er einst im Garmischer Regenriesentorlauf bewiesen, als er mit dem persönlichen Rekordvorsprung von 3,28 Sekunden die Konkurrenz regelrecht vorführte.

Nach seiner Ankunft am Mittwoch in Aare legte sich Hirscher umgehend ins Bett. Donnerstag begab er sich, nachdem er sich zuletzt in Annaberg und auf der Reiteralm in aller Abgeschiedenheit auf die Titelkämpfe vorbereitet hatte, wieder auf die Ski. "Allzu optimistisch bin ich momentan nicht, dass das morgen tipptop sein wird", ließ der 29-Jährige anschließend via Audiobotschaft wissen. "Halsweh, Ohrenweh, Schnupfen, wie man hört, und Gliederschmerzen. Also ich würde sagen, ich bin zwar kein Doktor, aber es hört sich ein bisschen nach einem grippalen Infekt an." Freilich kann man davon ausgehen, dass auch ein nicht so fitter Hirscher um die Medaillen mitkämpfen wird können.

Gold-Rekord ist möglich

Außerdem kann der Olympiasieger und WM-Titelverteidiger wieder einmal Historisches schaffen: Dem Inhaber von sechs WM-Goldenen - zwei davon im Team - fehlt nur noch ein Titel auf Rekordmann Toni Sailer. Bei einem Medaillenerfolg steigt er zudem in den Kreis jener Rennläufer auf, die zehn oder mehr WM-Medaillen gewonnen haben: Kjetil Andre Aamodt (12) liegt vor Marc Girardelli (11) und Lasse Kjus (11) sowie Benjamin Raich (10). Bei Hirscher und Raich sind Teammedaillen dabei, zu Zeiten der anderen gab es diesen Bewerb noch nicht.