Die Erkältung war ihm im Rennen kaum anzumerken. Mit neuem Helm raste Marcel Hirscher zu Silber. - © apa/expa/Angerer
Die Erkältung war ihm im Rennen kaum anzumerken. Mit neuem Helm raste Marcel Hirscher zu Silber. - © apa/expa/Angerer

Aare. (may) Zweistellige Plusgrade, Sonnenschein, frühlingshafter Schnee: Der Herren-Riesentorlauf bei der Ski-WM in Aare brachte am Freitag ganz andere Bedingungen als an den Tagen zuvor - immerhin konnte am drittletzten Tag der alpinen Titelkämpfe zum ersten Mal ein Rennen über die volle Distanz und auch pünktlich über die Bühne gehen. Und trotz der schwierigen Bedingungen aufgrund der schmierigen Kunstschneeauflage, die es so heuer im Weltcup nie gab, zierten das Siegerbild drei alte Bekannte in dieser Disziplin: Der von einer hartnäckigen Erkältung gehandicapte Marcel Hirscher musste sich dabei nur knapp (+0,20 Sekunden) dem Norweger Henrik Kristoffersen geschlagen geben, Bronze ging an den französischen Kombinations-Weltmeister Alexis Pinturault (+0,42).

Der 24-jährige Norweger sicherte sich mit Gold nicht nur seine erste WM-Medaille überhaupt, sondern trat just zum Saisonhöhepunkt aus dem Schatten von Hirscher, den er seit Jänner 2018 (Kitzbühel) erstmals besiegen konnte. Im extrem schnell gesteckten zweiten Lauf fand Kristoffersen unter Flutlicht die beste Spur und raste von Rang drei ganz nach oben aufs Stockerl - da konnte selbst Saisondominator Hirscher diesmal nicht mehr zusetzen. Dennoch hielt sich die Enttäuschung beim 29-jährigen Annaberger in Grenzen: "In Anbetracht der Umstände ist Silber sicher gewaltig, da muss ich sehr zufrieden sein. Ich bin happy, dass ich heute überhaupt am Start war, das war das Maximum, das ich rausholen konnte." Allerdings verriet der entthronte Titelverteidiger auch: "Der zweite Platz ist der erste Verlierer. So gesehen hilft mir das jetzt nicht weiter." Die Verkühlung sei jedenfalls keine Ausrede für verpasstes Gold, beteuerte Hirscher, der seinem Dauer-Rivalen neidlos gratulierte: "Für Henrik ist es eine große Genugtuung. Ich glaube, das passt so." Der Norweger sprach von einem "wirklich guten zweiten Lauf": "Es war unten voll am Limit. Aber unser Team hat viel für diesen Sieg gearbeitet, nachdem ich seit einem Jahr nicht mehr gewonnen habe."

Die Vorentscheidung war bereits im ersten Lauf gefallen: Unter den besten Sechs fanden sich die ersten sechs Startnummern - Pinturault (2), Hirscher (5) und Kristoffersen (1) lagen nur 18Hundertstel auseinander. Die übrigen ÖSV-Starter begruben ihre Medaillenhoffnungen aufgrund hoher Startnummern bereits im ersten Lauf und klassierten sich jenseits der Top Ten. Am Ende wurde Marco Schwarz nach Laufbestzeit Fünfter, Stefan Brennsteiner (9.) und Manuel Feller (15.) folgten dahinter; Roland Leitinger, Vizeweltmeister von St.Moritz, fädelte im Finale ein.