Aare. Die ÖSV-Damen müssen erstmals seit 37 Jahren eine Ski-WM ohne Edelmetall verlassen. Katharina Liensberger landete am Samstag bei der letzten Chance im Slalom in Aare wie zwei Teamkolleginnen zuvor an der vierten Stelle, 0,4 Sekunden fehlten auf Bronze. Mikaela Shiffrin sorgte indes für einen WM-Rekord: Die 23-Jährige eroberte als erste Aktive zum vierten Mal in Serie in einem Bewerb Gold.

Shiffrin rückte im Finale trotz einer starken Erkältung die Rangordnung im Slalom wieder zurecht. Mit einer fabelhaften Fahrt katapultierte sich die US-Amerikanerin von der dritten Stelle an die Spitze. Mit 0,58 Sekunden vor Anna Swenn Larsson (SWE) und 1,03 Sek. vor Petra Vlhova (SVK) holte sie ihren zweiten Titel in Schweden nach dem Super-G und ihren insgesamt fünften.

"Die Challenge war, atmen zu können"

"Ich habe im zweiten Lauf wirklich, wirklich angegriffen, ich wusste, dass es ein großer Kampf wird, es waren 60 Sekunden, in denen ich Gas geben musste", sagte Shiffrin mit Tränen in den Augen. Die Nerven hätten keine Rolle gespielt, die Herausforderung war eine andere, eine gesundheitliche, sagte die zweifache Olympiasiegerin. "Die Challenge war, atmen zu können. Ich habe es noch nie erlebt, dass ich keine Luft bekommen habe. Fit zu bleiben war der größte Fokus."

Die Halbzeit-Führende Wendy Holdener verpasste die Chance auf ihr drittes Aare-Gold nach Kombination und Teambewerb. Nach einem schweren Fehler blieb der Schweizerin nur der 17. Rang (+5,26). Dem Angriff Shiffrins war auch Larsson nicht gewachsen, sie holte mit Silber ihr erstes Edelmetall und das erste für das Gastgeberland. Für Riesentorlauf-Siegerin Vlhova (da war Shiffrin Dritte) gab es mit Bronze wie für Shiffrin das dritte Edelmetall in Aare, sie machte ihren Medaillensatz komplett.

"Der vierte Platz ist sehr undankbar"

Liensberger trauerte der vergebenen Chance auf ihr erstes Einzel-Edelmetall nach Olympia- und WM-Silber (jeweils Team) nach. "Der vierte Platz ist sehr undankbar. Ich hoffe, das passiert mir nur einmal in meiner Karriere", meinte die Vorarlbergerin im ORF-Interview. "Ich weiß, dass ich schnelle Schwünge dabeihabe. Auch wenn es momentan wehtut, ich hoffe, dass ich noch schöne Momente erleben darf."

Ihre Teamkolleginnen Katharina Huber (+2,80), Katharina Truppe (2,93) und Bernadette Schild (3,41) verbesserten sich im zweiten Durchgang und landeten auf den Plätzen sieben bis neun. Nun liegt es an den ÖSV-Slalom-Herren, zum Abschluss am Sonntag die ersten Weltmeisterschaften ohne Goldmedaille seit 1987 (Crans Montana) zu verhindern.