Entscheidung im Sommer

Nach Abschied sah das nicht aus, wiewohl Hirscher nachher bekannte: "Wahrscheinlich sind das meine letzten Weltmeisterschaften. Von dem her wäre das ein sehr schöner und runder Abschluss." Das muss bei ihm nicht viel heißen, zudem steht ab Dienstag beim City-Event in Stockholm (17.30 Uhr/ORFeins) wieder die Weltcup-Titelverteidigung im Mittelpunkt. Entschieden wird danach im Sommer. "Dann werden die Dinge klarer sein als jetzt."

Während die ÖSV-Männer in jeder Disziplin Edelmetall holten (und bei den Speedbewerben Vincent Kriechmayr mit Silber und Bronze überzeugte) wird die Damen-Nullnummer in Abfahrt und Super-G noch Gegenstand von Analysen sein. In Ersterem zu wenig, in Letzterem zu viel Risiko - am Ende gab es als überlegene Equipe im Weltcup eine satte Enttäuschung. Wiewohl die Damen mit drei Mal Blech auch Pech hatten, zumal auf den flachen Pisten von Aare schon kleine Unebenheiten über Top oder Flop entschieden.

Aufteilung auf viele Nationen

Zu den Tops der 45. Titelkämpfe zählen gewiss die grandiosen Abtritte der Ski-Größen Aksel Lund Svindal und Lindsey Vonn, die mit Abfahrts-Silber beziehungsweise -Bronze für die emotionalen Highlights der WM sorgten. Vor allem Vonns Edelmetall grenzte angesichts ihres Horrorsturzes im Super-G bei ohnedies malträtierten Knien einem kleinen Wunder.

Positiv für den Skirennsport ist wohl auch die gerechte Aufteilung der Medaillen auf alle Skinationen, wobei die Slowakei (dank Petra Vlhová) und Slowenien (Ilka Stuhec) mit je zwei Mal Edelmetall im Konzert der Großen mithalten konnten. Dass eine WM kein Wunschkonzert ist, bewies indes die Tatsache, dass die starken Schweizer Herren leer ausgingen und für Gastgeber Schweden sowie Deutschland lediglich ein Mal Silber blieb.

Apropos Gastgeber: In Erinnerung blieben - nach dem Anreisechaos - auch die schwierigen Wetterbedingungen: Von arktisch-kalt bis frühlingshaft-warm, von Schneesturm und Nebel bis hin zu Dauerregen und Sonnenschein. Die Veranstalter hatten es wahrlich nicht leicht, weshalb es eine Meisterleistung war, alle Bewerbe halbwegs pünktlich durchzubringen. Trotz mitunter widrigster Bedingungen gab es nur einen einzigen Zufalls-Medaillengewinner - der Slowene Stefan Hadalin freute sich über Kombinations-Silber.

Nicht nachvollziehbar ist indes die Kritik, eine WM überhaupt an so einen Ort zu vergeben, zumal Skandinavien eine Wiege des Skisports darstellt. Dass nicht immer und überall eine Stimmung wie in St. Moritz oder Schladming herrschen kann, ist ebenso sonnenklar wie der Umstand, dass nordische Weltmeisterschaften in Schweden ungleich besser besucht und stimmungsvoller gewesen wären. Womit sich Seefeld in den kommenden Tagen ordentlich anstrengen muss.