Aare. "Alles vergessen. Dass die Damen keine Medaillen haben - auch schon vergessen." Wenn eine Ski-WM so triumphal wie nie zuvor endet - mit dem ersten WM-Slalom-Dreifachsieg in der Geschichte - sind selbst für den oft so kritischen ÖSV-Präsidenten Peter Schröcksnadel die bittersten Tiefschläge der vergangenen zwei Wochen nur noch Schnee von gestern. Auch das Zittern um das erste rot-weiß-rote Gold in Aare bis zum allerletzten Läufer, das am Ende Superstar Marcel Hirscher einfahren konnte - vor Michael Matt und Marco Schwarz - , war bald kein Thema mehr.

Am Ende steht eine Medaillenbilanz, die zwei Lesearten zulässt: Mit acht Mal Edelmetall hat Österreich seine Vormachtstellung als Skination Nummer eins klar untermauert, schließlich wurden doppelt so viele Medaillen erobert wie von den zweitbesten Nationen (Norwegen, Schweiz). Und in der langen WM-Geschichte gab es nur 13 Mal mehr als acht Medaillen. Das Single-Gold bringt jedoch nur Platz vier im Medaillenranking von Aare und einen abgeschlagenen Platz in der ÖSV-Historie (zum Vergleich: 2015 gab es in Beaver Creek bei neun Medaillen fünf Mal Gold und damit das viertbeste ÖSV-Ergebnis in der ewigen Rangliste). Was den Präsidenten dazu veranlasste, die Statistik anders zu deuten: "Wir sind zwar nicht Nummer eins in der Medaillenwertung, aber nach amerikanischer Zählweise sind wir weit voraus", sagte der Tiroler in Aare.

Dann wäre freilich sein Superstar noch immer nicht die Nummer eins in der Historie der Ski-Titelkämpfe: Der 29-jährige Annaberger hat am sechsten Jahrestag seines WM-Slalom-Triumphes 2013 in Schladming den nächsten Karriere-Meilenstein gesetzt, indem er mit dem siebten WM-Gold (bei vier Silbermedaillen) Ski-Legende Toni Sailer von Rang eins verdrängt hat. Auf den Mengen-Rekord von Kjetil Andre Aamodt mit zwölf WM-Medaillen (fünf Goldene) fehlt aber noch eine einzige. Auch diese Bestmarke in zwei Jahren in Cortina anzugreifen, ist aber noch lange kein Thema: "Das ist nie der Anreiz für mich, der Anreiz ist, so zu performen wie im ersten Durchgang", sagte der alte und neue Champion. Da gelang Hirscher ein Fabellauf, bei dem er der gesamten Weltelite (Ausnahme: der im zweiten Lauf gestrauchelte Alexis Pinturault) mehr als eine Sekunde abnahm. Vergessen dabei der grippale Infekt, der knapp verpasste Sieg im Riesentorlauf, der enorme Druck auf seinen Schultern. Als Belohnung gab es die triumphale Einfahrt als dreifacher Slalom-Weltmeister (wie Ingemar Stenmark) in den Zielraum, wo ihn die erfolgreichen Teamkollegen feiernd empfingen.